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Die Bahn investiert : Neue Milliarden gegen den schlechten Ruf

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Jetzt aber schnell! Die Bahn investiert in der kommenden Zeit mehr als 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Bild: dpa

Bahnreisende müssen geduldig sein. Auf sie warten mehr Baustellen denn je: Bis zu 800 gleichzeitig sollen es in Spitzenzeiten sein. Viele Milliarden Euro fließen in die Infrastruktur. Damit soll alles besser werden – auf lange Frist.

          Ronald Pofalla ist ein Hansdampf in allen Gassen. Früher als Chef des Bundeskanzleramts rettete er für Angela Merkel Deutschland und manchmal die Welt. Nach seinem Weggang von der ganz großen politischen Bühne bespielt er gern noch die große. Als Vorstandsvorsitzender des Diskussionsforums „Petersburger Dialog“ koordiniert er deutsch-russische Beziehungen. Als Vorsitzender der Kohlekommission managt er den Ausstieg Deutschlands aus dem fossilen Brennstoff.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da fragen sich nicht nur Kritiker: Wie kriegt der Mann das hin? Gibt es für ihn bei der Deutschen Bahn nicht genug zu tun? Schließlich steht der 59 Jahre alte Pofalla seit dem Jahr 2015 auf der Gehaltsliste des Konzerns. Und seit dem Jahr 2017 führt er hauptamtlich das so wichtige Vorstandsressort Infrastruktur. In dieser Zeit hat sich für die Kunden wenig zum Besseren entwickelt, im Gegenteil. Die Verspätungsquote liegt so hoch wie selten zuvor, und der Ruf der DB ist so weit unten wie selten zuvor.

          Pofalla, der ewige Krisenmanager

          Ein Fall für Pofalla, den ewigen Krisenmanager. Und Pofalla wäre nicht Pofalla, würde er sich in dieser Lage nicht als Retter profilieren wollen. Schon im Januar kursierten Gerüchte, der Nordrhein-Westfale solle als „konzernübergreifender Krisenmanager“ die Schwierigkeiten der Deutschen Bahn bis Sommer in den Griff bekommen. Ob es so schnell geht, bleibt fraglich. Aber zumindest hat der für das Netz Verantwortliche nun diagnostiziert, woran es vor allem liegt. Nicht an miesepetrigen Lokführern, nicht an ständig ausfallenden Zügen. Es ist vielmehr die Kapazität des komplett überlasteten Systems Schiene.

          „Einzelne Abschnitte haben eine Auslastung von 140 Prozent“, sagt Pofalla und blickt fachmännisch in eine Journalistenrunde, die er in den 26. Stock des Bahntowers am Potsdamer Platz in Berlin eingeladen hat. 140 Prozent? Ja, eigentlich nicht zu handhaben, wo schon Schienenauslastungen von 90 Prozent Probleme bereiten. Aber auf vier sogenannten Plankorridoren sind sozusagen die Züge los: Es handelt sich um besonders sensible Streckenabschnitte im Netz. Verspätet sich hier ein einzelner Zug, kann das weitreichende Auswirkungen haben, ähnlich wie ein einzelner Stau auf der Autobahn. Im schlimmsten Fall wirkt sich die lokale Malaise auf das gesamte System aus. Die Verspätungen schaukeln sich auf, immer mehr Fahrgäste erreichen ihre Anschlüsse nicht.

          Von den vier dermaßen hochbelasteten Plankorridoren ist einer seit dem vergangenen Oktober in Betrieb: der Korridor West zwischen Köln und Dortmund. Die Korridore Mitte (Fulda–Mannheim), Nord (Hamburg und Hamburger Zulauf) und Süd (Würzburg–Nürnberg) folgen im laufenden Jahr. In Betrieb heißt: Auf diese Abschnitte wird besonders genau geschaut, mit einer besonders feinfühligen Steuerung. Zugfahrten würden hier noch intensiver „gemanagt“, heißt es, ebenso Infrastrukturmaßnahmen.

          Überall involviert: Ronald Pofalla, zuständig für die Infrastruktur im Vorstand der Deutschen Bahn.

          Ronald Pofalla studiert nicht nur Akten im Büro, er macht sich auch gern ein Bild vor Ort: „Gehen Sie mal davon aus, dass ich in dem System viel unterwegs bin.“ An einem Samstag erschien er jüngst inkognito in Köln, querte zu Fuß die Hohenzollernbrücke zwischen den Stationen Messe/Deutz und Hauptbahnhof. Die dortige DB-Mannschaft war angesichts des unangemeldeten Managers „in heller Panik“. Und was stellte der fest? „Am Kölner Bahnhof ging nix mehr. Da ging überhaupt nix mehr rein. Der Bahnhof war in einer Weise zu, das können Sie sich gar nicht vorstellen.“ Nur gut, dass der wichtige NRW-Bahnknoten laut Bundesverkehrswegeplan – so Pofalla – mit 15 Einzelmaßnahmen im Volumen von 3,6 Milliarden Euro ertüchtigt wird.

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