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„Wo es klug und legal ist“ : Deutsche Bank will negative Zinsen an Kunden weitergeben

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Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt spiegelt sich in einer Glasfassade. Bild: dpa

Das Geldinstitut erwäge diesen Schritt über alle Geschäftsbereiche hinweg, sagt der Finanzvorstand. Hohe Kosten durch den Verkauf alter Geschäfte ziehen die Bank zudem im dritten Quartal tief ins Minus – die Aktie gibt deutlich nach.

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          Die Deutsche Bank prüft die Weitergabe der negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden. Das hat Finanzvorstand James von Moltke am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg TV erklärt. „Wir erwägen über alle unsere Geschäftsbereiche hinweg, negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben, wo es klug und vernünftig und auch legal ist”, sagte von Moltke. Die Bank befinde sich dazu in Kundengesprächen, „speziell in unserer Unternehmensbank, aber auch in der Privatbank – mit dem Konzept, dass es ab einem bestimmten Niveau angemessen ist, negative Zinsen weiterzugeben.”

          Während viele Banken schon Strafzinsen von Geschäftskunden verlangen, hielten sie sich bei Privatkunden lange zurück. Jüngst häuften sich die Anzeichen, dass die Institute ihre Selbstbeschränkung aufgeben. Inzwischen erheben mindestens 34 deutsche Kreditinstitute einen Strafzins auf private Einlagen, in vielen Fällen jedoch mit sehr hohen Freibeträgen von 500.000 Euro oder 1 Million Euro. Mit der Berliner Volksbank hatte diesen Monat das größte regionale genossenschaftliche Institut Deutschlands den Freibetrag allerdings auf nur 100.000 Euro für private Kunden festgesetzt. 

          Am Mittwoch gab die Deutsche Bank zudem ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal bekannt. Die Bank mache Fortschritte in ihrem Umbauprogramm, muss dadurch aber auch hohe Belastungen stemmen. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag 832 Millionen Euro nach Steuern. Die Aktie rutschte im frühen Handel um mehr als 5 Prozent ab. Im Quartal davor hatte die Bank einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro verzeichnet. Ein großer Teil der Kosten stammt aus dem Abbau von Geschäften und Derivaten, die die Bank nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählt. Hier muss das Institut hohe Verluste in Kauf nehmen. 

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing

          Im Vordergrund steht für die Bank aber, dass das in den Geschäften gebundene Kapital für andere Segmente genutzt werden kann. Ohne die Verluste aus dieser Abbaueinheit hätte die Bank nach eigenen Angaben einen Quartalsgewinn von 353 Millionen Euro erzielt – und das obwohl sie für die übrigen Restrukturierungsarbeiten noch einmal Sonderkosten von 315 Millionen Euro geltend macht.

          „Obwohl wir die umfassendste Restrukturierung unserer Bank seit zwei Jahrzehnten auf den Weg gebracht haben, haben wir im dritten Quartal in unseren vier Kerngeschäftsbereichen Gewinne erzielt“, sagte Sewing am Mittwoch zur Vorlage der Geschäftszahlen im Zeitraum zwischen Juli und Ende September. „Wir konnten das Kreditvolumen und das verwaltete Vermögen steigern. Die Transformation ist in vollem Gang, mit spürbaren Fortschritten auf der Kostenseite und beim Risikoabbau.“

          Die Erträge, also die gesamten Einnahmen der Bank, sind um 15 Prozent auf nun noch 5,3 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Bank erklärt den Rückgang vor allem mit dem Rückzug aus dem Aktienhandel, der Teil von Sewings im Sommer vorgelegten neuen Strategie ist. Auch in den als Kernbank bezeichneten übrigen Geschäftsfeldern sind die Erträge allerdings weiter gesunken, um 4 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro.

          DT. BANK

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          Anleger dürften vor allem beim Blick auf die Erträge im Anleihegeschäft ins Grübeln kommen. Hatten andere Großbanken hier ordentliche Umsatzsprünge für das Quartal vermeldet, so sanken die Erträge in diesem für die Deutsche Bank sehr wichtigen Geschäftsfeld um 13 Prozent. Dafür stiegen aber die Erträge im Emissions- und Beratungsgeschäft um 20 Prozent. Hier sei man über dem Markt gewachsen.

          Sewing sieht die Bank unter anderem bei den Kosten und dem Stellenabbau im Plan. Innerhalb eines Jahres hat das Institut 4750 Stellen abgebaut und beschäftigt nun erstmals seit der Übernahme der Postbank im Jahr 2010 etwas weniger als 90.000 Mitarbeiter. Bislang kann die Bank ihre Kernkapitalquote trotz der Umbauarbeiten stabil halten kann. Vorsichtshalber hatte sie sich von der Aufsicht schon das Placet geben lassen, die Quote, die Aufschluss über die Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten gibt, auf bis zu 12,5 Prozent absacken zu lassen. Bislang liegt das Institut mit 13,4 Prozent aber komfortabel darüber. Der Risikoabbau in der Abbaueinheit gleiche Verluste durch Belastungen des Umbaus aus, hieß es dazu von der Bank.

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