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F.A.Z. exklusiv : Deutsche Luftfahrt fordert Maskenpflicht an Bord

Auf dem Weg zum Flieger: Zwei Reisende am Frankfurter Flughafen Bild: dpa

Mundschutz für alle, aber keine zwangsweise freien Mittelsitze – so will die Branche den Neustart angehen. Schon beim Online-Check-In und in Terminals soll sich für viele Wochen einiges ändern.

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          Für Corona-Zeiten ist die Einrichtung von Flugzeugen nicht gemacht. Vor allem in der Economy-Class gehört die Nähe zu Mitreisenden zum Fliegen dazu. Eng bestuhlte Kabinen wirken aber aus der Zeit gefallen, wenn Politiker und Virologen zum Abstandhalten mahnen. Die deutsche Luftfahrt will daher Passagiere zum Tragen von Schutzmasken bringen – zumindest für eine „Wiederaufnahmephase“. Das sieht ein Konzeptpapier zum Neustart des Flugverkehrs vor, das unter den Führungen deutscher Fluggesellschaften und Flughäfen abgestimmt ist und der F.A.Z. vorliegt.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Beim Boarding, im Flugzeug für die Dauer des Fluges und beim Aussteigen darauf achten, dass jeder Fluggast eine Schutzmaske trägt“, lautet ein Punkt in dem Papier. Kunden sollen mit in die Verantwortung genommen werden. „Es besteht eine entsprechende Verpflichtung des Passagiers, eine Schutzmaske mitzuführen und aufzusetzen“, heißt es.

          Das soll nicht nur für innerdeutsche oder europäische Flüge gelten, die nur ein oder zwei Stunden dauern. Auch auf Interkontinentalflügen soll zunächst gelten: Maske auf. Folglich müsste das Essen auf langen Flügen angepasst werden, damit ein Mundschutz nur kurz abgesagt werden muss. Spaghetti dürfte es dann auf absehbare Zeit an Bord nicht geben.

          Auch „Temperaturscreening“ angedacht

          Mehr als 20 Maßnahmen sieht das Papier vor. Die sollen schon greifen, bevor Reisende zum Flughafen kommen. Beim Online-Check-In sollen Passagiere ihre Gesundheit bestätigen, insbesondere dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Zudem sollen nur feste Sitzplätze vergeben werden. „Wo möglich und zielführend“ wird sogar ein „Temperaturscreening“, eine allgemeine Fieberprüfung mit speziellen Sonden, angeraten. Derartige Schritte seien „im Interesse des Gesundheitsschutzes für eine zu definierende Wiederaufnahmephase“ erforderlich. Die „könnte zunächst für einen Zeitraum von sechs Wochen festgelegt werden“.

          Ein langer weitgehender Stillstand, während dem beispielsweise die Deutsche Lufthansa nur drei Interkontinentalflüge je Tag ab Frankfurt anbietet, wird als nachteilig für die gesamte Wirtschaft angesehen. „Angesichts der strukturellen Bedeutung von Mobilität wird die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Tätigkeiten unmittelbar mit der schrittweisen Normalisierung des gesamten Verkehrs Hand in Hand gehen müssen“, lautet die Branchensicht.

          Zwangsweise freie Sitze an Bord kommen in dem Papier nicht vor. Johan Lundgren, Chef des britischen Billigfliegers Easyjet, hatte mit Blick auf einen Neustart gesagt: „Mittelsitze werden vermutlich zunächst frei bleiben.“ Auch Lufthansa lässt im Notfplan einen Platz je Dreierreihe leer. Doch eine Politik des leeren Stuhls wird offenbar als wenig geeignet für eine Phase mit wieder steigenden Passagierzahlen angesehen – zumal eine Mehrzahl von Ansteckungen an Bord nicht bekannt ist.

          Ein Drittel der Sitze ohne zahlende Kunden zu lassen, würde auch Kalkulationen umstürzen. Ohnehin prognostiziert der Luftfahrtverband Iata für 2020 einen Einnahmerückgang um 55 Prozent. Airlines rund um die Welt entgingen 287 Milliarden Euro Umsatz. Deutsche Anbieter fürchten zudem einen Nachteil gegenüber ausländischen Airlines, wenn die ihre Flieger stärker füllen. Ryanair-Chef Michael O’Leary sprach schon von einer Belebungsphase mit Billigflügen – samt eines Preiskriegs mit Tickets für weniger als 10 Euro.

          Mit dem Maskenvorstoß orientiert sich die Branche an Vorgaben für andere Verkehrsmittel. Der Bund hat den Atemschutz empfohlen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern machen das Tragen in Bussen und Bahnen zur Pflicht. An Flughäfen sollen mehr Markierungen, mehr Durchsagen sowie viele offene Schalter Gedränge verhindern. Am Beginn der Corona-Phase hatten fehlende Abstände in Flughafenbussen und vor Gepäckbändern für Aufregung gesorgt. Nun sollen Ein- und Ausstieg zeitlich gestreckt werden, damit nicht viele Passagiere gleichzeitig durch Fluggastbrücken drängen.

          Zweifel an Corona-Schnelltests

          Offen bleibt, wann die Übergangsphase von mindestens sechs Wochen beginnen soll. Ein Anknüpfungspunkt könnten Lockerungen von Reisebeschränkungen sein. Aktuell gilt bis mindestens zum 3. Mai eine Reisewarnung des Auswärtiges Amts für das gesamte Ausland. Offen ist auch, ob sich die deutsche Branche selbstverpflichtet oder ob es staatliche Vorgaben geben wird. Gespräche mit Ministerien stehen an, eine mindestens europäische Abstimmung wird als wünschenswert angesehen.

          An Ideen für Sicherheitsmaßnahmen herrscht derweil kein Mangel. Emirates aus Dubai warb schon damit, in einem Testlauf mit örtlichen Gesundheitsbehörden alle Passagiere eines Flugs Blutschnelltests unterzogen zu haben. Ergebnisse gab es nach zehn Minuten. Vom Piecks vor dem Einstieg halten deutsche Gesellschaften nichts. Mit keinem Wort erwähnen sie derartige Tests. In Branchenkreisen gibt es dem Vernehmen nach massive Zweifel, ob Antikörpertests zuverlässig alle Infektionen aufdecken.

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