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Deutsche Bank : Wer wird Ackermanns Nachfolger?

Die Nachfolgersuche wird kein leichtes Unterfangen - deshalb will die Deutsche Bank früh damit beginnen Bild: Michael Hauri / F.A.Z.

Es wird ein Einschnitt, nicht nur für die Deutsche Bank: Josef Ackermann dreht seine letzten Runden. Im Mai 2010 tritt der 60 Jahre alte Vorstandsvorsitzende ab. Doch schon nach Neujahr beginnt die Deutsche Bank die Suche nach einem neuen Chef. Die Liste der Kandidaten ist nicht mehr lang.

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          Es wird ein Einschnitt, nicht nur für die Deutsche Bank: Josef Ackermann dreht seine letzten Runden. Im Mai 2010 tritt der 60 Jahre alte Vorstandsvorsitzende ab.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie in Fällen dieses Kalibers üblich, bewegt die Nachfolge schon jetzt die Gemüter, nicht nur in den Frankfurter Bankentürmen. Es ist ja nicht irgendwer, der da geht. Das Bild des Josef Ackermann hat sich über die Jahre verselbständigt. Kaum hatte er sich von der Buhmann-Rolle zum deutschen Patrioten gewandelt, brach die Finanzkrise über die Banken herein - und wieder musste der Schweizer als negatives Symbol herhalten, als Personifikation des maßlosen Managers, als der er jetzt an Weihnachten sogar von der Kanzel beschimpft wurde. Er erwarte, „dass niemals wieder ein Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank ein Renditeziel von 25 Prozent vorgibt“, erklärte Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche. 25 Prozent seien „eindeutig Gier“, entschied der Kirchenmann. Ackermanns Renditeziel sei deshalb eine „Form des Götzendienstes“, der an den „Tanz ums Goldene Kalb“ erinnere.

          Bisher glimpflich durch die Finanzkrise gekommen

          Ackermann selbst, so gekränkt er von der weihnachtlichen Attacke gewesen sein mag, hat darauf nicht direkt geantwortet, sondern ließ den Angriff von seinen Getreuen als „unangebracht“ zurückweisen: „Wir tanzen wahrlich nicht um das goldene Kalb. Die Spendenbereitschaft auch von Herrn Dr. Ackermann ist außergewöhnlich hoch“, ließen sie verlauten. Oft genug hat Ackermann seine 25-Prozent-Eigenkapitalrendite verteidigt: als nötig, um im Konzert der Weltbesten mitzuhalten. Als möglich, selbst ohne exzessive Risiken einzugehen. Dazu steht Ackermann bis heute, auch im Lichte der schweren Krise.

          Kandidat 1: Axel Wieandt. Gerade für die Sanierung der Hypo Real Estate abgestellt, genießt er in der Deutschen Bank hohes Ansehen

          Wie beschädigt oder gestärkt die Deutsche Bank daraus hervorgeht, das wird über das spätere Urteil über die Leistung Ackermanns entscheiden. Bisher ist Deutschlands größte Bank besser durch die Widrigkeiten gesteuert als die meisten Konkurrenten, auch wenn die Aktie in diesem Jahr vier Fünftel ihres Wertes verloren hat und das Geschäft in den vergangenen Wochen vermutlich schrecklich lief. Am Markt wurde über eine Milliarde Dollar Verlust im Eigenhandel spekuliert. Anfang Februar wird Ackermann die Zahlen für 2008 vorlegen. Und so mancher seiner vielen Feinde - anzutreffen selbst unter Deutschlands Managern - sähe es ganz gerne, wenn die globale Rezession die Deutsche Bank doch noch unter den staatlichen Schutzschirm zwänge. Das Gejohle würde wieder aufbrausen gegen jenen Mann, der die Regierung vergrätzt hatte mit seiner Bemerkung, „es wäre eine Schande“, auf das Geld des Steuerzahlers angewiesen zu sein - ein weiterer Tiefpunkt in der Beziehung des Schweizers zu den Deutschen.

