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Kurswechsel : Deutsche Bank will schon 2020 wieder Gewinn machen

Die Zentrale in Frankfurt Bild: Bäuml, Lucas

Christian Sewing plant, die Deutsche Bank zurück zu ihren Wurzeln zu führen. Das Unterfangen kostet viele Arbeitsplätze und auch eine Menge Geld. Doch schon jetzt verkündet das Geldhaus auf Nachfrage von Journalisten überraschend konkrete und ehrgeizige Ziele.

          Die Einsicht ist da: „Uns ist der innere Kompass verloren gegangen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing am Montag, als er die Pläne für die Neuausrichtung der Deutschen Bank näher erläuterte. In der Vergangenheit habe die Deutsche Bank bei zu vielen Geschäften mitgemacht, nur taktisch Erträge mitgenommen, nicht strategisch. Das werde jetzt anders. Man werde sich aus dem defizitären globalen Aktienhandelsgeschäft zurück ziehen und die Deutsche Bank „zurück zu ihren Wurzeln“ führen, „wofür sie gegründet wurde“, sagte Sewing.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für ihn heißt das: Eine eigene Sparte für „Unternehmen“ schaffen. Diese Neuausrichtung kostet, wie am Sonntag mitgeteilt wurde, 7,4 Milliarden Euro bis 2022. Der Großteil dieses Restrukturierungsaufwandes soll in diesem Jahr anfallen und wird einen tiefen Verlust in die Bilanz reißen. Wann wird die Deutsche Bank wieder Gewinn machen?, fragten daher Journalisten am Montag. Die Antwort fiel überraschend konkret aus. „2020 planen wir, bei Plus-Minus-Null oder besser herauszukommen“, antwortete Finanzvorstand James von Moltke.

          Im Jahr 2022 will die Deutsche Bank dann nach der Sanierung mindestens 6 Milliarden Euro verdienen. Die Aktionäre müssen zwei Jahre auf Dividenden verzichten, sollen dann aber von 2022 an mit Aktienrückkäufen und Dividenden für ihre Geduld belohnt werden. 5 Milliarden Euro an Kapital glaubt der Vorstand dann auskehren zu können.

          London, New York und Tokio besonders betroffen

          Die Deutsche Bank richtet sich neu aus, um eine scheinbare Quadratur des Kreises zu schaffen: Bis 2022 sollen die Erträge um 2 Milliarden Euro steigen, die Kosten dagegen um 6 Milliarden Euro sinken. Doch die Entscheidung, auf dem Papier radikale Schnitte in der Belegschaft und in der Verlagerung von Wertpapieren zum Nicht-Kerngeschäft zu machen, ist das eine. „Entscheidend ist die Umsetzung“, sagt nicht nur Anke Reingen, Aktienanalystin der Royal Bank of Canada und rechnet nur kurzfristig mit Rückenwind für die Aktien. Diese Prognose trat schon am Montag punktgenau ein. Die Aktie der Deutschen Bank begann den Handel mit einem Kurssprung von 6 Prozent, drehte aber dann ins Minus und verlor bis Mittag rund 2 Prozent.

          Wo die am Sonntag angekündigten 18.000 Arbeitsplätze, jede fünfte Stelle in der Deutschen Bank, abgebaut werden, wollte Sewing am Montag zunächst nicht aufschlüsseln. Der Bankchef will, dass erst mit den betroffenen Mitarbeitern gesprochen wird. Damit habe man in der Region Asien-Pazifik, wo die Deutsche Bank rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, schon begonnen. Die Deutsche Bank wird sich aus dem globalen Aktiengeschäft weitgehend zurückziehen. Die Standorte London, New York und Tokio dürften daher besonders betroffen sein. Aber: 30 Prozent der Erträge sollen auch künftig aus dem Kapitalmarktgeschäft (Investmentbanking) kommen. Und: „Die Vereinigten Staaten bleiben ein wichtiger Markt“, betonte Sewing. 5 Milliarden Euro Ertrag, also gut 20 Prozent der gesamten Erlöse, soll er auch künftig abwerfen. „Damit werden die Vereinigten Staaten nach unserem deutschen Heimatmarkt der zweitwichtigste Markt für die Deutsche Bank bleiben“, sagte Sewing.

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