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Gigabit-Versprechen : Wie jeder Dritte bald mit Turbo surfen soll

Deutsche Telekom und Vodafone wollen mit unterschiedlichen Konzepten Turbo-Netze etablieren. Bild: dpa

Surfen mit 1000 Megabit pro Sekunde? Mit dem Gigabit-Netz soll das schon bald für mehr als 12 Millionen Haushalte Wirklichkeit werden. Die Telekom und Vodafone gehen dafür ganz unterschiedlich vor.

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          Die Deutsche Telekom hat seit einigen Tagen den ersten „Gigabit-Anschluss“ für Privatkunden im Angebot. Für stolze 120 Euro im Monat gibt es Surfen in Höchstgeschwindigkeit mit 1000 Megabit je Sekunde – allerdings nur in einigen wenigen Stadtteilen, wo die Telekom ihre Glasfaserleitungen schon bis in die Wohnungen verlegt hat. In ganz Deutschland erreicht der Bonner Konzern mit der Zukunftstechnologie gerade mal 700.000 Haushalte. Der große Rest muss sich mit sehr viel langsameren Zwischenlösungen zufriedengeben, für die Glasfaser nur bis zu den Verteilerkästen gezogen und die letzte Meile in die Häuser wie bisher durch Kupferdrähte überbrückt wird.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Zum großen Sprung setzt jetzt Vodafone an. Der Düsseldorfer Konkurrent will in den kommenden vier Jahren rund 12,6 Millionen Haushalte über sein Fernsehkabel an die Gigabit-Welt anschließen. Rund ein Drittel der Bevölkerung hätte dann Zugang zum Turbonetz, sagte Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. Beginnen soll die technische Aufrüstung des Kabelnetzes in Bayern und in Sachsen, danach folgen die elf anderen Bundesländer, in denen Kabel-Deutschland (KDG), der 2014 für mehr als 10 Milliarden Euro übernommene Fernsehkabelanbieter, vertreten ist.

          Deutsche Telekom hat zeitlichen Vorsprung

          Während sich Vodafone auf das Verbreitungsgebiet von KDG beschränke, investiere die Telekom überall in Deutschland, betonte ein Sprecher des Bonner Konzerns. Zugleich verwies er auf den zeitlichen Vorsprung der Telekom. Die von Vodafone angekündigten Investitionen starteten erst 2018/19. „Bis dahin haben wir längst für eine großflächige Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen gesorgt“, sagte der Sprecher und kündigte an, dass die Telekom anschließend weiter in Gigabitanschlüsse investieren werde.

          Jenseits des bisherigen Verbreitungsgebiets will Vodafone in Kooperation mit den Gemeinden rund 2 Millionen Menschen an ein Glasfasernetz bringen. Verlegt werden die Leitungen dort aber von den Kommunen, meistens mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land, und anschließend an Vodafone langfristig vermietet. In diesem Modell sorgen die Düsseldorfer für die Verknüpfung mit der Fern-Infrastruktur und den aktiven Betrieb des Netzes.

          Dritter Pfeiler in der „Gigabit-Offensive“ ist die Glasfaser-Anbindung von Gewerbegebieten: Bis zu 100.000 Unternehmen sollen angeschlossen werden. Auch dabei arbeitet Vodafone teilweise mit anderen Anbietern zusammen, etwa der Deutschen Glasfaser. In Düsseldorf zum Beispiel erschließt sie mehrere Gewerbegebiet mit der passiven Infrastruktur, während Vodafone die Technologie für die Datenübertragung aufbaut und den späteren Betrieb übernimmt.

          Vodafone werde 2 Milliarden Euro investieren

          Allein für die neuen Glasfaseranschlüsse in Gewerbegebieten und Landgemeinden werde Vodafone in den kommenden vier Jahren zusätzliche 2 Milliarden Euro in Deutschland investieren, teilte der Konzern mit. Gewerbegebiete bilden auch in der Planung der Telekom einen Schwerpunkt. Bereits auf der Hauptversammlung im Frühjahr hatte der Vorstandsvorsitzende Tim Höttges angekündigt, dort verstärkt in den Glasfaserausbau zu investieren.

          Preise für die Gigabitanschlüsse nannte Vodafone noch nicht. Die mangelnde Zahlungsbereitschaft galt lange als Haupthindernis für den Ausbau der extrem teuren Glasfaserinfrastruktur. Auch deshalb konzentriert sich die Telekom auf Kombinationslösungen, bei denen die Glasfaser nur bis in die Verteilerkästen geschoben wird, während die letzte Meile mit alten Kupferleitungen überbrückt wird. Mit Hilfe der Vectoring-Technik sind dennoch Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit möglich.

          Im Wettbewerb mit den Kabelbetreibern hat die Telekom kaum eine andere Wahl. Denn Geschwindigkeit wird zu einem immer wichtigeren Kriterium für die Kunden, die Nachfrage nach ultraschnellen Anschlüssen wächst stetig. Und da haben die Kabelanbieter derzeit die Nase vorn. Das zeigt sich an den Marktzahlen von Unitymedia, dem Vodafone-Konkurrenten, der mehr als 7 Millionen Breitband- und Fernsehkunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg versorgt. Dort entschieden sich im zweiten Quartal 81 Prozent der neuen Internet-Abonnenten für Anschlüsse mit 120 Megabit und mehr. Rund jeder zehnte buchte sogar schon Bandbreiten von 400 Megabit.

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