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Deutsche-Börse-Chef Francioni : „Die Fusion stärkt den Finanzplatz Frankfurt“

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Sie wollen durch die Fusion 400 Millionen Euro im Jahr sparen. Wo wird das passieren?

Primär bei den Sachkosten wie in der Handelsabwicklung und der IT, aber selbstverständlich in begrenztem Umfang auch bei den Personalkosten.

Wie viele Handelssysteme wird es in einem Jahr noch geben?

Mittelfristig wollen wir nur noch eine Handelsinfrastruktur haben, welche den Kern aller Handelssysteme des Konzerns bildet. Die neuen Systeme sind schon heute so modular, dass wir die besten Module aus allen Systemen nehmen und zu einer neuen Handelsinfrastruktur zusammenfügen können.

Das hiesige Xetra-System wird es also künftig nicht mehr geben.

Der Kassamarkt wird selbstverständlich in das neue System integriert und dort fortgeführt. Für unsere Kunden wird dies viele Vorteile mit sich bringen, zum Beispiel bei den Anbindungskosten.

Börsen sind ein internationales Geschäft, aber trotzdem nationale Symbole. Wo bleibt die deutsche Identität in dem neuen Konzern?

Erstens einmal im Handelssaal in Frankfurt. Das ist eine Identität der besonderen Art, die haben nur noch die Amerikaner in New York und sonst niemand mehr. Und zweitens werden natürlich die Frankfurter Wertpapierbörse wie auch die Terminbörse Eurex in unveränderter Form weitergeführt werden.

Am Aktienmarkt hat die Fusionsabsicht bislang keine Phantasie ausgelöst. Worin besteht der langfristige Mehrwert für die Aktionäre?

Der Kurs hat aus meiner Sicht in der Tat den möglichen Wert der Fusion noch nicht voll reflektiert. Sobald wir endgültige Gewissheit haben, sollte dies am Markt zu weiteren Reaktionen führen. Dass die Aktionäre einen Mehrwert in der Fusion sehen, dokumentiert die Zustimmungsquote unserer Aktionäre von 82,4 Prozent. Die Fusion ist im Übrigen nicht in erster Linie zum Kostensparen da, sondern bietet vor allem ein Riesenpotential für steigende Umsätze.

Industriekonzerne profitieren seit Jahren von starkem Wachstum in Schwellenländern wie China. Bei den Börsen ist das nicht so. Wie wollen Sie das ändern?

Im Börsengeschäft müssen wir warten, bis sich ein Sekundärmarkt entwickelt hat. Dazu braucht es Banken, Abwicklungsorganisationen, Produkte und börsennotierte Unternehmen in einer bestimmten Größe. Dann sind Partnerschaften möglich, in die wir unser Know-How und unsere Technologie einbringen können und in die Dritte ihr Marktpotenzial einbringen.

Also eher keine Übernahmen?

Die Zeiten sind vorbei, wo man herumreist und sagt, wir erobern diesen oder jenen Markt. Wenn aber jemand kooperieren will, dann kann man darüber sprechen. Gegen den Willen eines Marktes kann aber kein Markt übernommen werden, davon bin ich fest überzeugt.

Welche Länder sind speziell im Fokus?

Speziell keine Antwort, generell ist es klar, wenn wir jetzt Amerika abdecken und auch Europa sehr verstärkt abdecken, dass wir dann als nächstes Asien bearbeiten müssen.

Die Fusion mit der Nyse Euronext steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung zahlreicher Behörden. Wo verläuft für Sie die rote Linie zum Beispiel bei Auflagen der europäischen Wettbewerbsbehörden, ab der sich die Fusion nicht mehr lohnen würde?

Das ist eine Spekulation, auf die möchte ich seriöserweise nicht antworten.

Besteht nicht die Gefahr, dass das erfolgreiche integrierte Modell der Deutschen Börse durch Auflagen Schaden nimmt?

Wir sind zuversichtlich, dass unser Anliegen fair bewertet werden wird. In Brüssel weiß man sehr genau, dass andere große Wettbewerber ähnlich aufgestellt sind und von einseitigen Entscheidungen ebenso einseitig profitieren würden.

Die Integrationskosten von 600 bis 800 Millionen Euro fallen vor allem 2012 an. Wird es dann eine gekürzte Dividende für die Aktionäre geben müssen?

Das sehe ich überhaupt nicht so. Die Ausschüttungen sollen sich an den bisherigen Spannen orientieren.

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