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Waffenhersteller in Bedrängnis : Wer zieht bei Heckler & Koch die Fäden?

  • -Aktualisiert am

Der undurchsichtige Stammsitz in Oberndorf: Was passiert hinter den Mauern des Waffenherstellers? Bild: dpa

Für den deutschen Waffenhersteller läuft es derzeit gar nicht gut: Gerüchte über einen Eigentümerwechsel und neue Mängelberichte bringen die Waffenschmiede ins Gerede.

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          Für Schlagzeilen ist Heckler & Koch immer gut. Im vergangenen Jahr ging es um die Mängel des Sturmgewehrs G36, vor wenigen Tagen um die Treffgenauigkeit von Dienstwaffen für die Polizei und gegenwärtig vor dem Landgericht Rottweil um die Frage, wer im Unternehmen eigentlich das Sagen hat.

          Finanzinvestor Andreas Heeschen sei weiterhin Mehrheitsaktionär der H & K AG, sagte Goetz Geweke, der Anwalt des Unternehmens in dem Zivilprozess. Diese Gesellschaft ist die Mutter der Heckler & Koch GmbH, die für das operative Geschäft zuständig ist. Ihr früherer Geschäftsführer, Nicola Marinelli, hingegen behauptet, dass Heeschen nichts mehr zu melden hat und seine Anteile der Aktiengesellschaft an einen französischen Investor verpfändete, der seit 2015 das Zepter bei dem Mittelständler in der Hand halte.

          Gleich zwei Gerichte beschäftigen sich mit dem Waffenhersteller

          Hintergrund des Prozesses ist ein Streit um eine Abfindung. In Marinellis Arbeitsvertrag als Geschäftsführer der Heckler & Koch GmbH stand eine Klausel, der zufolge ihm bei einem Arbeitsplatzverlust als Folge eines Kontrollwechsels (Change of Control) eine hohe Entschädigung zusteht. Aus Sicht von Marinelli war genau dies der Fall. Dazu sollte Heeschen eigentlich persönlich als Zeuge vernommen werden. Doch der Versuch, den Finanzinvestor zu hören, scheiterte bislang zweimal.

          Die erste Einladung an seine Adresse in der Schweiz kam ungelesen zurück. Der zweite Versuch des Versands an seine Londoner Adresse glückte wohl, Heeschen erschien aber dennoch nicht. Er scheute bislang die Öffentlichkeit. Nun versucht das Gericht, den Finanzinvestor von den englischen Behörden vernehmen zu lassen. Dies muss innerhalb von 90 Tagen erfolgen und ist nur so lange ohne größere Probleme möglich, wie Großbritannien noch Mitglied der EU ist.

          Nicht nur in Rottweil, sondern auch in Stuttgart beschäftigt sich die Justiz mit der Waffenschmiede. Vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts müssen sich fünf ehemalige Führungskräfte wegen mutmaßlich illegaler Kriegswaffenexporte nach Mexiko verantworten. Auch wirtschaftlich gerät der Mittelständler unter Druck. Im ersten Halbjahr verbuchte er bei 110 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 2,3 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

          Auch die neue Lieferung an die Bundeswehr macht Probleme

          Die Fremdverschuldung erreichte im Juli 183 Millionen Euro. Nachdem Moody’s unlängst Heckler&Koch auf das Kreditwürdigkeitsniveau des Iraks heruntergestuft hatte, trennte sich der Mittelständler kurzerhand von der Ratingagentur und einer weiteren. Solche Bewertungen würden nicht gebraucht, begründete das Unternehmen den radikalen Schnitt.

          Heckler & Koch bemüht sich seit längerem in Konkurrenz mit anderen Wettbewerbern um den Auftrag für das neue Standardgewehr der Bundeswehr als Ablösung für das bisherige Modell G36. Da kommt es wohl zu Verzögerungen. Bei ersten Tests habe keines der von verschiedenen Herstellern angebotenen Sturmgewehre die Anforderungen erfüllt, hieß es in einem Medienbericht, der sich auf ein vertrauliches Schreiben des Beschaffungsamtes der Bundeswehr bezog. Den Unternehmen sei eine Frist bis zum 15. Februar 2019 gesetzt worden, um die Probleme zu beseitigen.

          Anschließend müssten die Waffen erneut getestet werden. Dadurch verzögere sich das Projekt um etwa acht Monate. Nach bisheriger Planung soll die Bundeswehr von 2020 an bis zu 120.000 neue Sturmgewehre erhalten. Die neue Waffe soll das seit den 1990er Jahren genutzte G36 von Heckler & Koch ablösen. Nachdem in dem zwischenzeitlichen Ausleseverfahren diverse Mitbieter ausgeschieden waren, dürfte der langjährige Ausrüster auch wieder als Lieferant für das Nachfolgemodell des G36 zum Zuge kommen. Auch in der französischen Armee ist diese Waffe bereits im Gebrauch.

          Anmerkungen der Redaktion: Eine frühere Version dieses Textes beinhaltete ein Zitat einer Anwältin. Dieses Zitat war falsch zugeordnet und wurde deshalb aus dem Text entfernt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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