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Grimmige Aussichten : Deutsche Banken vor dramatischem Wandel

Kampf gegen Auslaufmodell: Die Vorzeige-Filiale der Commerzbank in Berlin Bild: Jens Gyarmaty

Niedrigzinsen, digitale Revolution und strengere Vorgaben der Aufseher drücken auf die Profitabilität der deutschen Banken. Um keinen Verlust zu machen, bewegen sich die ersten Institute vom kostenlosen Girokonto fort.

          3 Min.

          Vielen Banken geht es schlecht, einigen deutschen sogar besonders schlecht. Dass dringender Handlungsbedarf angezeigt ist, dieser Befund der Unternehmensberater von McKinsey überrascht wenig. Es ist ihre Aufgabe, Schwachstellen aufzuspüren und Lösungen anzubieten. Doch die beiden McKinsey-Partner Philipp Koch und Max Flötotto gehen noch weiter: Sie sind der Ansicht, dass die deutschen Banken vor dramatischen Veränderungen stehen. Dafür macht Koch im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung drei Trends verantwortlich: Regulierung, Niedrigzinsen und Digitalisierung.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ohne Gegenmaßnahmen würden drei von vier Banken in die Verlustzone rutschen“, warnt sein Kollege Flötotto. Nach seinen Berechnungen sind 20 Milliarden Euro an Gewinn bedroht. Zwischen den Jahren 2010 und 2013 hätten die deutschen Banken gemeinsam im Jahresdurchschnitt ein Gesamtergebnis nach Steuern von 16 Milliarden Euro erzielt, schreiben die McKinsey-Partner in einer aktuellen Studie.

          „In Zukunft werden die strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden nicht so stark belasten wie die Auswirkungen der Niedrigzinsen oder der Digitalisierung“, sagt Koch. Doch in der Öffentlichkeit kritisieren die Banken in der Regel die strengere Regulierung, die ihre Profitabilität belastet. In ihrer aktuellen Studie kommen die McKinsey-Partner auf 7,1 Milliarden Euro an Gewinn, die durch die Niedrigzinsen gefährdet sind. Die gleiche Summe entfällt auf die Digitalisierung, während die strengere Regulierung mit 6,0 Milliarden Euro etwas geringer zu Buche schlägt. Von den Belastungen müssen die Sparkassen 6,4 Milliarden Euro schultern, davon entfallen 2,4 Milliarden Euro auf die niedrigen Zinsen und 2,5 Milliarden auf die Digitalisierung.

          Gewinnrückgang

          Auf die Volks- und Raiffeisenbanken entfallen insgesamt 5,4 Milliarden Euro, davon jeweils 2,0 Milliarden Euro auf Niedrigzinsen und Digitalisierung. Die Privatbanken mit den Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank kommen mit einer Belastung von 4,3 Milliarden Euro etwas glimpflicher davon. Hier kommen die strengeren Aufsichtsvorgaben mit 1,9 Milliarden Euro am stärksten zum Tragen. Den Banken mit ausländischer Muttergesellschaft wie zum Beispiel der ING Diba droht ein Gewinnrückgang von 2,8 Milliarden Euro. Jeweils eine Milliarde können sie die Niedrigzinsen und die Digitalisierung kosten.

          Um mit all diesen Herausforderungen die Ertragskraft auf dem gegenwärtigen, ohnehin schon schwachen Niveau halten zu können, müssten die Banken entweder ihre Erträge um 30 Prozent steigern oder ihre Kosten um 30 Prozent senken, rechnet Flötotto vor. Koch fügt aber hinzu, dass diese Kalkulation unterstelle, die Banken ergriffen keine Gegenmaßnahmen. „Das wird aber nicht so kommen – so ist bei allen Banken die Digitalisierung inzwischen von zentraler Bedeutung.“

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