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E-Lieferwagen : Post stellt Produktion des Streetscooters ein

  • Aktualisiert am

Ein Streetscooter der Deutschen Post unterwegs in Sachsen-Anhalt Bild: dpa

Fortan will die Post die Wagen nur noch betreiben, aber nicht mehr bauen. Die Suche nach einem Partner für die Konzerntochter war gescheitert.

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          Die Deutsche Post stellt den Bau ihres Elektrotransporters Streetscooter ein und streicht ihre Gewinnpläne für 2020 zusammen. Der operative Gewinn (Ebit) werde die angepeilte Marke von fünf Milliarden Euro in diesem Jahr voraussichtlich nur übertreffen, wenn man die Folgen der Coronavirus-Epidemie und neue Sonderbelastungen bei der Konzerntochter Streetscooter herausrechne, teilte die Post überraschend am Freitag in Bonn mit.

          An der Börse lösten die Nachrichten keine längeren Turbulenzen aus. Die Post-Aktie, die bereits am Vormittag ins Minus gesackt war, verlor nur kurzzeitig etwas mehr an Wert. Zuletzt lag sie wieder ähnlich wie zuvor mit 3,72 Prozent im Minus bei 27,54 Euro und gehörte damit zu den schwächeren Werten im insgesamt von Virussorgen gebeutelten Dax .

          Der Konzern werde die Suche nach einem Partner für den Streetscooter nicht weiter aktiv verfolgen. Stattdessen werde die Konzerntochter zu einem reinen Betreiber der Bestandsflotte. Der Vorstand rechnet deshalb für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Der Bau der Fahrzeuge soll noch im Laufe des Jahres 2020 komplett auslaufen. „Neubestellungen wird es keine mehr geben“, sagte ein Post-Sprecher. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich aber noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

          Vergebliche Partnersuche

          „Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, so Vorstandschef Frank Appel. Dank des unter dem Dach der Post entwickelten Fahrzeugs habe die Post heute zwar eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt. Ein weiterer Ausbau der Produktion ohne den richtigen Partner entspreche aber nicht der langfristigen strategischen Zielsetzung des Konzerns. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

          Die Post hatte lange nach einem Partner für ihre Tochter Streetscooter gesucht. Zusammen mit Ford baut sie auch eine größere Version des gleichnamigen Lieferwagens. Allerdings schrieb die Post in diesem Geschäft bisher immer rote Zahlen. Unter die Räder kommen damit auch Appels langfristige Gewinnpläne für den Gesamtkonzern. Das schon vor Jahren ausgegebene Ziel, den operativen Gewinn (Ebit) der Post bis zum Jahr 2020 auf mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern, gilt nun nur noch mit zwei Einschränkungen.

          DT. POST

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          So rechnet der Vorstand die Sonderbelastungen durch das Aus für Streetscooter und die Folgen des neuartigen Coronavirus für das Geschäft des Konzerns ab sofort heraus. Analysten hatten im Schnitt selbst ohne diese neuen Belastungen für 2020 nur mit einem operativen Gewinn von knapp 4,9 Milliarden Euro gerechnet.

          Eckdaten für das Jahr 2019

          Die Folgen der Epidemie dürften „bei einem längeren Anhalten oder einer Verschärfung der aktuellen Situation über die kommenden Monate“ überwiegen, hieß es von der Post. Die Ergebnisbelastung werde man aber erst nach einer Normalisierung der Situation beziffern können. Bisher kommt die Corona-Krise die Post nach Konzernangaben bereits bei DHL Express und im DHL-Frachtgeschäft zu spüren, vor allem bei Transporten von und nach China. Im Monat Februar belaste dies das Ergebnis mit etwa 60 bis 70 Millionen Euro, hieß es.

          Zusammen mit der Gewinnwarnung und der Streetscooter-Entscheidung legte die Post auch erste Eckdaten für das Jahr 2019 vor. Demnach steigerte der Konzern seinen Umsatz um knapp drei Prozent auf 63,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte nach einem Einbruch im Vorjahr um fast 31 Prozent auf gut 4,1 Milliarden Euro zu. Damit verfehlte das Unternehmen leicht die Erwartungen von Analysten. Die vollständigen Jahreszahlen will die Post wie geplant am 10. März vorlegen. An seinem bereits ausgegebenen Gewinnziel für das Jahr 2022 hält Appel unterdessen fest. Dann soll der operative Gewinn mindestens 5,3 Milliarden Euro erreichen.

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