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Deutsche Bank : Welche Kultur – und welcher Wandel?

Hohe Risiken: Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Bild: REUTERS

Die Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen sollte für einen Kulturwandel stehen. Bisher steht sie nur für Ansehensverlust. Einmal durchs Strafgesetzbuch mit der Deutschen Bank.

          Der Exportweltmeister Deutschland hat nur eine Bank, die im internationalen Wettbewerb eine maßgebliche Stellung vorzuweisen hat. Doch die Deutsche Bank wird von ihrem Fehlverhalten in der Vergangenheit eingeholt. Immer schwerer tut sich die Doppelspitze der beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen, diese Dinge dem Vorgänger Josef Ackermann anzulasten. Denn Jain trägt Verantwortung als langjähriger Chef der Sparte Investmentbanking, der ein großer Teil der Rechtsrisiken zuzuordnen ist.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun ist auch Fitschen in den vergangenen Tagen in den Blickpunkt gerückt, weil gegen ihn die Münchner Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Falschaussage im Prozess mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch ermittelt. Dabei wird Fitschen den Medien durch sein sogenanntes Umfeld als „Fahnenträger des Kulturwandels“ verkauft: Der Wirtssohn aus Niedersachsen sei angetreten, um zusammen mit Jain das ramponierte Image der Bank aufzupolieren und das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen.

          „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“

          Mitarbeiter sollten sich wieder stärker an dem nachhaltigen Erfolg und den Interessen ihrer Kunden ausrichten. Erst vor einer Woche hatte der Aufsichtsrat Fitschens Vertrag um zwei Jahre bis Ende März 2017 verlängert. Damit enden die Verträge des inzwischen 65 Jahre alten Fitschen und des 15 Jahre jüngeren Jain zur gleichen Zeit. Beide sollen nach Wunsch der Kontrolleure den Kulturwandel abschließen. „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bei zwei Managern, die auch die Fehlentwicklungen vor der Finanzkrise mitzuverantworten haben, könnte man hinzufügen.

          Schon seit zwei Jahren ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen die frühere Führungsriege der Deutschen Bank, gegen den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und dessen Vorgänger Rolf-Ernst Breuer, gegen den einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig und das Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck. Der Verdacht lautet auf versuchten Prozessbetrug; die Manager sollen das Oberlandesgericht München im Schadensersatzprozess der Kirch-Erben angelogen haben, um deren Milliardenforderungen abzuwehren. Mehr noch: Das Vorgehen sollen sie vorher miteinander verabredet haben.

          Eine spektakuläre Untersuchung in den Zwillingstürmen

          Nun haben die bayerischen Strafverfolger diese Ermittlungen auch noch auf Fitschen – und damit auf das einzige noch amtierende Vorstandsmitglied – ausgedehnt. Den Stoff dafür lieferten ihnen die Zivilrichter des Oberlandesgerichts, die Fitschen vernommen hatten – und ihm schriftlich bescheinigten, seine Angaben seien „schlicht inkonsistent“ und seine Erinnerung „ersichtlich unrichtig“. Gegen Fitschen, der zudem als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken wichtigster Interessenvertreter der Branche ist, läuft noch ein zweites Strafverfahren. In Frankfurt ermittelt die Anklagebehörde wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

          Deshalb war es vor einem Jahr zu einer spektakulären Durchsuchung in den Frankfurter Zwillingstürmen des Kreditinstituts gekommen. Fitschens Problem: Er hatte – ebenso wie Finanzvorstand Stefan Krause – seine Unterschrift unter eine Steuererklärung gesetzt, mit der die Bank angeblich zu Unrecht Umsatzsteuer zurückforderte. Der Hintergrund: Ein paar Bankkunden hatten beim Handel mit Emissionszertifikaten ein kriminelles Umsatzsteuerkarussell aufgezogen; einige von ihnen wurden deshalb schon zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

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