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F.A.Z. exklusiv : Post soll Paketpreise senken

Ein DHL-Paketbote auf Tour Bild: dpa

Kunden der Deutschen Post müssen seit einiger Zeit deutlich tiefer in die Tasche greifen. Jetzt hat die Bundesnetzagentur ein Verfahren eingeleitet – sie pocht auf eine Rücknahme der Preiserhöhungen.

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          Die höheren Preise für den Paketversand mit der Deutschen Post stoßen auf Widerstand der Wettbewerbsaufsicht: Die Bundesnetzagentur hat nach Informationen der F.A.Z. ein förmliches Verfahren gegen den Bonner Konzern eingeleitet und pocht auf eine Rücknahme der Preiserhöhungen. Sie wirft der Post vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen, um Privatkunden zu viel abzuknöpfen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Diese müssen seit Jahresbeginn teils deutlich tiefer in die Tasche greifen: Für manche Paketarten und Zusatzleistungen hatte die Post ihre Preise auf einen Schlag um ein Zehntel und mehr erhöht. Präsident Jochen Homann sieht deutliche Hinweise, dass die Post dabei „einseitig zu Lasten von Privatkunden“ überzogen hat. „Daher prüfen wir diese Preisanpassung nun zügig in einem förmlichen Verfahren“, sagte Homann der F.A.Z.

          Auch das Briefporto ist gestiegen

          Um ihre ehrgeizigen Gewinnziele für die Brief- und Paketsparte zu erreichen, dreht die Post an allen Ecken und Enden an der Preisschraube. Erst im vorigen Sommer war das Briefporto drastisch angehoben worden, später folgten Preiserhöhungen für Eilsendungen und die Pakete von kleineren Händlern und Gewerbekunden. Anders als beim Briefporto muss sich die Post die Verteuerung des Paketversandes nicht zuvor von der Netzagentur genehmigen lassen. Die Aufsichtsbehörde kann die Preise aber im Nachhinein beanstanden, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Post die Aufschläge nur durchsetzen kann, weil der Wettbewerb nicht funktioniert. Genau dies ist nach ihrer Einschätzung der Fall, weil die Post den Markt für Privatkundenpakete zu mehr als 70 Prozent beherrsche. Ihr Anteil ist damit deutlich höher als im Paketversand von Geschäftskunden.

          Die Netzagentur hatte die Post schon voriges Jahr gewarnt, dass die Verteuerung für Privatleute überzogen sei. Das Unternehmen rechtfertigte sich mit den allgemein gestiegenen Personal- und Transportkosten. Außerdem verweist es auf seine umfangreichen Investitionen in neue Packstationen, zusätzliche Zusteller und neue Sortieranlagen. Die Netzagentur widerspricht: „Die Deutsche Post hat den Nachweis gestiegener Personal- und Transportkosten bisher nicht erbracht“, sagte Präsident Homann. Man habe der Post deshalb nahegelegt, die Preiserhöhung solange zurückzustellen.

          Der Konzern wiederum verwies darauf, dass die Paketpreise zuvor teils drei Jahre konstant gewesen seien. Und „mengengewichtet“ seien die Tarife im Schnitt nur um drei Prozent gestiegen. Je nach Kategorie ging es aber steil nach oben. So haben sich DHL Pakete bis 10 Kilogramm und Pakete in der höchstens Gewichtsklasse um mehr als zehn Prozent verteuert. Für eine Transportversicherung müssen die Kunden sogar fast 17 Prozent mehr bezahlen.

          Auf Bedenken der Netzagentur stößt auch, dass online frankierte Pakete deutlich billiger sind als Pakete, die in einer Filiale aufgegeben werden. Die Bundesnetzagentur vermutet hier eine einseitige Belastung des Schalterpaketes. „Der Preisunterschied ist nach erster Einschätzung weder begründet noch gerechtfertigt“, sagte Homann.

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