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Deutsche Textilherstellung : Made in Burladingen

Markenzeichen Schwinger: Auf Wunsch besticken die Mitarbeiter T-Shirts und Polohemden auch mit anderen Motiven. Bild: Patrick Junker

T-Shirts sollten nicht in asiatischen Katastrophenfabriken entstehen, sondern auf der Schwäbischen Alb. Das predigt Trigema-Chef Wolfgang Grupp seit 50 Jahren. Seine Philosophie schien noch nie so modern.

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          Wolfgang Grupp hat vieles, was andere nicht haben. Einen Hubschrauber zum Beispiel, ein Jagdrevier im Allgäu, ein Reetdach-Haus auf der Schwäbischen Alb, ein Familienunternehmen. Und nicht eine, sondern gleich zwei goldene Nadeln an der fliederfarbenen Krawatte. Es gibt aber etwas, das eigentlich alle anderen haben, Wolfgang Grupp aber nicht, und das ist ein Computer. „Leute, die nur am Computer arbeiten, erkennen die Details und Zusammenhänge meistens nicht“, findet er.

          Also sitzt der Chef der Textilfirma Trigema, der sich in Talkshows, vor allem aber mit einem Schimpansen vor der Tagesschau Kultstatus erarbeitet hat, an seinem weißen Schreibtisch inmitten des Großraumbüros und blättert dicht bedruckte Papierlisten um. Mit seiner Mitarbeiterin geht er die aktuelle Produktion durch. In drei Wochen wird sie in seinem Lager liegen. Wie viele T-Shirts und Unterhemden in welchen Farben und Größen gefertigt werden sollen, entscheidet der Unternehmer allein – ohne digitales Datensystem, Algorithmus oder Künstliche Intelligenz. „Wir produzieren voll auf eigenes Risiko auf Lager“, sagt er, „bei uns kauft jeder Kunde ausschließlich für sofort ein.“ Ihn interessiere auch nur, was tatsächlich verkauft wird, nicht was jemand bei Amazon klickt. Und Grupp findet, diese Zahlen stünden nun mal am übersichtlichsten in den hunderten Seiten der Papierlisten zwischen seinen Händen.

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