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Devisenhandel : Deutsche Börse plant den nächsten Zukauf

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Ein Grund zu feiern: 30 Jahre Dax mit Börsenchef Theodor Weimer (links) und den Erfindern des Dax. Bild: Helmut Fricke

Die Deutsche Börse kauft weiter zu – erst im Indexgeschäft, jetzt wohl im Devisenhandel, angeblich für mehr als drei Milliarden Euro. Doch das Unternehmen dementiert, zumindest teilweise.

          Die Deutsche Börse nimmt nach dem erst Anfang der Woche angekündigten Zukauf im Indexsegment weitere Übernahmen ins Visier. Dabei soll abermals das Devisengeschäft gestärkt werden. Der Börsenbetreiber bestätigte am Donnerstag konkrete Gespräche mit dem Finanzdatenanbieter Refinitiv über den möglichen Kauf einzelner Geschäftsbereiche im Devisenhandel. Damit könnte der seit Anfang 2018 amtierende Konzernchef Theodor Weimer weitere Taten auf seine Ankündigungen, sich aktiv nach Übernahmezielen umzuschauen, folgen lassen.

          „Die Verhandlungen und Prüfungen einer potentiellen Transaktion dauern an“, hieß es in der als Reaktion auf einen Medienbericht verschickten Mitteilung. Anders als die Verhandlungen selbst wies das im Dax notierte Unternehmen Details des Berichts allerdings zurück. „Der in den Marktgerüchten genannte Kaufpreis von 3,5 Milliarden US-Dollar (rund 3,1 Mrd Euro) sowie die unmittelbar bevorstehende Unterzeichnung verbindlicher Verträge entbehren jeder Grundlage.“ Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Börse kurz vor dem Kauf der Devisenhandelsplattform FXall von Refinitiv für eben diese Summe steht.

          Über diese Transaktion wird bereits seit einiger Zeit spekuliert, da Refinitiv den Erlös aus einem Verkauf gut für den Abbau von Schulden gebrauchen könnte. Das Unternehmen ist 2018 aus dem Finanz- und Risikogeschäft von Thomson Reuters hervorgegangen, nachdem es an den Finanzinvestor Blackstone verkauft wurde. Der kanadische Konzern Thomson Reuters, zu dem auch die Nachrichtenagentur Reuters gehört, hält noch 45 Prozent an Refinitiv.

          Weitere Übernahmen in Planung

          Die Deutsche Börse hatte ihr Interesse an dem Bereich erst vor kurzem bestätigt. „Falls FXall auf den Markt kommen sollte, würden wir uns das natürlich ansehen“, sagte der Chef der 2015 von der Deutschen Börse für ungefähr 725 Millionen Euro übernommenen Devisenhandelsplattform 360T, Carlo Kölzer, Anfang April dem „Handelsblatt“.

          Der Konzern hatte zudem erst am Dienstagabend angekündigt, das Index-Geschäft mit der Übernahme des Anbieters Axioma stärken zu wollen und hat sich dafür unter anderem den Finanzinvestor General Atlantic ins Boot geholt. Axioma als Anbieter von Portfolio- und Risikomanagementlösungen soll zunächst mit dem eigenen Indexgeschäft zusammengeführt werden. Im Zuge dessen solle General Atlantic 715 Millionen amerikanische Dollar in das neue Unternehmen investieren und dafür mit ungefähr 19 Prozent beteiligt werden. Leiten soll das fusionierte Unternehmen der bisherige Axioma-Chef Sebastian Ceria. Das Indexgeschäft der Deutschen Börse wird bei der Transaktion mit 2,6 Milliarden Euro bewertet und Axioma mit 850 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 756 Millionen Euro.

          Da der Kaufpreis für Axioma durch Investments von General Atlantic finanziert werde, fließt den Angaben zufolge seitens der Deutschen Börse kein Geld. Damit liegt die Summe, die der Konzern für Übernahmen in der Kasse hat, weiter bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Aber auch eine Kapitalerhöhung hält Weimer durchaus für möglich, da die Investoren das Thema Zukäufe unterstützten.

          Aktienkurs steigt

          Er hatte erst bei der Bilanz-Pressekonferenz im Februar gesagt, dass Übernahmen ein wichtiger Baustein seiner Strategie sind – dabei stellte er nach den eher kleineren Zukäufen der Devisenhandelsplattform GTX und der Fondshandelsplattform Swisscanto im vergangenen Jahr auch wieder mittelgroße Ziele in Aussicht.

          Dabei hat er allerdings keinen direkten Konkurrenten im Blick. Weimer geht davon aus, dass die Zeit der Konsolidierung der Börsenbetreiber erst einmal vorbei ist, beziehungsweise sich solche Übernahmen für die Deutsche Börse nicht auszahlen. Deshalb hält er sich auch um den Kampf um die Osloer Börse, um die derzeit die beiden Konkurrenten Euronext und Nasdaq buhlen, heraus. Das Unternehmen ist seiner Ansicht nach zu stark auf den Kassahandel ausgerichtet. Er rechnet vielmehr damit, dass sich künftig Plattformen für einzelne Anlageklassen zusammenschließen – vor allem den Devisenhandel findet er hier interessant, da dort noch sehr viel unreglementiert laufe.

          Die Strategie des früheren HVB-Chefs, neben dem Sparkurs in einigen Bereichen des Konzerns auf Wachstum in anderen zu setzen, kommt am Kapitalmarkt bisher gut an. Der Börsenwert des Unternehmens stieg seit seinem Amtsantritt Anfang 2018 gegen den schwachen Trend an den Märkten um fast ein Fünftel auf fast 22 Milliarden Euro. Geholfen hat ihm dabei allerdings auch der rege Handel an den Finanzmärkten – aber das war es nicht alleine. Die Investoren honorierten auch, dass er nach den Turbulenzen um die abermals fehlgeschlagene Übernahme der Londoner Börse, den Insidervorwürfen gegen seinen Vorgänger Carsten Kengeter und dem darauf folgenden Chefwechsel wieder das operative Geschäft in den Fokus rückte.

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