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Delivery : Ansturm auf neue Post-Zustellunternehmen

In den neuen Post-Zustellunternehmen bekommen befristete Postboten der Deutschen Post feste Arbeitsverträge. Bild: dpa

Die Aussicht auf einen dauerhaften Arbeitsplatz zieht viele bisher befristet beschäftigte Postboten in die umstrittenen neuen Zustellgesellschaften. Schon 2000 neue Arbeitsverträge wurden abgeschlossen. Gewerkschaften werfen der Post Lohndrückerei und Tarifflucht vor.

          Die Aussicht auf einen dauerhaften Arbeitsplatz zieht immer mehr Paketboten der Deutschen Post in die umstrittenen neuen Zustellgesellschaften, mit denen der Konzern seine Personalkosten drücken will. „Das Echo auf unser Angebot zeigt, wie attraktiv die Bedingungen sind. Binnen nicht einmal zwei Wochen haben mehr als 2000 bisher befristet beschäftigte Mitarbeiter unterschrieben“, sagte Uwe Brinks, der Betriebschef für Pakete und Briefe, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bis Mitte des Jahres werde man voraussichtlich rund 6000 Leute an Bord haben.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dabei würden aber nicht nur befristete Arbeitsplätze in Dauerstellen umgewandelt, sondern auch Tausende Mitarbeiter von außen angeheuert. Bis 2020, so hatte es die Deutsche Post angekündigt, sollen bis zu 10.000 neue feste Stellen in der Zustellung entstehen. Die Paketmengen wüchsen „zweistellig“, deshalb nehme der Personalbedarf auch in den Sortierzentren rasant zu, sagte Brinks. Dort habe die Post deshalb weitere 1700 Mitarbeiter in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis übernommen.

          In den 49 regionalen Tochtergesellschaften für die Zustellung (Delivery) werden die Paketboten nicht mehr nach Haustarif bezahlt, sondern nach den in den meisten Tarifbezirken ungünstigeren Bedingungen des Speditions- und Logistikgewerbes. Die Post garantiert befristet Beschäftigten, die in die Gesellschaften wechseln, aber mindestens ihre bisherige monatliche Grundvergütung von 1970 Euro. Diese Zusage gilt vorläufig nur für Verträge, die im laufenden Jahr unterzeichnet werden. Andererseits fallen Sonderleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld je nach Tarifbezirk geringer aus oder ganz weg. Auch Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen sind für die Beschäftigten ungünstiger als bei der Post. Und im Gegensatz zu deren Haustarifvertrag steigt die Bezahlung mit dem Alter und der Betriebszugehörigkeit sehr viel langsamer an.

          Gewerkschaften werfen der Post Lohndrückerei und Tarifflucht vor

          Die Gewerkschaften werfen der Post deshalb Lohndrückerei und Tarifflucht vor; die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis hat die neuen Tochtergesellschaften als „sozialpolitischen Skandal“ gebrandmarkt. Brinks hielt dagegen: „Die Leute stimmen mit den Füßen ab“, sagte er. Niemand werde in die Delivery-Gesellschaften hineingezwungen, die Mitarbeiter könnten sich in Ruhe informieren und dann entscheiden. „Wir sind doch keine Drückerkolonne.“

          Die Gewerkschaft verwies darauf, dass die Post viele zeitlich befristete Verträge schlicht nicht mehr verlängere. „Die Mitarbeiter haben in der Regel gar keine andere Wahl, als den neuen Vertrag zu unterschreiben“, sagte ein Verdi-Sprecher. Auch in den Tochtergesellschaften verdienen die Postmitarbeiter allerdings immer noch deutlich besser als ihre Kollegen bei der Konkurrenz. Die meisten übrigen Paketdienste arbeiten mit Subunternehmen zusammen, die selten mehr als den Mindestlohn bezahlen.

          In manchen Tarifbezirken wie Nordbaden, wo der Logistik-Tarifvertrag Stundenlöhne von gut 18 Euro vorsieht, bekämen die früheren Post-Zusteller sogar mehr als zuvor im Konzern, sagte Brinks. „Wir haben schon mehrere hundert Bewerbungen von fest angestellten Beschäftigten, die deshalb ebenfalls wechseln möchten.“ Außerdem hätten Delivery-Mitarbeiter überall die Möglichkeit, ihr Einkommen durch Leistungsprämien oder auch freiwillige Mehrarbeit aufzustocken. Die Post könne dort bei Arbeitszeitgestaltung und Leistungsanreizen freier agieren als in ihrem Haustarifvertrag.

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