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Süddeutscher Waffenhersteller : Es geht hoch her bei Heckler & Koch

  • -Aktualisiert am

Eine Waffe von Heckler & Koch Bild: dpa

Auf Aktionärstreffen des Waffenherstellers Heckler & Koch gab es bislang wenig Streit. Nun liegen sich ein Großaktionär und ein Mehrheitseigner in den Haaren. Heftige Vorwürfe stehen im Raum.

          3 Min.

          Die Buddhafigur im Eingangsbereich des historischen Badhauses einer ehemaligen Pulverfabrik in Rottweil strahlt scheinbar Ruhe aus. Doch im angrenzenden Veranstaltungssaal geht es am Donnerstag nicht ganz so gelassen zu. Dort findet die außerordentliche Hauptversammlung des Waffenherstellers Heckler & Koch vor etwa zwei Dutzend Aktionärsvertretern statt.

          Als im November die Einladung verschickt wurde, stand zunächst nur die Aufsichtsratsvergütung auf der Tagesordnung. Im Laufe der vergangenen Wochen ist das Thema immer mehr in den Hintergrund gerückt, weil sich in Zwischenzeit eine in der Öffentlichkeit ausgetragene Auseinandersetzung zwischen dem 59 Jahre alten Mehrheitseigner und Finanzinvestor Andreas Heeschen und dem wichtigen Großaktionär, der in Luxemburg ansässigen Finanzholding CDE, entwickelt hat.

          Zweifel an der Seriosität

          Hinter der CDE steht der französische Investor und Fondsmanager Nicolas Walewski mit dem Privatvermögen seiner Familie. Die CDE, die nach eigenen Angaben 5,1 Prozent hält, greift Heeschen und seine Aktivitäten bei dem Waffenhersteller auf der Hauptversammlung massiv an und zweifelt an dessen Seriosität.

          CDE-Vertreter Sebastian Ens verlangt Auskunft, wie sich die Verschuldung des Traditionsunternehmens entwickelt hat und wie viel Geld der Finanzinvestor selbst in den Waffenhersteller investiert hat. Beim Einstieg in das Unternehmen von Heeschen 2002 habe die Verschuldung 2,5 Millionen Euro betragen, sagt Finanzvorstand Björn Krönert. Im Februar 2015 seien es 295 Millionen Euro gewesen.

          Aktuell hat sich die wirtschaftliche Lage etwas entspannt. Zwischen Januar und September diesen Jahres erzielte Heckler & Koch einen kleinen Gewinn von 1,3 Millionen Euro nach einem Verlust von 4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf rund 186 Millionen Euro. Die Schulden bleiben aber hoch, sie summieren aktuell auf 236,8 Millionen Euro. Bei dem in Oberndorf ansässigen Mittelständler sind insgesamt 900 Mitarbeiter tätig, vorwiegend in Deutschland.

          Abwahlantrag scheitert

          Finanzinvestor Heeschen, der zwei Drittel der Anteile an dem Traditionsunternehmen hält und laut Aktionärsliste die große Mehrheit der anwesenden Stimmrechte auf der Hauptversammlung repräsentiert, tritt selten in der Öffentlichkeit auf. Er ist selbst nicht vor Ort. Heeschen ist verheiratet und Vater von vier Kindern, berichtet ein Anwalt, der ihn auf dem Aktionärstreffen vertritt. Heeschen hat demnach Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft studiert und war später unter anderem in der Finanzbranche tätig.

          Dreh-und Angelpunkt des Konflikts zwischen Heeschen und CDE ist die Besetzung des Aufsichtsrats. Im Mittelpunkt stand ein gescheiterter Antrag auf Abwahl des Vorsitzenden, des früheren Generals Harald Kujat. CDE wollte den einst ranghöchsten deutschen Offizier aus dem Kontrollgremium abberufen lassen und begründet dies unter anderem mit mangelnder Wirtschaftskompetenz. Der Antrag erhielt jedoch nur 9,5 Prozent Zustimmung.

          Der 77 Jahre alte Kujat kam erst im Sommer auf Heeschens Wunsch. Er verweist auf seine Führungserfahrung bei der Bundeswehr und der NATO. Ungewöhnlich ist, dass er die Hauptversammlung nicht selbst leitet. Das macht Kujats Stellvertreter. „Ich bin eben großzügig“, sagt der frühere General während einer Pause. Der Antrag hatte ohnehin keine Aussicht auf Erfolg, weil Heeschen die Stimmenmehrheit hat. Und Heeschen hält weiter zu ihm, zudem beansprucht selbst nun einen Sitz im Aufsichtsrat, den er auch erhält.

          Koch eiert

          CDE will die Mehrheit an Heckler & Koch und deshalb Anteile von Finanzinvestor Heeschen kaufen. Ein entsprechender Antrag wird dem Vernehmen nach seit 19 Monaten vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft.

          Der Vorstandsvorsitzende Jens Bodo Koch beantwortet Fragen zu CDE nur allgemein. Jedes Unternehmen habe ein Interesse an einer stabilen und finanzstarken Eigentümerstruktur. „Welche Strategie CDE verfolgt, ist uns nicht bekannt.“ Der Vorstand lege die Strategie vor. Die operativen Entscheidungen treffe der Vorstand, betont Koch. Heeschen und die CDE standen schon 2015 in einer geschäftlichen Beziehung. Damals habe er rund 10 Millionen Aktien an CDE für ein Darlehen verpfändet, so Finanzvorstand Krönert. Die Stimmrechte hält aber weiter Heeschen.

          In der Vergangenheit hatte Heeschen als Privatmann Darlehen von Heckler & Koch bekommen. Diese hat er zurückgezahlt. Es gab auch Darlehen an Firmen von Heeschen, die in dreistelliger Millionenhöhe abgeschrieben werden mussten, wie ein Sprecher des Waffenherstellers berichtet.

          „Das ist eine sehr, sehr große Selbstbedienungsmentalität“, moniert Kleinaktionär und Friedensaktivist Paul Russmann. Vor dem Versammlungsort waren einige Friedensaktivisten zusammengekommen und protestierten gegen die Waffenverkäufe des Unternehmens. Auf der Versammlung selbst melden sich einige zu Wort, ein Mini-Anteil von 0,03 Prozent des Stammkapitals kam 2015 an die Börse, wo einige Pazifisten zugriffen und die Aktien seither als Eintrittskarte in die Hauptversammlung nutzen. Dort lesen sie Vorstand und Aufsichtsrat die Leviten. Fragen von ihnen zu Waffenexporten werden nicht beantwortet. Koch sagt, dies sei nicht Thema der außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich 75.000 Euro kosten wird.

          Das Unternehmen setzt derzeit große Hoffnungen auf einen 250 Millionen Euro schweren Auftrag des Verteidigungsministeriums: Das ebenfalls von H&K gefertigte Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr, das G36, soll ersetzt werden durch ein Nachfolgemodell. Die Entscheidung könnte 2020 kommen.

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