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Umfrage : Deutsche sehen selbstfahrende Autos skeptisch

Hände weg vom Steuer - viele Deutsche können sich das nicht vorstellen. Bild: dpa

Technischer Fortschritt hin, Begeisterung her: Die Deutschen stehen selbstfahrenden Autos derzeit skeptisch gegenüber. Aus mehreren Gründen.

          2 Min.

          Selbstfahrende Autos, Busse und Bahnen werden in spätestens 20 Jahren zum Alltag gehören. Hierüber sind sich die Mehrheit der Deutschen und die Mobilitätsforscher des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering einig. Vereinzelt herrscht Begeisterung über die neue Technik, die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger ist jedoch misstrauisch.

          Marlene Grunert
          Redakteurin in der Politik.

          Das geht aus einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervor. Im Auftrag der Stiftung hatte das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Januar gut tausend Personen zum Thema autonomes Fahren befragt. Bemerkenswert: 67 Prozent der Befragten gaben an, der neuen Technik skeptisch gegenüber zu stehen. 84 Prozent begründeten ihre Vorbehalte mit der Angst vor Unfällen und fehlerhafter Technik, 83 Prozent gaben an, einen Kontrollverlust zu fürchten. Ebenfalls beachtlich: Immerhin beinahe zwei Dritteln der Deutschen geht es demnach um den Spaß am Fahren.

          „Je stressiger, desto offener für Fortschritt“

          Was das Unfallrisiko betrifft, kommen die Forscher des Fraunhofer Instituts zu einem anderen Ergebnis - automatisiertes Fahren könne durch menschliche Faktoren bedingte Unfälle weiter verhindern, heißt es in der Analyse. Nur jeder Vierte Deutsche signalisiert jedoch wirklich Begeisterung für die neue Technik. Gleichzeitig ist die überwiegende Mehrheit aber davon überzeugt, dass etliche Gruppen von ihr profitieren könnten. 88 Prozent der Befragten meinen etwa, Menschen mit Behinderung könnten an Mobilität gewinnen.

          Selbst ein autonom fahrendes Auto zu benutzen, kann sich die Mehrheit der Deutschen am ehesten auf längeren Autobahnfahrten (59 Prozent) und Nachtfahrten in den Urlaub (51) vorstellen. Für 44 Prozent kommt die neue Technologie aber auch für den täglichen Weg zur Arbeit in Betracht. „Je stressiger die Situation, um von A nach B zu kommen, desto offener sind die Menschen für digitalen Fortschritt im Straßenverkehr“, meint Brigitte Mohn, die dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung angehört.

          Die Hoffnung auf weniger Stress spiegele sich vor allem in den Einstellungen von Vielfahrern und Großfamilien wider. Wer viel Zeit im Auto verbringe oder sich mit anderen erst einigen müsse, sei von der technischen Entwicklung wesentlich häufiger begeistert. Die gewonnene Zeit, die mit selbständigem Fahren einherginge, würden die meisten der Befragten nutzen, um aus dem Fenster zu schauen (79 Prozent) oder zu entspannen (59).

          Die Forscher des Fraunhofer Instituts gehen davon aus, dass in zehn bis zwanzig Jahren autonom fahrende Autos zumindest auf vorgegebenen Routen funktionieren werden - etwa Linien- oder Schulbusse. Vor allem für die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum sehen die Experten in der Digitalisierung eine große Chance.

          Erklärvideo : Wie funktionieren selbstfahrende Autos?

          Auch für Car-Sharing-Konzepte gebe es großes Potential. Die Autos könnten den Fahrgast abholen und nach der Fahrt selbständig zu ihrem Standort zurückkehren. Dieses Vorhaben halten die Forscher für so erfolgversprechend, dass sie vor einer erheblichen Belastung des Straßennetzes warnen. Erst recht gelte dies, wenn die geteilten Autos als Zweit- oder Drittwagen genutzt würden. Auf das eigene Auto wollen 66 Prozent der Deutschen laut Emnid nämlich keinesfalls verzichten.

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