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Deutsche und Commerzbank : Schlechte Aussichten

Die Konzernzentralen von Deutscher und Commerzbank in Frankfurt am Main Bild: EPA

Die Hauptversammlungen von Deutscher und Commerzbank haben wieder einmal gezeigt: Wer glaubt, die Unabhängigkeit der Geldhäuser sei ungefährdet, könnte eines Morgens aufwachen und sich verwundert die Augen reiben.

          Nach der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag ist von Denkzetteln die Rede, die der Aufsichtsrat und der Vorstand durch die Aktionäre erhalten hätten. Zustimmungsquoten von 70 bis 75 Prozent bei der Entlastung der meisten Vorstände und Aufsichtsräte sind sicherlich mäßig, aber sowohl der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner wie auch der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing könnten solche Abstimmungsergebnisse routiniert weg lächeln – wenn der kollabierende Aktienkurs und das vernehmbare Grummeln größerer Aktionäre nicht eine sehr viel ernsthaftere Sprache sprächen.

          Es bleibt festzuhalten: Auch gut ein Jahr nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes durch den Hoffnungsträger Christian Sewing existieren kaum ernsthafte Hinweise auf eine nachhaltige Gesundung der Deutschen Bank. Wenn nicht endlich das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt wird, droht sich der jahrelange Niedergang der Bank fortzusetzen. Sewing verdient Anerkennung für die Konsequenz, mit der er sich der Kürzung von Kosten verschrieben hat. Aber die Tatsache, dass gleichzeitig die Erträge schneller fallen als erwartet und daher die Ergebnisqualität mäßig bleibt, deutet auf grundlegendere Probleme in der Bank hin. Ein für ein Haus dieser Größe geradezu lächerlicher Börsenwert von nur noch rund 13 Milliarden Euro bestätigt diesen Befund.

          „Wir sind zu tiefen Einschnitten bereit“, sagte Sewing, ohne diese genauer zu benennen. Dies kann als ein Signal für einen noch deutlicheren Rückbau der Investmentbank verstanden werden, weil ein paar größere Aktionäre dies fordern und weil Sewing den risikoarmen Geschäftsbereich Transaktionsbank, der unter anderem die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und das Cash Management der Unternehmen umfasst, als „Herzstück der Deutschen Bank“ bezeichnete.

          Überdimensionierte Bonizahlungen

          Doch ob Sewing wirklich die Kraft findet, die Investmentbank erheblich zu verkleinern und damit einen Bruch mit der jüngeren Geschichte der Deutschen Bank herbei zu führen, muss abgewartet werden. Dazu war der Vorstandsvorsitzende zu Beginn seiner Amtszeit jedenfalls noch nicht bereit, weil er im Falle einer starken Beschneidung des Investmentbankings einen kräftigen Rückgang der Erträge fürchtete, der in den anderen Geschäftsbereichen der Bank nicht rasch kompensiert werden könnte.

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          Aber nicht nur kann diese betriebswirtschaftliche Logik hinterfragt werden, weil das Investmentbanking in seinem heutigen Zustand viel Eigenkapital bindet, ohne ansprechende Renditen zu liefern. Viel mehr noch hat die Deutsche Bank mit dem Investmentbanking – jedenfalls so, wie es lange betrieben worden ist – ihre Seele verkauft und ihren inneren Zusammenhalt dem kurzfristigen Gewinnstreben von Händlern geopfert.

          Ohne einen dominierenden kulturellen Einfluss des Investmentbankings gäbe es die für die Außenwirkung der Bank verheerende Diskussion über immer noch überdimensionierte Bonizahlungen für unterdurchschnittlich erfolgreiche Banker nicht. Auch in dieser Diskussion wirken Vorstand und Aufsichtsrat geradezu hilflos. Die Deutsche Bank benötigt schon lange einen strategischen Befreiungsschlag – gerade auch mit Blick auf die zahlreichen sehr guten Mitarbeiter des Hauses, auf die auf der Hauptversammlung mit Achleitner ausgerechnet einer der Verantwortlichen des Elends verwies.

          COMMERZBANK

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          Einen Tag zuvor waren die Aktionäre der Commerzbank gnädiger mit ihrem Vorstand und ihrem Aufsichtsrat umgesprungen. Die strategischen Defizite konnte die Führung aber nicht verschweigen. Die Commerzbank braucht, um mit ihrer Größe eine akzeptable Rendite zu sichern, deutlich mehr Kunden, aber diese Kunden müssen auch rentables Geschäft bringen. Trotz der mehr als respektablen Anstrengungen des Vorstands kommt die Bank wohl nicht so schnell wie erwünscht voran, so dass die ursprünglichen Ertragsziele wohl nicht erreicht werden können. In ihrer heutigen Verfassung ist die Commerzbank nicht gefährdet, aber sie weckt auch keine Ertragsphantasie, die dem Aktienkurs Flügel verleihen könnte. Mit einem Börsenwert von 8,5 Milliarden Euro ist nicht viel Staat zu machen.

          Als die Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank vor ein paar Wochen scheiterten, waren die Reaktionen überwiegend von Erleichterung, zum Teil auch von Genugtuung, gekennzeichnet. Die Hauptversammlungen der beiden Banken bestätigten allerdings Zweifel an der Fähigkeit der beiden Banken, auf die Dauer alleine ihren Weg gehen zu können. Die Commerzbank besitzt aus eigener Kraft kaum das Potential, ihre Ertragskraft deutlich zu steigern.

          Bei der Deutschen Bank existiert zwar seit vielen Jahren der Eindruck, die Bank habe die Möglichkeit, deutlich erfolgreicher zu arbeiten, aber die seit Jahren zu beobachtende Unfähigkeit wechselnder Führungen, dieses Potential zu wecken, stimmt pessimistisch. Wer glaubt, die Unabhängigkeit der beiden Häuser sei ungefährdet, weil es zu einer europäischen Bankenkonsolidierung schon nicht kommen werde, könnte eines Morgens aufwachen und sich verwundert die Augen reiben.

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