https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutsche-post-macht-briefe-abermals-teurer-17565572.html

Steigendes Briefporto : Deutsche Post macht Briefe abermals teurer

Wieder teurer: Briefporto Bild: dpa

Vor lauter digitaler Kommunikation werden immer weniger Briefe verschickt. Ein wichtiger Treiber für steigende Portokosten. Die Deutsche Post könnte den Preis für einen Standardbrief in Richtung 90 Cent steigen lassen.

          2 Min.

          Für die Portoerhöhung vor zwei Jahren hatte der Staat noch eigens das Postgesetz geändert, dieses Mal soll es geräuschloser ab­laufen. Seit Monaten rührt der Gelbe Riese die Werbetrommel für höhere Briefpreise. „Wenn man sinkende Mengen hat, hat man natürlich steigende Kosten pro Sendung“, gab Vorstandschef Frank Appel schon auf der Hauptversammlung im Mai die Linie vor.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auch die Energiekosten steigen und die Löhne der vielen Tausend Mitarbeiter. Der Mehraufwand müsse ausge­glichen werden, damit Briefe auch in Zu­­kunft überall pünktlich und zuverlässig zugestellt werden könnten, argumentiert die Post – und erinnert daran, dass der Briefversand in Deutschland trotz der Anhebung auf 80 Cent für das Standardporto immer noch deutlich billiger ist als in vielen Nachbarländern. Im Schnitt koste der Standardbrief in Europa 1,16 Euro, Deutschland liege im Vergleich nur im unteren Mittelfeld.

          Kommende Woche will die Bundesnetzagentur entscheiden, wie stark die Deutsche Post nachziehen darf. Nach allem, was bisher zu hören ist, kann die Post zum Jahreswechsel entweder querbeet über alle Briefprodukte mit Aufschlägen von ungefähr fünf Cent kalkulieren. Der Standardbrief würde dann also 85 Cent kosten.

          Porto für einen Standardbrief könnte in Richtung 90 Cent steigen

          Alternativ könnte der Konzern die Preiserhöhung auf einzelne Produkte konzentrieren. In diesem Fall sei denkbar, hieß es aus der Branche, das Porto für den Standardbrief in Richtung 90 Cent heraufzuschrauben. Die neuen Preise sollen drei Jahre lang Bestand haben. Die Netzagentur wollte sich dazu noch nicht äußern. „Unsere Entscheidung kommt in Kürze“, sagte ein Sprecher.

          Die Post selbst verwies ebenfalls auf das noch laufende Verfahren. Grund­lage sind die vom Konzern vorgelegten Kostenunterlagen und die Renditen, die ausgewählte Postunternehmen in an­deren europäischen Ländern erzielen. Zunächst gibt die Regulierungsbehörde nur einen Durchschnittswert für die erlaubte Preiserhöhung vor. Wie die Post diesen Spielraum auf Postkarten, Standardbriefe oder Einschreiben verteilt, kann sie weitgehend selbst entscheiden, braucht aber auch dafür eine Freigabe der Regulierungsbehörde.

          Fest steht, dass der Konzern für die Preisrunde bereits Kontakt zu wich­ti­gen Großkunden wie Banken und Versicherungen aufgenommen hat. Dabei hatten die Postmanager, so berichten Be­teiligte, gute Nachrichten im Ge­päck: Während es für Privatleute und Kleinunternehmen spürbar teurer wird, sollen die Großkundenpreise zum Jahreswechsel nur marginal steigen. Um 0,3 bis 0,4 Prozent werde es raufgehen, mehr nicht, habe die Post versichert. Dafür würden die Groß­kun­denrabatte auf das Porto entsprechend erhöht.

          Die Deutsche Post bindet mit hohen Rabatten Firmenkunden an sich

          Diese Zusage gelte allerdings nur für das kommende Jahr. Großversendern gewährt die Post auf die von der Netzagentur genehmigten Preise, je nach Menge, schon jetzt Abschläge von vierzig Prozent und mehr. Auf die Milliarden von Mitteilungen, Bescheiden und Rechnungen, die Behörden und Unternehmen jedes Jahr verschicken, entfällt der größte Teil des Briefaufkommens. Anders als die Privatkundenbriefe ist dieser Markt heftig umkämpft.

          Wettbewerber wie PIN und DVS so­wie verlagseigene Briefdienste konkurrieren mit der Post um die lukra­tiven Großkunden. Schon in früheren Preisrunden hatte der Konzern mit hö­heren Rabatten versucht, die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Eine Ge­nehmigung braucht er dafür nicht. Das Portoverfahren gilt nur für Briefe von Privatkunden und Kleinunternehmen.

          In Branchenkreisen sorgt die Preisgestaltung der Post für wachsenden Unmut. Konkurrenten werfen ihr vor, die dominante Marktstellung im Privatkundengeschäft zu missbrauchen, um den Wettbewerb durch Quersubventionen der Großkundenpreise auszubremsen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Weniger Kunden: Mario Blandamura (links) und Kurt Lorenz bekommen mit ihrem Bioladen „Paradieschen“ die Krise zu spüren.

          Inflation und ihre Folgen : Wieso Bioläden große Sorgen haben

          Die Inflation dämpft die Kauflust und viele Verbraucher sparen gerade bei Lebensmitteln. Der Umsatz der Biobranche verzeichnet zweistellige Verluste – und viele inhabergeführte Unternehmen kämpfen um ihre Existenz.
          Turritopsis nutricula gehört zu einer Gattung der „unsterblichen Qualle“.

          Altersforschung : „Wir werden mit 80 und 90 Jahren noch arbeiten“

          Ist die Steigerung der Lebenserwartung ein „Pakt mit dem Teufel“? Der Altersforscher Nir Barzilai spricht über die Chancen, sie weiter zu verlängern – und die finanziellen Konsequenzen für die Gesellschaft.
          360 Milliarden Euro Schulden in einem Jahr: Finanzminister Lindner, Bundeskanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck.

          Staatsschulden : Können wir uns das alles leisten?

          Gegen die Energiekrise, für eine bessere Bundeswehr und mehr Klimaschutz: Deutschland nimmt hunderte Milliarden an neuen Staatsschulden auf. Zeit für einen Kassensturz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.