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Deutsche Post : „Wir sind es, die Amazon Prime ermöglichen“

DHL arbeitet eng mit Amazon zusammen. Bild: dpa

In Amerika schießt Donald Trump gegen Amazon: Der Online-Händler mache der Post das Geschäft kaputt. Wie sieht eigentlich die Deutsche Post die Beziehung zu Amazon?

          Für Donald Trump ist die Sache klar. Der amerikanische Präsident stellt den Internet-Riesen Amazon an den Pranger, weil Jeff Bezos der guten alten amerikanischen Post das Geschäft kaputt mache. Niedrigpreise wirft Trump dem Online-Kaufhaus vor und dass es die Post zu einem „Lieferjungen“ degradiert habe. Es ist, wie so oft, eine Frage des Standpunkts.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In Bonn, oben im Tower der Deutschen Post, wo man das Scharmützel aus sicherer Distanz verfolgt, lässt man auf Amazon nichts kommen. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Da wird Amazon als der große Partner und Kunde gelobt, der den Deutschen das Online-Shopping erst richtig beibringt und der Pakettochter DHL wachsende Umsätze beschert. Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende des gelben Riesen, beschreibt das Miteinander fast wie eine symbiotische Beziehung: „Je größer der Kuchen wird, der online bestellt wird, desto besser ist das für unser Geschäft.“

          Von Klamotten und Elektronik bis hin zum Kühlschrank: Es gibt wenig, was es bei Amazon nicht gibt, und weil die Verbraucher sich davon immer mehr nach Hause bringen lassen, haben DHL und die übrigen deutschen Paketdienste alle Hände voll zu tun. Um 6 bis 8 Prozent wachsen die Mengen jedes Jahr, und bisher ist nicht zu erkennen, dass sich die Kurve abflacht. Dass der Kuchen sogar größer wird, liegt im Moment unter anderem daran, dass auch der Verkauf von frischen Lebensmitteln teilweise ins Internet wandert.

          Mit „Amazon Fresh“, seinem noch, aber vermutlich nicht mehr lange auf Berlin, das Ruhrgebiet und München begrenztem Lieferservice, ist der amerikanische Online-Händler vor knapp einem Jahr in das nächste Wachstumssegment vorgestoßen. Wenn es bei Amazon gut läuft, werden auch die teils noch zögernden Supermarktketten nachziehen müssen. Noch im Werden ist ebenfalls die Express-Zustellung von Online-Bestellungen, sei es am gleichen Tag oder sogar, wie in einigen Ballungsgebieten, binnen weniger Stunden. Auch hier sind die Amerikaner mit Amazon Prime einer der Vorreiter.

          Amazon verteilt die Mengen auf mehrere Zustellpartner

          Wenn Amazon bei den Kunden punkten will, braucht es eine ausgefeilte Logistik. Und die kommt in Deutschland meistens von DHL. Kein anderer Paketdienst hat ein so engmaschiges Zustellnetz und investiert so viele Millionen in neue hochmoderne Umschlagzentren wie der Postableger. Und kein anderer kann zudem auf ein Heer von Briefboten zurückgreifen, die in großen Teilen der Republik zugleich Päckchen und Pakete mitbringen.

          Appel und der für das Internet- und Paketgeschäft zuständige Vorstand Jürgen Gerdes sehen sich deshalb keineswegs als Juniorpartner oder gar Laufburschen. „Amazon ist groß. Aber das sind wir auch“, sagt Gerdes, der sich auch von Bezos an Selbstbewusstsein so schnell nicht übertreffen lässt. Bestes Beispiel ist für ihn der Premium-Versand Prime: „Wir haben Prime zusammen aufgebaut. In Deutschland sind wir es, die Prime ermöglichen“, hat Gerdes dazu der F.A.Z. gesagt. Auch für Amazon Fresh haben die Amerikaner DHL unter Vertrag genommen.

          In der Regel ist das keine exklusive Zusammenarbeit, sondern Amazon verteilt die Mengen meistens auf zwei oder mehr Zustellpartner. Zum einen, um sich nicht abhängig zu machen, zum anderen natürlich, um die Preise drücken zu können. Wie viel Umsatz die Post mit Amazon macht, wird wie ein Staatsgeheimnis behandelt, aber Branchenfachleute sind davon überzeugt, dass die Amerikaner der mit Abstand größte Kunde sind.

          Amazon testet eigene Zustellung

          Ohne ihre Aufträge müsste DHL seine ehrgeizigen Wachstumspläne mit ziemlicher Sicherheit ein Stück zurückstutzen. Immer wieder sorgen deshalb Meldungen für Aufregung, dass Amazon auch hierzulande stärker mit einer eigenen Zustellung antreten könnte. In Amerika ist dies längst gang und gäbe, ebenso in Großbritannien. Und auch in Deutschland probiert Amazon aus, was geht. Bisher nicht mit eigenen Flotten und Chauffeuren, sondern mit kleineren Kurierfirmen, die in Ballungsgebieten speziell für Amazon fahren.

          Bei der Post beobachtet man die Entwicklung mit Argwohn, aber nach außen gibt sich das Management entspannt: Man könne keinem Kunden verbieten, eigene Logistik-Lösungen auszuprobieren, heißt es dann, versehen mit der Standard-Antwort: „DHL muss eben so gut sein, dass es dauerhaft die besseren Angebote machen kann“. Allerdings hat man in Bonn natürlich ebenfalls registriert, dass Amazon in Amerika sogar schon mit dem Gedanken spielt, selbst als Logistikdienstleister aufzutreten und Ware für andere Unternehmen auszuliefern. Das wäre in Deutschland dann wohl das Ende des freundlichen Miteinanders.

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