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Deutsche Ingenieurskunst : Der Wankelmotor lebt

  • -Aktualisiert am

Mit Wankelmotor: Die Limousine NSU Ro 80 Bild: picture-alliance/ dpa

Ein deutscher Ingenieur hat ihn einst erfunden. Jetzt setzt ihn der japanische Autohersteller Mazda ein.

          Die Geschichte des modernen Wankelmotors beginnt im Jahr 1936. Damals spricht Felix Wankel, gerade 34 Jahre alt, bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt vor. Einen Bericht über die wunderbar laufruhige, aber leider sehr durstige neue Motorentechnik des jungen Ingenieurs legt der Staatssekretär Erhard Milch dem Reichsminister Hermann Göring vor. „Dieser Mann ist großzügigst zu unterstützen“ lautet daraufhin dessen Anweisung. Danach gründet Felix Wankel mit seiner „Wankelversuchswerkstatt“ eine eigene Forschungswerkstätte in Lindau. Bis 1941 entwickelt er erfolgreich Drehschiebersteuerungen für Junkers-, BMW-, Siemens- und Daimler-Flugmotoren.

          Doch es dauert noch fast zwanzig weitere Jahre, bis im Jahr 1960 erstmals ein Auto von einem Wankelmotor angetrieben wird. Der im badischen Lahr geborene Erfinder hatte im Neckarsulmer Fahrzeughersteller NSU, der später in Audi aufging, einen Partner gefunden, der die praktische Versuchsarbeit übernahm. So wurde der Motor bis zur Serienreife entwickelt, ohne dass alle Probleme gelöst worden wären. Deshalb ist der NSU Prinz III, der 1960 mit dem Wankelmotor mit der Typbezeichnung KKM 250 entwickelt wird, noch nicht der Durchbruch. Denn der Wankelmotor, der die Verbrennungsenergie ohne den Umweg einer Hubbewegung direkt in eine Drehbewegung umsetzt, braucht zwar wenig Platz. Außerdem hat er ein besseres Leistungs-Gewichts-Verhältnis als der Hubkolbenmotor, und er läuft ebenso vibrationsarm wie leise. Aber es gibt gewichtige Nachteile: Dazu zählen Wärme- und Druckverluste sowie Probleme mit der Abdichtung, die in der Summe bewirken, dass der Wankelmotor um bis zu ein Siebtel mehr Kraftstoff verbraucht.

          Die Namensrechte liegen bei Volkswagen

          Bis heute hat sich die Technik des Wankelmotors deshalb nicht allzu weit verbreitet. Aber er hält sich wacker und könnte nun vielleicht sogar eine kleine Renaissance erleben. Der japanische Autohersteller Mazda – mit 1,3 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr nicht eben ein Riese in der Branche – hält ihm schon seit 45 Jahren die Treue.

          1968 ging das erste Serienauto von Mazda mit „Kreiskolbenmotor“, der Mazda Cosmo 110 Sport, in Produktion. Die Patente zum Wankelmotor sind inzwischen abgelaufen, weshalb heute zu seinem Bau keine Lizenzen mehr benötigt werden. Da die Namensrechte jedoch beim VW-Konzern liegen, wurden die entsprechenden Mazda-Motoren zuletzt nicht mehr als Wankel- sondern als Kreiskolbenmotoren bezeichnet.

          Ein Wankelmotor zum Nachladen der Batterie

          Nun setzt Mazda – als einziger Autohersteller in der Serienfertigung – abermals auf den Wankelmotor. Dieses Mal geht es darum, die Reichweite des elektrischen Mazda 2 zu verlängern. Das Modell läuft in einer Elektroversion derzeit schon in einer Testflotte mit hundert Fahrzeugen in Japan. Nur ein Prototyp jedoch ist bislang mit einem sogenannten Range Extender ausgerüstet. Der elektrifizierte Kleinwagen wird von einem 102 PS leistenden E-Werk angetrieben und schafft damit eine Spitze von 130 Kilometern in der Stunde. Die Batterie soll für bis zu 200 Kilometer Fahrstrecke genügen. Der Wankelmotor dient ausschließlich zum Nachladen der Batterie. Mazda forscht mit Prototypen, in denen ein wasserstoffbetriebener Wankelmotor als Generator für ein Elektroaggregat dient.

          Auch der deutsche Konkurrent Audi setzte zeitweise in der Entwicklung auf Elektromobile mit Wankelmotor als Notstromspender. Audi ist als Nachfolger von NSU im Besitz des in Neckarsulm erworbenen Wissens über den Wankelmotor. Das erklärt, warum neben Mazda ausgerechnet die Ingolstädter den Wankel als „Range Extender“ auferstehen lassen wollten. Doch die Volkswagen-Konzernzentrale in Wolfsburg machte den Ingenieuren der Ingolstädter Premiummarke einen Strich durch die Rechnung: Der Wankelmotor galt den Wolfsburgern als zu schwierig integrierbar in den konzernweit geplanten Baukasten für verschiedene Antriebstechniken. Das Ausscheren aus der strengen Ordnung hätte zu hohe Kosten verursacht. VW setzt lieber auf Viertakt-Zweizylinder.

          Zugleich feiert der Wankelmotor in der jüngsten Zeit aber auch noch an ganz anderer, unerwarteter Stelle neue Erfolge. Die Antriebstechnik kommt nämlich überraschenderweise immer häufiger in der Flugzeugindustrie zum Einsatz. Für batteriebetriebene Elektroflugzeuge konzentriert sich beispielsweise EADS vorerst noch auf kleine Ein- bis Zweisitzer. Im Juni ging erstmals der Hybrid-Motorsegler DA36 E-Star 2 in die Luft, der mit einem Elektroantrieb und einem kleinen Wankelmotor, der Strom produziert, ausgestattet ist. Die Maschine wurde in Zusammenarbeit mit Siemens und dem österreichischen Kleinflugzeug-Hersteller Diamond Aircraft entwickelt. Insgesamt verbraucht der Flieger angeblich ein Viertel weniger Energie als ein vergleichbares Kleinflugzeug. Vielleicht feiert der Wankelmotor sein großes Comeback also in der Flugzeugindustrie.

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