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Deutsche-Börse-Chef Francioni : „Die Fusion stärkt den Finanzplatz Frankfurt“

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Der künftige Chef des weltgrößten Börsenkonzerns: Reto Francioni Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Bis Jahresende will die Deutsche Börse Teil des weltgrößten Börsenkonzerns werden. Die Basis für globalen Erfolg sieht dessen Chef Reto Francioni in lokaler Stärke - in Frankfurt.

          Herr Francioni, die Aktionäre von Nyse Euronext und Deutscher Börse haben der Fusion zugestimmt. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dem neuen Konzern einen Namen zu geben?

          Wir haben von unseren Mitarbeitern mehr als 1400 Vorschläge bekommen und davon inzwischen einige wenige in die engere Wahl genommen. Diese Liste ist gut verschlossen und die Vorschläge werden derzeit umfassend juristisch geprüft.

          Was ist Ihr Favorit?

          Gute Frage, keine Antwort.

          Sie werden Chairman der neuen Gesellschaft. Beschreiben Sie Ihre Aufgaben.

          Zunächst einmal habe ich eine Kontrollfunktion. In unserem konkreten Fall kommen für mich aber erhebliche weitere Aufgaben hinzu. So fällt die Gesamtstrategie für die Gruppe in meinen Aufgabenbereich. Daneben werde ich den Konzern weltweit gegenüber Geschäftspartnern, der Politik und den Aufsichtsbehörden repräsentieren. Ein Full-Time-Job.

          Von wo aus werden Sie den machen?

          Der Chairman hat seinen Hauptsitz in Frankfurt, obwohl die Holding ihren Sitz in Amsterdam hat. Die Sitzungen werden wir den Statuten entsprechend in Amsterdam, Frankfurt und New York halten.

          Den Vorstandsvorsitz des neuen Konzerns soll der New Yorker Börsenchef Duncan Niederauer übernehmen. Sind Sie dann sein Chef?

          Wir haben klare Aufgaben, die sich ergänzen. Die Frage, wer wessen Chef ist, halte ich für irrelevant. Ich habe die Aufgabe, ihn zu kontrollieren, im operativen Geschäft sind wir aber eher Partner. Wir wollen beide das gleiche erreichen.

          Die Deutsche Börse ist der wesentlich wertvollere Konzern. Hätten Sie nicht den Anspruch auf den Vorstandsvorsitz erheben können?

          Ich glaube, diese Frage entsteht eher aus einem tradierten Denken in der deutschen Unternehmensführung. Wichtig ist die Balance des gesamten Teams. Die ganze Struktur ist so ausbalanciert, dass es ohne den anderen nicht geht. Kooperation und Partnerschaft ist das, was uns erfolgreich machen wird und was wir auch unseren Leuten vorleben wollen.

          Am Finanzplatz Frankfurt gibt es die Sorge, dass der Standort in einem von amerikanischen Aktionären beherrschten und von einem Amerikaner aus New York heraus gelenkten Konzern langfristig auf der Strecke bleibt.

          Diese Befürchtungen sind unbegründet. Frankfurt als Finanzplatz gewinnt globale Bedeutung. Unsere wichtigsten Kunden sind längst global organisiert, deswegen müssen wir auch global werden. Dieser Schritt ist unumgänglich und nun ist eine sehr gute Gelegenheit dazu. Kern unserer Strategie ist es jedoch, lokal stark zu sein. Wir brauchen die lokalen Märkte. Kundennähe und Marktnähe sind im Börsengeschäft unverzichtbar. Frankfurt ist neben New York der andere Hauptsitz des Konzerns. Das stärkt den Finanzplatz Frankfurt ganz zweifellos.

          Gibt es eine Standortgarantie oder eine Mindestzahl an Arbeitsplätzen, die erhalten bleiben soll?

          Nein, gibt es nicht, aber das braucht es auch gar nicht. Die große Masse des Geschäfts wird aus Frankfurt heraus geleitet: Terminhandel, Abwicklung, Verwahrung und das Geschäft mit Marktdaten und Indizes. Der vereinte Konzern wird erwartungsgemäß rund 70 Prozent seines Umsatzes in Europa erzielen.

          Wer sitzt im Aufsichtsgremium?

          Namentlich steht das noch nicht fest, die Deutsche Börse stellt jedoch wie in allen Gremien 60 Prozent, die Nyse Euronext 40 Prozent.

          Festgeschrieben bis 2015.

          In vier Jahren, also Ende 2015, ist diese Unterscheidung vermutlich nicht mehr relevant, dann sind wir eine Gesellschaft, die es geschafft hat, global zu werden und Frankfurt wird eine zentrale Stelle unter den weltweit bedeutenden Finanzplätzen einnehmen. Das ist wichtig.

          Der Betriebsrat in Frankfurt ist gegen die Fusion. Ist so ein Projekt ohne die Mitarbeiter überhaupt zu stemmen?

          Wir haben Verständnis für den Betriebsrat, der seine Rolle wahrnehmen muss. Aber auch ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihre Aktien getauscht. Ich habe am Montag die Beschäftigten über den Stand der Dinge informiert. Sie haben applaudiert. Die Leute, die bei uns arbeiten, sind sehr international ausgerichtet und sie sind gut. Und gute Leute haben durch diese Fusion eine besondere Chance, ihre Karriere noch internationaler zu gestalten. Für die Mitarbeiter verbessern sich die Perspektiven mittelfristig ganz klar.

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