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Deutsche Bank will verkaufen : Pokern um die BHF-Bank

  • -Aktualisiert am

Mausgrau in Frankfurt: Zentrale der BHF-Bank Bild: Michael Jung/FAZ

Die LGT Group aus Liechtenstein bietet für die BHF-Bank in Frankfurt. Vor allem das Geschäft mit vermögenden Privatkunden weckt ihr Interesse. Das Kaufangebot ist Teil einer „Weißgeld-Strategie“, die nicht mehr auf das Geld von Steuerflüchtlingen vertraut. 2008 war die LGT in der „Zumwinkel-Affäre“ in die Schlagzeilen geraten.

          Niemand weiß, an wen die Deutsche Bank die traditionsreiche BHF-Bank verkaufen wird. Bekannt ist nur, dass noch vor dem Jahresende Klarheit herrschen soll. Klar ist ein weiterer Punkt: Während andere Interessenten abgesprungen sind, hat die LGT Group aus Liechtenstein eine Offerte abgegeben. Am Bankenplatz Zürich wird sogar kolportiert, sie sei der einzig verbliebene Bieter.

          Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade diese Bank, die sich im Besitz des Fürstenhauses befindet und die 2008 in der „Zumwinkel-Affäre“ um die Steuerhinterziehung des ehemaligen Post-Chefs und anderer Steuersünder unter großen Druck geriet, sich so für Deutschland interessiert. Aber der Vorstandsvorsitzende Prinz Max verfolgt heute wie andere Banker in Liechtenstein und der Schweiz eine „Weißgeld-Strategie“, die nicht mehr auf das Geld von Steuerflüchtlingen vertraut. Hierzu gehört der Ausbau des Geschäfts vor Ort, das sogenannte Onshore-Banking.

          Die Expansion in das reiche Deutschland steht dabei für die LGT ganz oben auf der Wunschliste. Schon im März hatte Prinz Max gegenüber der F.A.Z. gesagt: „Mittelfristig sind für uns Akquisitionen in den deutschsprachigen Ländern sowie in der institutionellen Vermögensverwaltung weltweit interessant.“

          LGT will BHF kaufen: „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie”

          Da passt die BHF-Bank gut – wenn auch nicht ideal. Sie wird in Liechtenstein als „kleine Universalbank“ eingestuft, und genau daran ist Prinz Max nicht interessiert. Nicht von Interesse sind zum Beispiel der Eigenhandel mit Wertpapieren und große Teile der Mittelstandsfinanzierung. „Die Stärken nutzen“, lautet die Parole in Vaduz, sprich in erster Linie die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden. Für den großen Rest müsste die Deutsche Bank eine andere Lösung finden.

          Restrukturierung könnte Deutsche Bank teuer kommen

          Es wird hoch gepokert. Auch beim Kaufpreis will die LGT Group offenbar nicht über den auf rund 650 Millionen Euro veranschlagten Buchwert für die ehemalige Frankfurter Nobelbank hinausgehen. Die Aufgliederung ist dabei interessant. Gemäß der eingereichten Offerte ist die LGT, die Ende 2009 über Eigenmittel von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro verfügte, offenbar zu einer Barzahlung von bis zu 400 Millionen Euro bereit. Ob es dabei bleibt, wenn wirklich die LGT als nur noch einzig ernsthafter Bieter auftritt, steht in den Sternen.

          Hinzu kommen ein Teil der auf 490 Millionen Euro bezifferten Eigenmittel der BHF (sie selbst nennt gut 650 Millionen für den Konzern), welche die Deutsche Bank zu sich nehmen darf, sowie Restrukturierungskosten, die der Deutschen Bank in Rechnung gestellt würden. Die sind nicht ohne: Eingeweihte sagen, es handele sich um einen „dreistelligen Millionenbetrag“. Dabei hat die BHF-Bank 2009 nach eigenen Angaben schon 47 Millionen Euro für Umstrukturierungen ausgegeben. Das Stichwort Restrukturierung verweist jetzt nicht zuletzt auf eine neue IT-Plattform. „Die haben zu wenig investiert in den vergangenen Jahren“, glaubt man hierzu in Vaduz.

          LGT eventuell bald mit Sitz in Frankfurt

          Es kommt der LGT zupass, dass sie in Asien und in ihren sieben Deutschland-Filialen Anfang des Jahres die neue Avaloq-Software eingeführt hat. So gesehen, könnte aus dem Restrukturierungsvorgang ein Synergievorteil werden. Hinzu treten wohl weitere Maßnahmen. Sie würden sich auf die BHF-Bank, die LGT in Deutschland und den BHF-Ableger in der Schweiz erstrecken. Die BHF zählt rund 1500 Mitarbeiter, die LGT in diesem Onshore-Markt etwa 200 Leute. Kommt sie zum Zuge, wäre es logisch, dass sie künftig nur noch unter dem Dach der etablierten Frankfurter Adresse tätig ist.

