https://www.faz.net/-gqe-97ywg

Angedrohte Zölle : Deutsche Hersteller sind Amerikas größte Autoexporteure

Ein Mitarbeiter im BMW-Werk in Spartanburg in Amerika montiert Kühlerteile an einem Auto der Geländewagenreihe X3. Bild: dpa

Donald Trump droht BMW und Mercedes. Dabei machen die Konzerne vor allem zwei Dinge in seinem „America first“: Autos bauen, die viele Amerikaner kaufen wollen, und Tausende Mitarbeiter beschäftigen. Was soll das also?

          „Wir werden Mercedes Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen.“ Wenn Trump vor seinen Anhängern spricht, auf Kundgebungen außerhalb der Hauptstadt Washington, gibt er sich wenig diplomatisch, redet auch schon mal ohne Manuskript oder weicht davon ab. Nicht alles, was er auf solchen Veranstaltungen zum Besten gibt, wird schon morgen echte Politik.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Aber immerhin hat er nun in Pennsylvania eben nicht zum ersten Mal über Autos aus Deutschland geschimpft. Er machte das schon vor wenigen Tagen, als er gerade neue Zölle auf Stahl und Aluminium auf den Weg brachte. Und nicht zu vergessen sein Interview mit der „Bild-Zeitung“ im Januar des vergangenen Jahres, kurz vor seinem Amtsantritt. Da fand er schon, dass die Deutschen gegenüber den Vereinigten Staaten „sehr unfair“ seien, wenn es um den Handel gehe und er erzählte davon, wie viele deutsche Limousinen er zum Beispiel auf der Finfth Avenue in New York sehe.

          Und Letzteres stimmt ja auch: Die Amerikaner kaufen wirklich gerne deutsche Autos, sie finden die Limousinen der deutschen Edelautomobilhersteller Daimler und BMW toll. Ein vergleichbares Interesse der Deutschen an den Spitzenmodellen amerikanischer Autohersteller gibt es nicht. Das ist eben so - Geschmäcker, Preise, Ausstattung sind verschieden. Das führt tatsächlich dazu, dass aus Deutschland jedes Jahr hunderttausende Autos in die Vereinigten Staaten verschifft werden, viel mehr als auf dem umgekehrten Weg. Und Trump weiß natürlich auch, dass er mit Drohungen gegen die deutsche Autoindustrie nicht irgendeine Branche der Bundesrepublik angeht, sondern eine Säule des wirtschaftlichen Erfolges Deutschlands in der gesamten Nachkriegszeit.

          Trump kam nicht zum Jubiläum

          Dieser Erfolg hat wiederum aber auch dazu geführt, dass die großen deutschen Autohersteller international breit expandiert sind und mittlerweile nicht nur in deutschen Fabriken ihre Autos fertigen. Die Flaggschiffe schon, BMW baut die 7er-Reihe und Daimler die S-Klasse in Deutschland und exportiert sie. Das gleiche gilt für die 5er-Reihe von BMW, die in Amerika ebenfalls beliebt ist und dorthin exportiert wird.

          Gerade die beiden großen Premium-Hersteller sind aber längst auch große Arbeitgeber und Milliardeninvestoren in Amerika mit eigener Produktion, eigenem Vertrieb und eigenen Finanzierungsangeboten. Die sportlichen Geländewagen (die Modelle der X-Reihe) baut BMW vor allem im Werk in Spartanburg im amerikanischen Bundesstaat „South Carolina“. Weit mehr als 400.000 Einheiten laufen dort jährlich vom Band - viel mehr, als in den Vereinigten Staaten verkauft werden.

          In Spartanburg im amerikanischen Bundesstaat South Carolina steht das größte BMW-Werk der Welt.

          BMW beschäftigt Tausende Mitarbeiter dort, das Werk selbst ist übrigens mittlerweile die größte BMW-Fertigungsstätte auf der ganzen Welt. Und zugleich ist der Hersteller aus dem Bayerischen infolgedessen auch der größte amerikanische Autoexporteur, denn: Die meisten in Spartanburg gefertigten Wagen werden wiederum verschifft - nach China beispielsweise, aber auch nach Deutschland. Von den ungefähr 350.000 Autos, die BMW jährlich in den Vereinigten Staaten verkauft, werden schlussendlich 70 Prozent eingeführt und 30 Prozent dort herstellt; so ist das in einer verketteten internationalen Wirtschaftswelt.

          Der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger war im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Kanzlerin im Weißen Haus und legte Trump während einer Gesprächsrunde auch all dies da. BMW hat in Spartanburg bis heute 8 Milliarden Dollar investiert - das bilanzierte Krüger noch einmal, als er ebenfalls im vergangenen Jahr zum 25. Geburtstag des Werkes noch einmal anreiste. Trump, den er persönlich eingeladen hatte, war nicht da.

          Und auch für Daimler ist in Amerika seit vielen Jahren nicht nur Absatzmarkt, sondern auch Produktionsstandort. Das zweitgrößte Daimler-Werk außerhalb Deutschlands steht in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama (das größte ist mittlerweile eine Fertigung in China), insgesamt beschäftigt der Konzern eigenen Angaben zufolge in den Vereinigten Staaten 23.500 Mitarbeiter, was ungefähr 8 Prozent seiner gesamten Belegschaft entspricht. Und auch für Daimler gilt: Der Hersteller ist selbst ein großer Exporteur aus Amerika heraus, ungefähr 70 Prozent der sportlichen Geländewagen gehen in andere Länder. Er ist die Nummer zwei hinter BMW - und vor den amerikanischen Herstellern. Außerdem stellt Daimler Lastwagen und Busse in den Vereinigten Staaten her unter den zum Konzern gehörenden Marken Freightliner, Western Star und Thomas Built Buses.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Bastian Benrath

          F.A.Z.-Sprinter : Dunkle Wolken am Sommerhimmel

          In Sachsen beginnt der Prozess im Mordfall Daniel H., und in Paris möchte Boris Johnson weiter Zugeständnisse beim Brexit-Abkommen erwirken. Wie sie dennoch zu einem lockeren Sommertag kommen, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.