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Deutsche Warenhausketten : Fusion von Karstadt und Kaufhof ist perfekt

  • Aktualisiert am

Werden ein Handelsriese: Kaufhof und Karstadt Bild: Reuters

Die beiden schwächelnden Warenhaus-Riesen Karstadt und Kaufhof verbünden sich, um im Wettbewerb mit Onlinehändlern und Einkaufszentren eine Chance zu haben. Allerdings kündigt das Kartellamt eine umfangreiche Prüfung an.

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          Die Warenhausketten Kaufhof und Karstadt reagieren mit einer Fusion auf die immer härtere Konkurrenz durch Online-Anbieter. Die Eigentümer der beiden traditionsreichen Einzelhändler, der nordamerikanische Handelsriese HBC und die österreichische Investmentgesellschaft Signa, brachten am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen mit 32.000 Beschäftigten auf den Weg. Die Fusion schaffe die Voraussetzungen, „die Herausforderungen im deutschen Einzelhandel zu meistern“, sagte HBC-Chefin Helena Foulkes.

          Karstadt-Eigner Signa wird 50,01 Prozent am operativen Geschäft der neuen Holding halten, HBC die restlichen Anteile.Der Signa-Handelsexperte Stephan Fanderl, der bereits die Sanierung der Kette Karstadt vorangetrieben hatte, wird Chef des neuen Konzerns. „Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist“, kündigte Fanderl an.

          Die Nordamerikaner hatten Kaufhof eigentlich als Sprungbrett für eine breit angelegte Expansion in Europa nutzen wollen. Doch der Plan schlug fehl, Kaufhof litt unter schwindenden Umsätzen und Verlusten. Immerhin habe sich die Bewertung der Warenhaus-Immobilien unter ihrer Führung deutlich verbessert, hob HBC hervor.

          Deutlich weniger Umsatz als Amazon

          Die Fusion umfasst auch die HBC-Warenhäuser in den Niederlanden sowie Karstadt Sports und den gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen. Auch eine Reihe von Internet-Plattformen wie Karstadt.de und Kaufhof.de gehen mit in die Warenhaus-Ehe. Insgesamt erwirtschafteten die fusionierenden Geschäfte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Allein der Online-Markführer in der Bundesrepublik, Amazon.de, fuhr nach Zahlen des Kölner EHI-Instituts und von Statista im vergangenen Jahr einen Retail-Umsatz von 8,8 Milliarden Euro ein.

          Beide Seiten versprechen sich von ihrer „Fusion unter Gleichen“ auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft jedoch gibt es Ängste vor einem erheblichen Sttellenabbau. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa bislang nicht. Fachleute halten es allerdings für wahrscheinlich, dass sich Geld sparen lässt, indem einer der beiden Hauptsitze der bisher getrennten Ketten geschlossen wird. Zudem sind Filialschließungen wahrscheinlich. Potential gibt es auch in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

          Die Gewerkschaft Verdi hatte Signa und HBC aufgefordert, die Mitarbeiter in ihre Verhandlungen einzubinden. „Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Im Vordergrund stehen der Gewerkschaft zufolge die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung.

          Allerdings könnte die Fusion am Ende von den Wettbewerbsbehörden noch verboten werden. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen: „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein.“ Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden. Dabei müsse man nicht nur den stationären Handel berücksichtigen, sondern auch den Online-Handel. „Wir hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir uns in diesem Umfang mit diesen Fragen auseinandersetzen mussten“, sagte Mundt.

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