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Nach Brexit-Votum : Börsen-Fusion wird schwieriger

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Joachim Faber, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse will an den Fusionsplänen mit London festhalten. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Deutsche Börse will mit der London Stock Exchange fusionieren. Und was denkt sie darüber nach dem Brexit-Votum? Jetzt erst recht! Aber wirklich auch mit Sitz in London?

          Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE)  müssen sich wegen der Brexit-Entscheidung Sorgen um ihren geplanten Zusammenschluss machen. Das Ansinnen, das fusionierte Unternehmen in London anzusiedeln, wird von der hessischen Börsenaufsicht nun noch kritischer gesehen, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagten. "Der Unmut steigt", sagte einer der Insider. "Die Überlegungen, dass der Sitz in London ein Problem ist, verdichten sich." Nach einem Brexit spreche noch mehr gegen einen Konzernsitz in der britischen Hauptstadt. Wie die Entscheidung der hessischen Börsenaufsicht, die den Zusammenschluss untersagen kann, am Ende ausfalle, könne Stand heute aber noch nicht vorhergesagt werden.

          "Einen Sitz in London kann es für das gemeinschaftliche Unternehmen nach dem Brexit nicht mehr geben", sagt Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs. "Die Deutsche Börse sollte ihre Planungen dementsprechend ändern", forderte er. "Die Bundesregierung fordere ich auf, sich dafür einzusetzen, dass der Sitz nicht mehr in Großbritannien sein wird. 'Out is out' - das muss nun auch deutlich werden."

          Die Börsenbetreiber selbst sind unbeeindruckt

          Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) selbst wollen ihren Zusammenschluss trotz des geplanten Austritts Großbritannien aus der EU durchziehen. Wegen des Brexit sei eine Verbindung zwischen Frankfurt und London sogar noch wichtiger, sagte Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber am Freitag.

          Die Börsenbetreiber wollen ein Gemeinschaftsunternehmen mit rechtlichem Sitz in London schmieden. Das operative Geschäft soll wie bisher von den beiden Zentralen in Eschborn bei Frankfurt sowie London gesteuert werden.

          „Wir sind davon überzeugt, dass der beabsichtigte Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange durch das Abstimmungsergebnis eine noch höhere Bedeutung für unsere Kunden bekommen hat und sowohl für unsere Aktionäre als auch weitere Stakeholder Vorteile bringen wird.“

          Die Aktionäre der LSE sollen am 4. Juli auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht für die Börsenfusion geben. Die Deutsche-Börse-Aktionäre haben Zeit bis zum 12. Juli, um das Fusionsangebot anzunehmen. Deutsche Börse und LSE haben ein Referendums-Komitee installiert, das nun über die Konsquenzen des Brexit für die Fusion beraten wird. Auch die Entscheidung für London als „alleinigem Sitz“ der fusionierten Börse solle dabei noch einmal überprüft werden, hatte Faber im Vorfeld des Referendums angekündigt.

          Am Finanzplatz Frankfurt gab es schon zuvor erhebliche Kritik daran, dass die Holding der neuen europäischen Superbörse in der britischen Hauptstadt angesiedelt werden soll. Auch die hessische Börsenaufsicht, die der Fusion neben etlichen anderen Aufsichtsbehörden noch zustimmen muss, hatte Zweifel geäußert, ob der Sitz in London genehmigungsfähig ist. Die Entscheidung für den Brexit dürfte die Kritiker eher noch bestärken.

          Aus Sicht von Analysten steigt durch den Brexit die Gefahr, dass die Aufsichtsbehörden die Fusion verbieten. Die Kurse von Deutscher Börse und LSE fielen tief.

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