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Milliardenübernahme : Großaktionär geht gegen Deutsche Wohnen vor

  • -Aktualisiert am

Die Wohnstadt Carl Legien in Berlin Bild: EPA

Die geplante Übernahme durch den Konkurrenten Vonovia hat schon mehrfach gestockt. Jetzt wehrt sich ein Großaktionär sogar rechtlich gegen die Megafusion.

          5 Min.

          Die geplante Übernahme des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen durch seinen Konkurrenten Vonovia stößt bei einem der größten Aktionäre auf enormen Widerstand. Der amerikanische Hedgefonds Davidson Kempner, der rund 3,2 Prozent des Grundkapitals an Deutsche Wohnen hält und auch bei Vonovia investiert ist, hat eine einstweilige Verfügung beantragt. „Davidson Kempner hat rechtliche Schritte eingeleitet und wird den Vorstand zur Verantwortung ziehen“, teilte der Investor am Donnerstag mit. Mit der einstweiligen Verfügung will der Großaktionär verhindern, dass Deutsche Wohnen die eigenen Aktien in Höhe von 0,93 Prozent an Vonovia verkaufen und außerdem 5,17 Prozent neue Aktien ausgeben kann. Der Investor behalte sich zudem das Recht vor, weitere rechtliche Schritte einzuleiten.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Vonovia und Deutsche Wohnen haben Aktionärsrechte umgangen“, argumentiert der Investor in der öffentlichen Stellungnahme. Teil des Angebots von Vonovia sei es, dass dem Vorstand von Deutsche Wohnen Vorstandsposten in dem gemeinsamen Unternehmen angeboten wurden. „Der Vorstand von Deutsche Wohnen hat in der Folge eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die beispiellos und rechtlich fragwürdig sind und deren einziger Zweck es ist, Vonovia dabei zu helfen, die Kontrolle über Deutsche Wohnen zu erlangen“, teilte Davidson Kempner mit.

          „Und das, obwohl sich deren Aktionäre gegen die Übernahme und deren Konditionen wehren.“ Obwohl die Bedingungen nach dem ursprünglichen, gescheiterten Angebot nur minimal angepasst worden seien, habe der Vorstand von Deutsche Wohnen dem abermaligen Übernahmeangebot unmittelbar zugestimmt.

          Vonovia ist schon zwei Mal gescheitert

          Das Unternehmen wiederum teilte auf Anfrage mit: „Die Deutsche Wohnen sieht den Versuch von Davidson Kempner, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, als vollkommen substanzlos an und setzt sich gegen die Beantragung der einstweiligen Verfügung zur Wehr“. Diese „substanzlose Forderung“ werde angesichts der hohen Zahl der Aktionäre, die ihre Aktien schon eingereicht haben, „aller Voraussicht nach ohnehin nie relevant werden“, hieß es weiter.

          Der Großaktionär stört sich vor allem daran, wie der Vorstand von Deutsche Wohnen selbst Maßnahmen ergriffen habe, um die Übernahme zu gewährleisten, so soll Vonovia mit fast 10 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien versorgt werden. Schon verkauft sind 3,53 Prozent der unternehmenseigenen Aktien, die gingen im vorigen Übernahmeangebot zu 52 Euro je Aktie an Vonovia. Die weiteren Maßnahmen will Davidson Kempner verhindern. Der Großaktionär kritisiert auch, dass Vonovia auf alle Angebotsbedingungen verzichtet hat. Damit gelte die Übernahme faktisch als beschlossene Sache. „Der Vorstand hat damit Vonovia die Kontrolle über Deutsche Wohnen verschafft und seine eigenen Aktionäre umgangen“, teilte Davidson Kempner mit.

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          Vonovia war schon zweimal mit der Übernahme des Konkurrenten gescheitert. 2016 hatte es der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch gegen den Willen des Vorstands von Deutsche Wohnen versucht, in diesem Jahr wurde die geplante, rund 19 Milliarden Euro schwere Transaktion von beiden Vorständen und den Aufsichtsräten unterstützt. Durch eine Fusion würde sich freilich auch für den Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn einiges ändern: Er soll zu Buchs Stellvertreter werden. Vorstand und Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens hatten sehr offensiv für den Zusammenschluss geworben.

          Die Gremien seien überzeugt, dass das Angebot die „erfolgreiche Entwicklung und den Wert unseres Unternehmens widerspiegelt“, hatte Zahn auf der Hauptversammlung des Unternehmens gesagt. „Die notwendigen Investitionen in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubau lassen sich nach einem Zusammenschluss gemeinsam deutlich besser schultern.“ Ein Zusammenschluss stehe im „fundamentalen Interesse“ auch der Aktionäre, argumentierte der Deutsche-Wohnen-Chef.

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