          Auch das Management der BHF-Bank soll an Bord gehalten werden. Abzuwarten bleibt, wie schnell die LGT im Erfolgsfall in Deutschland schwarze Zahlen schreiben könnte. Bisher erwirtschaftet sie ebenso wie die Schweizer Banken in diesem Markt nur Verlust. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ nannte dieser Tage für 2009 einen Betrag von 17,2 Millionen Euro.

          Neue Dimensionen

          Deutschland war für die LGT Group im vergangenen Jahr schon einmal ein Thema. Dabei ging es um die Integration der zugekauften schweizerischen Aktivitäten der Dresdner Bank. Neben Rückstellungen in einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag mussten die Liechtensteiner rund 1,5 Milliarden Franken Geldabfluss hinnehmen. Dabei dürfte es sich allerdings in erster Linie um das nicht mehr erwünschte Schwarzgeld handeln. Beim Vollzug des Kaufs hatte die Dresdner Bank (Schweiz) AG noch 8,2 Milliarden Franken (6,1 Milliarden Euro) Kundengelder in ihrem Bestand. Jetzt sind die Dimensionen völlig andere.

          Die LGT Group verwaltet rund 66 Milliarden Euro Kundengelder, in der BHF-Bank waren es zuletzt gut 43 Milliarden. Als Folge der Umstrukturierungsaufwendungen schrieb sie 2009 unter dem Strich nur noch eine „schwarze Null“. Auch für die LGT Group war 2009 kein Jubeljahr. Die Kunden zogen netto 3,7 Milliarden Franken ab, der Konzerngewinn stürzte um rund ein Drittel auf 106 Millionen Franken ab. Inzwischen scheint sie sich stabilisiert zu haben und erwartet für dieses Jahr wieder einen Nettozufluss. Auch der Konzerngewinn zeigte bis zur Jahresmitte wieder ein Plus von sechs Prozent auf 100 Millionen Franken. Das zähe Tauziehen um die BHF-Bank dürfte dies allerdings nicht wesentlich erleichtern.

          In der Führungsrolle

          Der Verkauf der BHF-Bank wird für die Deutsche Bank wohl kaum eine Erfolgsgeschichte. Seit Ende vergangener Woche sortiert Deutschlands größte Bank die Gebote für das Institut, das eine Mitgift aus der Übernahme der ins Straucheln geratenen Privatbank Sal. Oppenheim ist. Im Umfeld der BHF-Bank-Interessenten wird der Liechtensteiner Fürstenbank LGT eindeutig die Führungsrolle zugewiesen. Eine Entscheidung über Exklusivverhandlungen dürfte die Deutsche Bank frühestens in der kommenden Woche fällen.

          Als weiterer möglicher Bieter gilt auch der Finanzinvestor Apollo. An diesem ist das arabische Emirat Abu Dhabi beteiligt, zu dem die BHF-Bank traditionell gute Geschäftsbeziehungen unterhält. In einer Beobachterposition wird weiterhin der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gesehen. Dieser wollte ursprünglich zusammen mit dem zum Familienkonzern Oetker gehörenden Bankhaus Lampe die Übernahme schultern. Aber die Privatbank hat sich wieder zurückgezogen, nachdem klargeworden war, dass angesichts der Größenverhältnisse das Management der BHF-Bank in einem aus beiden Häusern entstehenden Institut das Sagen haben dürfte.

          KKR könnte dann wieder zum Zuge kommen, sollten die Verhandlungen zwischen Deutscher Bank und LGT ergebnislos bleiben. Die Deutsche Bank wird alles daran setzen, einen Verkaufspreis nahe des Buchwerts der BHF-Bank von 650 Millionen Euro zu realisieren. Allerdings werten diesen Preis einige der BHF-Bank-Interessenten als sehr hoch. Zwar ist das Institut im vergangenen Jahr profitabel gewesen, doch nimmt der Eigenhandel noch immer ein vergleichsweise hohes Gewicht ein. Die BHF-Bank erzielt ein Viertel ihrer Erträge aus Geschäften, die keinen Kundenbezug haben. In früheren Jahren hat der Eigenhandel sogar noch ein höheres Gewicht gehabt. (maf.)

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