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Helmut Bünder (bü.)

Briefzustellung in Deutschland : Überzogene Wünsche von der Post

  • -Aktualisiert am

Die Post soll überall hin ausliefern – das hat seinen Preis. Bild: dpa

Weniger Filialen, montags gar nicht und mehr: Die Post will an vielen Stellen ihren Service einschränken. Unverschämt? So einfach ist es nicht.

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          Was die Deutsche Post und die Bundesregierung gerade vorführen, liefert dankbaren Stoff für eine Empörungswelle: Erst geht das Porto mit tatkräftiger Stützung des staatlichen Hauptaktionärs auf ein neues Rekordniveau. Wer darauf gehofft hatte, dass die Zusatzeinnahmen von einigen Hundert Millionen Euro genutzt werden, um die Qualität zu verbessern, sieht sich getäuscht.

          Statt dessen will der „Gelbe Riese“ seinen Briefservice noch weiter herunterfahren. Dass der Briefbote in Zukunft montags nicht mehr kommen muss, scheint  beschlossene Sache – so steht es bereits in den Eckpunkten für eine Reform des Postgesetzes.

          Aber damit nicht genug: Die Post will die Gelegenheit nutzen, um sich gleich weiterer teurer und lästiger Pflichten zu entledigen. Das Angebot in vielen Filialen könnte schmaler werden, für Auslandssendungen und andere Dienstleistungen müssten die Kunden längere Wege in Kauf nehmen.

          Und geht es nach der Post, werden viele Briefe in Zukunft später ankommen. Dafür pocht sie auf eine Lockerung der gesetzlichen Laufzeitpflichten, wonach bisher wenigstens 80 Prozent der Sendungen einen Tag nach der Einlieferung beim Empfänger sein müssen.

          Es ist ein reichlich verwegen wirkender Wunschzettel – zumal die Post immer noch großzügige, an die Universaldienstpflichten geknüpfte  Steuerprivilegien genießt. Trotzdem sind die Dinge nicht nur schwarz und weiß.

          Die Post hat durchaus auch einige gute Argumente auf ihrer Seite: Die gesetzlichen Vorgaben für die flächendeckende Briefversorgung  wurden vor zwanzig Jahren erlassen, als das Internet noch etwas für Technik-Freaks war und die Briefkommunikation deshalb einen ganz anderen Stellenwert hatte. Wenn die Versandmengen schrumpfen, aber die Briefträger trotzdem jeden deutschen  Haushalt von der Hallig bis zur Alm ansteuern sollen, an jeder dritten Straßenecke ein Briefkasten und in jedem Dorf eine Filiale mit Vollversorgung stehen muss, hat das seinen Preis.

          Daher ist es legitim, die postalische Grundversorgung in Zeiten der Digitalisierung auf den Prüfstand zu stellen. Aber: Dafür muss die Politik einer sachlichen Kosten-Nutzen-Abwägung im Interesse der Postkunden folgen. Und nicht den überzogenen Wunschlisten eines Konzerns, dem es in erster Linie darum geht, seine ehrgeizigen Gewinnziele einzuhalten.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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