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F.A.Z. Exklusiv : Deutsche Bank will Postbankfilialen nutzen

  • -Aktualisiert am

Logos von Deutscher Bank und Postbank Bild: dpa

Die Deutsche Bank verschärft ihr Sparziel für das Privatkundengeschäft. Dafür gibt sie einige alte Tabus auf. Die Kunden sollen zu Anlegern werden.

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          Um Kosten zu sparen, will die Deutsche Bank eigene Filialen mit denen der Postbank zusammenlegen. Der Konzern will seine Privatkunden zwar weiter unter den zwei unterschiedlichen Marken bedienen. Wo es möglich und sinnvoll ist, sollten aber die „blaue“ und die „gelbe“ Filialwelt unter ein Dach ziehen, wie die F.A.Z. aus Finanzkreisen erfuhr. Kunden der Deutschen Bank sollen zudem auch Dienste wie Überweisungen an den Schaltern der Postbank erledigen können. Bislang hatte die Bank streng darauf geachtet, dass die beiden Marken nicht zu sehr aneinander rücken, da die „blaue“ Bank sich an eine gehobenere Klientel richten soll als die frühere Staatsbank.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alles in allem soll das Privatkundengeschäft der Bank bis zum Jahr 2022 eine Milliarde Euro an Kosten einsparen, wie die Bank am Dienstag im Zuge ihres Investorentags in Frankfurt bekanntgab. Das ursprüngliche Sparziel von 600 Millionen Euro wurde damit noch einmal deutlich verschärft. Wie viele Stellen den Filialzusammenschlüssen zum Opfer fallen werden und wie viele Standorte betroffen sind, war am Dienstag nicht zu erfahren. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wurden dazu gerade erst aufgenommen. In der Bank geht man aber davon aus, dass das vom Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing ausgerufene Ziel eines Stellenabbaus von 18.000 Stellen dafür nicht ausgeweitet werden wird.

          IT wird in zwei Schritten vereint

          Die weitere Integration der Tochtergesellschaft Postbank mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank soll einen großen Teil der Synergien ermöglichen. So soll allein die Zusammenlegung der IT-Systeme ab dem Jahr 2022 Kosteneinsparungen von 400 Millionen Euro ermöglichen. Einfach wird das allerdings nicht: Nach Informationen der F.A.Z. muss dafür zunächst das Computersystem der Postbank auf jenes der Deutschen Bank übertragen werden. Parallel dazu soll ein ganz neues IT-System entwickelt werden, auf das dann das zusammengeführte System übertragen werden soll.

          Bislang agierte das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank aus einer eigenständigen Tochtergesellschaft heraus. Sie soll nun komplett mit dem Rest des Konzerns verschmolzen werden, so dass doppelte Tätigkeiten verringert werden können, was ebenfalls große Kostenersparnisse ermöglichen soll. Die frühere Postbank-Zentrale soll auch weiterhin ein wichtiger Standort bleiben, anders als bisher ist bankintern inzwischen aber nicht mehr von „zwei Zentralen“ für das Privatkundengeschäft die Rede.

          Keine Negativzinsen für alle

          Nicht nur bei den Kosten, auch auf der Ertragsseite sollen die Privatkunden zur Genesung der in der Dauerkrise steckenden Bank helfen. So sollen die Bankberater sowohl den Kunden der Deutschen Bank als auch jenen der Postbank stärker zur Geldanlage etwa am Aktienmarkt raten, was für die Bank den Vorteil hat, dass sie Provisionen verdient und nicht mehr so sehr vom niedrigen Zinsniveau abhängt. Insgesamt will die Bank ihre Kunden davon überzeugen, 10 Milliarden Euro, die bislang weitgehend unverzinst auf Sparbüchern und anderen Konten liegen, in Anlageklassen umzuschichten, bei denen Provisionen gezahlt werden. Vor allem die Produkte der hauseigenen Investmentgesellschaft DWS sollen dabei gefördert werden. Das Volumen ausgegebener Kredite will die Bank um 5 Prozent steigern.

          Negativzinsen für alle Privatkunden schließt die Bank bislang nach Informationen der F.A.Z. aus. Dies werden bis auf Weiteres nur vermögende Kunden und Firmenkunden betreffen. Wo möglich will das Institut allerdings stärker als bisher Gebühren erheben. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase geht die Bank allerdings davon aus, dass sie mit all diesen Maßnahmen bis zum Jahr 2022 gerade einmal eine Stabilisierung der Erträge erreichen wird – noch keine Steigerung.

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