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Deutschland : China bleibt führender Investor

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Made in Germany: 158 Unternehmen aus China siedelten sich im vergangenen Jahr in Deutschland an Bild: dpa

158 Unternehmen aus China siedelten sich vergangenes Jahr in Deutschland an. Damit baut die Volksrepublik ihren Spitzenplatz als führender Investor aus. Umgekehrt zieht es aber auch die deutsche Industrie stark in das Reich der Mitte.

          Die Wirtschaftsmächte Deutschland und China ziehen sich gegenseitig immer stärker an: Die Volksrepublik war 2011 der Top-Investor in der Bundesrepublik. Umgekehrt zieht es die deutsche Industrie in das Reich der Mitte - nirgendwo wollen so viele Unternehmen investieren.

          158 Unternehmen aus der Volksrepublik siedelten sich im vergangenen Jahr hierzulande neu an, teilte die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) am Donnerstag in Berlin mit. „China ist damit der mit Abstand wichtigste Investor in Deutschland“, sagte GTAI-Geschäftsführer Michael Pfeiffer.

          Auf Platz zwei kommen die Vereinigten Staaten mit 110 Projekten, die bis vor zwei Jahren noch die Rangliste anführten. Es folgen die Schweiz mit 91 und Frankreich mit 53 Neuansiedlungen. Insgesamt ließen sich 827 Unternehmen aus 33 Ländern in Deutschland nieder - 13 Prozent mehr als 2010.

          „Europa ist ein riesengroßer Markt, die Investoren suchen sich hier den sichersten und größten Standort aus - und das ist Deutschland“, begründete Pfeiffer das wachsende Interesse. Umgekehrt bleibt das Ausland für die deutsche Industrie attraktiv - vor allem China. 44 Prozent der Betriebe wollen in diesem Jahr im Ausland investieren, fand der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bei seiner Umfrage unter 7000 Firmen heraus. 2011 waren es mit 43 Prozent etwas weniger.

          „Hier wird nicht nur gekleckert, sondern geklotzt“

          Wichtigstes Zielland ist abermals China. 43 Prozent der Unternehmen, die im Ausland investieren wollen, zieht es in die Volksrepublik. „Hier wird nicht nur gekleckert, sondern geklotzt“, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier. Die deutschen Firmen wollen im Ausland etwa 70 Milliarden Euro investieren. 2011 waren es noch 100 Milliarden Euro.

          „Das Wachstum der Investitionen lässt damit etwas nach - eine Reaktion auf die langsamere Gangart der Weltwirtschaft, die EU-Schuldenkrise und risikoscheuere Kreditinstitute“, sagte Treier. Auch der vergleichsweise schwache Euro-Kurs trage zur Zurückhaltung bei. Durch deutsches Geld entstehen der DIHK-Prognose zufolge in diesem Jahr weltweit 300.000 neue Jobs.

          Deutsche Industrie stellt wieder mehr Mitarbeiter ein

          „Auch der Standort Deutschland profitiert davon: Die Auslandsinvestitionen stärken die Unternehmen daheim und führen zu mehr Aufträgen im Inland“, sagte Treier. „Wir rechnen mit 50.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in Deutschland.“ Eine Auslandsverlagerung aus Kostengründen planen nur noch 21 Prozent der Unternehmen, so wenige wie noch nie.

          Trotz Auftragsflaute stellt die deutsche Industrie im Inland mehr Mitarbeiter ein. Das Verarbeitende Gewerbe beschäftigte im Januar knapp 5,2 Millionen Mitarbeiter - rund 173.000 oder 3,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Wegen der Schuldenkrise in Europa und der schwächeren Weltkonjunktur waren die Industrieaufträge in den vergangenen sieben Monaten fünfmal zurückgegangen.

          „Vermutlich waren unsere Erwartungen zu hoch“

          Ungeachtet der vergleichsweise gut laufenden Konjunktur fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie weitere Reformen von der schwarz-gelben Koalition. „Wir Unternehmer haben uns mehr von dieser Regierung erwartet. Vermutlich waren unsere Erwartungen zu hoch“, sagte BDI-Chef Hans-Peter Keitel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die radikalste Wirtschaftsreform der vergangenen Jahre, die Agenda 2010, hätten SPD und Grüne bewerkstelligt. Konkret forderte Keitel mehr Ehrgeiz bei der Haushaltssanierung. Auch zeige der Streit über die Krankenkassenbeiträge, dass versäumt worden sei, das Sozialsystem wettbewerbsfähig zu machen. „Kaum ist einmal Geld übrig, will die Politik schon in die Kasse greifen.“

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