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Vor der Hauptversammlung : Deutsche Bank will rund 10.000 Stellen streichen

Die Deutsche Bank stellt sich unter Christian Sewing neu auf. Bild: AFP

Lange befürchtet, jetzt macht der neue Chef Christian Sewing ernst mit dem Personalabbau. Das sind die Hintergründe.

          Die Deutsche Bank will durch einen umfassenden Stellenabbau ihre Kosten senken. Bis zu 10.000 Stellen sollen nach Informationen aus Finanzkreisen wegfallen. Damit müsste mehr als jeder zehnte der 97.000 Mitarbeiter die Bank verlassen, voraussichtlich schon im Laufe der nächsten zwölf Monate. Dieser Abbau soll zusätzlich zu der schon bekannten Verringerung der Mitarbeiterzahl im Zuge der Postbank-Integration erfolgen, wodurch in den nächsten drei Jahren dem Vernehmen nach weitere 6000 Stellen wegfallen sollen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwochabend, also unmittelbar vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag, soll der Aufsichtsrat über die Details der Sparvorschläge des neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing beraten. Nach Informationen der F.A.Z. aus dem Umfeld des Aufsichtsrats soll vor allem das Investmentbanking gestutzt werden, so dass der Großteil des Stellenabbaus vor allem die Standorte London und New York betreffen dürfte. Die Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Sewing hatte Ende April angekündigt, dass die Bank sich unter anderem aus dem Zinsgeschäft in den Vereinigten Staaten zurückziehen werde und das globale Aktiengeschäft überprüfen wolle. In Deutschland könnten in dem Zusammenhang viele Verwaltungs- und Infrastrukturaufgaben wegfallen, was ebenfalls eine nennenswerte Zahl von Mitarbeitern treffen könnte. Details dazu waren am Mittwoch noch nicht bekannt.

          DT. BANK

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          Über den Umfang des Stellenabbaus wurde in den vergangenen Wochen intern heftig diskutiert. Vor allem darüber, wie weit man das Investmentbanking in London verkleinern solle, gab es nach Informationen der F.A.Z. hitzige Debatten in der Führungsriege. Auch in der Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend steht demnach vor allem dieser Punkt zur Debatte.

          Jan Duscheck, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, wollte sich zu den konkreten Zahlen nicht äußern. Er betonte gegenüber dieser Zeitung aber: „Alle Zahlen, die derzeit diskutiert werden, sind unplausibel. Sie sind erst einmal Gegenstand der Verhandlungen mit den Betriebsräten, die erst im Sommer laufen.“

          Dass der neue Vorstandsvorsitzende Sewing auf der Hauptversammlung weitere Details zu der Ende April angekündigten Verkleinerung des amerikanischen Investmentbanking nennen muss, ist klar. Bislang hatte dieser Strategieschwenk zumindest an den Aktienmärkten noch keinen Aufschwung bewirkt. Seit dem Jahresbeginn hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren. Auch die ersten Meldungen über den geplanten Stellenabbau am Mittwoch reichten nur dafür, den bis dahin eingefahrenen Tagesverlust etwas zu verringern. Am Nachmittag stand die Aktie auf 10,90 Euro.

          Sewing hatte Ende April angekündigt: „Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern. Es gibt keine Zeit zu verlieren.“ Die Ergebnisse der ersten drei Monate erforderten sofortiges Handeln. Allerdings hatte er zunächst an dem wenig ambitionierten Kostenziel seines Vorgängers John Cryan von maximal 23 Milliarden Euro für dieses Jahr festgehalten. Analysten halten das für deutlich zu wenig angesichts der wegbrechenden Erträge.

          Die Deutsche Bank ist eine der wenigen internationalen Großbanken, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 ihr Personal weiter aufgebaut hat, statt es zu verkleinern. Unter anderem durch die Übernahme der Postbank beschäftigt sie heute gut ein Viertel mehr Mitarbeiter als vor zehn Jahren, währen Wettbewerber wie Barclays, Citigroup und Unicredit ihre Belegschaften teils um deutlich mehr als 40 Prozent verringert haben. Vor allem die hohen Gehälter der Investmentbanker in New York, London und Asien führen Jahr für Jahr zu hohen Kosten für die Bank. Für Aufregung hatte die Entscheidung Anfang des Jahres gesorgt, den Mitarbeitern wieder 2,2 Milliarden Dollar an Boni auszuzahlen, obwohl die Bank im vergangenen Jahr abermals einen Verlust vermelden musste. Die Erträge der Investmentbanker im ersten Quartal waren gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gesunken.

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