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Älteste deutsche Tuchfabrik : Des Jägers Wolllust

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Sie gehen dem Schaf an die Wolle: Geschäftsführer Paulus Mehler und Sohn Maximilian im Musterraum Bild: Roderick Aichinger

Das Traditionsunternehmen Mehler gibt es seit fast 400 Jahren. Es stellt Loden her. Jäger schätzen den gut isolierenden Stoff. Doch auch bei jungen und umweltbewussten Kunden wird er immer beliebter.

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          Jäger kleiden sich gern in Loden, denn der Wollstoff schützt gegen Wind und Wetter. Doch der Traditionsstoff wird auch von Menschen verwendet, denen Nachhaltigkeit und Wertigkeit wichtig sind. „Loden isoliert extrem gut und ist nach ökologischen Aspekten sehr nachhaltig“, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Inzwischen griffen allerdings viele Jäger auf synthetische Stoffe zurück. „Der Loden eignet sich aber immer noch gut für Unterwäsche und für die typische Jägeruniform, den Janker.“

          Loden ist ein typisch europäischer Stoff, der oft in der Landhausmode und in der historischen Tracht zu finden ist. „In den Alpenregionen hat der Loden seine Ursprünge. Vor ein paar hundert Jahren fand dort die Weiterverarbeitung der Wolle von Bergschafen erstmals statt“, berichtet Paulus Mehler, einer der beiden Geschäftsführer der Tuchfabrik Gebrüder Mehler GmbH. Der Stoff biete viele praktische Eigenschaften auch im Bereich der Freizeit- und Sportbekleidung. Im Interieurbereich findet man ebenfalls Loden, zum Beispiel Sitzbezüge, Vorhänge und Bettüberwürfe.

          Loden hat eine enge Gewebestruktur, die wärmende Wolle ist sehr winddicht. Außerdem wirkt der stark verfilzte Wollstoff wasserabweisend gegen leichten Regen und ist schmutzresistent. Laut Reinwald ist das Naturprodukt atmungsaktiv und nimmt anders als Kunstfasern die Feuchtigkeit, die beim Schwitzen entsteht, auf. Ein Vorteil für Jäger ist auch, dass Loden geräuscharm ist; er schreckt keine Tiere auf. Laut Mehler lockt der fast chemiefreie Stoff viele umweltbewusste Kunden an. Sie seien bereit, einen höheren Preis für langlebige Kleidung zu zahlen. Das gelte auch für junge Leute.

          Uniformen für Vereine

          Die Tuchfabrik Gebrüder Mehler aus Tirschenreuth in Bayern ist ein wichtiger Lodenproduzent in Deutschland. „Mitbewerber im Lodenbereich haben wir nur noch aus dem Ausland, zum Beispiel aus Italien. In Deutschland heben wir uns durch unsere eigene Spinnerei, Weberei, Färberei und Ausrüstung von anderen Unternehmen ab“, betont Mehler. Nach eigenen Angaben kostet der Stoff 15 bis 25 Euro je Laufmeter, wobei ein Laufmeter 1,5 Qua­dratmeter sind.

          Eine Tonne Loden hat den Preis von 40.000 Euro. Die Bestellungen der Kunden liegen zwischen 20 und 100.000 Euro. Im Fachhandel kostet ein klassischer Lodenmantel 300 bis 600 Euro. In der Ausrüstung und der Haptik ist der Loden vielfältig: vom gerauten Stoff über Strichloden mit dachziegelartig angelegten Fasern bis zum Flauschloden.

          Das Unternehmen gibt es seit fast 400 Jahren. „Die Gebrüder Mehler GmbH ist der älteste Stoffhersteller in Deutschland“, sagt Mehler. Heute beschäftigt man 90 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist nicht nur auf Loden spezialisiert. „Wir sind in Deutschland auch Marktführer bei der Stoffbelieferung für Uniformen von bestimmten Vereinen. Das sind zum Beispiel Karnevals-, Schützen- und Gesangsvereine, welche alle eine spezielle Uniform haben, und diese kleinen Serien stellen wir ganz individuell her“, berichtet Mehler. Besonders gefragt ist Loden im Vereinsbereich in Österreich, vor allem in Blaskapellen. Der Anteil der Uniformen am Umsatz liege bei knapp 20 Prozent.

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