          Seinen Vertrag wird er nicht verlängern

          Früh schon hat Ackermann klargemacht, dass er seinen im Mai 2010 auslaufenden Vertrag bei der Deutschen Bank nicht verlängert, auch den gängigen Wechsel in den Aufsichtsrat schlägt er aus. Der Abschied wird komplett. Die weiteren Ambitionen des promovierten Managers, der gerne in Hochschulen auftritt, weisen eher in Richtung Akademia. Ein Wechsel an die Spitze einer anderen Großbank, etwa zur UBS, wie zuletzt verbreitet wurde, entbehrt jeder Plausibilität, schmeichelt jedoch Ackermann, der sich so häufig missverstanden fühlt.

          Sein Rang zeigt sich schon daran, wie kurz die Liste möglicher Nachfolger ist. Externe Kandidaten fallen ziemlich aus, zu viele Banker mit Erfahrung hat die Krise hinweggefegt. Spätestens im Sommer wird die Deutsche Bank einen Fingerzeig geben müssen. Bis dahin gilt das Wort des Aufsichtsratsvorsitzenden, Clemens Börsig: Man werde den Besten der Besten suchen, „für diese tolle Bank“.

          Wer ist der Beste?

          Bloß wer ist der Beste? Das muntere Spekulieren hat längst begonnen. Ein Name taucht in jüngster Zeit häufiger auf: Axel Wieandt. Der Schwager von Commerzbank-Chef Martin Blessing ist von der Deutschen Bank gerade für die Sanierung des Fast-Pleitefalles Hypo Real Estate abgestellt worden. In der Deutschen Bank genießt Wieandt hohes Ansehen - allerdings ist er mit 42 Jahren etwas jung für den Posten.

          Gleichsam natürliche Anwärter auf die Ackermann-Nachfolge sind die mächtigsten Männer der Deutschen Bank: Topverdiener Anshu Jain, 45 Jahre, der einflussreichste Investmentbanker der Bank in London. Rainer Neske, 44 Jahre, der Chef des Privatkundengeschäfts. Und Hugo Bänziger, 52 Jahre, der Risikovorstand, dessen Geschick es zu verdanken war, dass die Bank zu Beginn der Finanzkrise deutlich besser dastand als viele Konkurrenten.

          Einstieg bei Postbank erhöht Chancen von Neske

          Neske und Jain stehen für die beiden Lager, die in der jüngeren Geschichte die Deutsche Bank geprägt haben: das glamourösere Investmentbanking und das solide, aber langweilige Filialgeschäft. Auch dieses Binnenverhältnis hat sich in der Finanzkrise neu zurechtgeruckelt. Hieß es lange, gegen die Londoner Investmentbanker gehe in der Deutschen Bank nichts, so soll ihr Einfluss in dem Maße gelitten haben, in dem ihr Beitrag zum Ergebnis geschrumpft ist. „Ihre Argumente werden in der jetzt anstehenden Diskussion schwächer sein“, sagt ein Deutsch-Banker.

          Das Privatkundengeschäft dagegen wird durch den Einstieg bei der Postbank gestärkt - das Geld der privaten Sparer ist plötzlich wieder gefragt wie nie. Das dürfte die Chancen für Privatkunden-Mann Neske erhöhen. Allerdings: Eine reine Privatkundenbank wird die Deutsche Bank nie werden, auch der nächste Vorstandsvorsitzende muss von den angelsächsisch geprägten Investmentbankern akzeptiert werden. Deshalb habe Deutschland-Chef Jürgen Fitschen keine Chancen, so ist zu hören. Eher noch wird der IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti, der 52 Jahre alt ist, als Außenseiter für die Ackermann-Nachfolge gehandelt. Die nächsten Monate werden spannend in der Deutschen Bank.

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