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Konzernumbau : Zu den Wurzeln der Deutschen Bank

  • -Aktualisiert am

Die Deutsche Bank kehrt zu ihren Wurzeln zurück. Sie will das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Bild: Reuters

Das Investmentbanking hat der Bank keinen Glanz gebracht, sondern ihren Ruf ruiniert. Um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, wird es einen langen Atem brauchen.

          Wohl kaum ein Unternehmen hat so oft den Neuanfang vom Neuanfang versprochen wie die Deutsche Bank. Insofern darf man der früher einmal führenden Bank wünschen, dass ihr der Neustart endlich gelingen möge. Zuletzt war die Deutsche Bank nur noch führend bei der Abgabe leerer Versprechen und dem Betrug auf so ziemlich allen Märkten der Welt. Doch dieses Mal könnte es wirklich klappen. Denn dieser Neustart ist, anders als frühere „Totalumbauten“, mit neuen Köpfen verbunden. Das ganze Gerede vom Kulturwandel unter dem gescheiterten Chef Anshu Jain war eine Farce. Wer fragt schon die Frösche, wenn er einen Sumpf trockenlegen will?

          Es war ein Kardinalfehler des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner, mit der Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit ausgerechnet Jain zu beauftragen, den Anführer der Investmentbanker. Schließlich hat diese Boni-Truppe über Jahre hinweg die Deutsche Bank ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, zu Lasten der Aktionäre, der anderen Mitarbeiter, der Kunden, der Allgemeinheit und der Bank selbst, die heute – ihrer Reserven beraubt – nur noch ein matter Abglanz früherer Stärke ist. In größter Not bekam Achleitner gerade noch die Kurve und schickte mit John Cryan einen unbelasteten Bankfachmann aus dem Aufsichtsrat an die Spitze der Bank, der zuvor bei der schweizerischen UBS gezeigt hatte, wie man aufräumt. Da auch Achleitners Schicksal in den Händen von Cryan liegt, ist der neue Chef der Bank viel mächtiger als seine Vorgänger.

          „Anshus Army“ entmachtet

          Seine Durchsetzungsfähigkeit beweist Cryan mit der Entmachtung von „Anshus Army“, wie die Vertrauten des Chef-Investmentbankers genannt wurden. Im Vorstand der Deutschen Bank bleibt kein Stein auf dem anderen. So wichtig die neuen Köpfe sind, so richtig ist ein anderer Beschluss: die Abschaffung des heimlichen Machtzentrums unterhalb des Vorstands, in dem Leute wie Jain unter Ackermann saßen, wo sie frei von den Fesseln des Aktiengesetzes mehr als der Vorstand verdienen konnten und ihr Gehalt nicht offenlegen mussten.

          Ebenfalls grundlegend ist noch eine strukturelle Entscheidung: die Aufspaltung des Investmentbankings in das traditionelle Kapitalmarktgeschäft für Unternehmenskunden und das Handelsgeschäft. Zwar behauptet die Bank seit einiger Zeit, keinen Eigenhandel mehr zu betreiben. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Trotz Schrumpfung liegt die Bilanzsumme der Deutschen Bank bei mehr als der Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts, was ein Gefühl für das Risiko gibt. Und das Brutto-Derivatevolumen liegt mit rund 50 Billionen Euro jenseits jeder Vorstellungskraft.

          Schon in der Finanzkrise wurde die Deutsche Bank als größter Hedgefonds der Welt bezeichnet. Bis heute sind die Risiken dieser Bank zu hoch. Der Aufspaltung dürfte die teilweise Abspaltung oder das Abschmelzen des Handelsgeschäfts folgen, aus dem noch immer mehr als zwei Drittel der Erträge des Investmentbankings stammen. Anders kann die Bank die hoffentlich weiter steigenden Eigenkapitalanforderungen der Aufsicht nicht erfüllen, weil die Aktionäre ihr kein Geld mehr geben.

          Besserer Service nur einen Mausklick entfernt

          Den Vergleich mit der UBS hört die Deutsche Bank nicht gern, aber er ist gerechtfertigt. Wie der erfolgreiche und an der Börse wesentlich wertvollere Wettbewerber aus der Schweiz will sich auch der Branchenprimus aus Deutschland künftig auf das Kapitalmarktgeschäft mit Unternehmenskunden und auf die Vermögensverwaltung sowie das Privatkundengeschäft konzentrieren. In gewisser Weise ist das eine Rückkehr zu den Wurzeln der Deutschen Bank.

          Seit jeher begleitete diese Bank die deutsche Industrie auf der ganzen Welt, am Kapitalmarkt und darüber hinaus. Ein überdimensioniertes Handelsgeschäft braucht man hierfür nicht. In Wahrheit hat das Abenteuer Investmentbanking, das vor einem Vierteljahrhundert mit dem Kauf von Morgan Grenfell begann, der Deutschen Bank keinen Glanz gebracht, sondern ihren Ruf ruiniert und obendrein unzählige Milliarden gekostet, die in die Tasche der Boni-Banker gewandert sind. Welches Ansehen hätte die Deutsche Bank heute, wäre sie sich treu geblieben? Wie kraftvoll stünde die Bank jetzt da, wären ihre Reserven nicht verschleudert worden?

          Nun fehlen der Deutschen Bank sogar die Mittel für überfällige Großinvestitionen in die IT. Alles Leugnen hilft nicht mehr. Diese Bank hinkt der Digitalisierung so weit hinterher, dass es sogar der Privatkunde merkt, weil einen Mausklick entfernt ein viel besserer Service geboten wird. Vom Rückstand der Handelssysteme ganz zu schweigen. Ein ehemaliges Vorstandsmitglied soll nun außerhalb der Deutschen Bank Antworten auf digitale Fragen (Fin Tech) finden. Warum nicht innerhalb der Bank? Die deutschen Autohersteller ziehen doch auch nicht mit einer kleinen Ausgründung in die Schlacht mit Google oder Apple um das digitale Auto. Über die Zukunft der Deutschen Bank entscheiden nun Firmen- und Privatkunden. Eine gute Beziehung zum Kunden braucht mehr als Technik. Das Vertrauen der Kunden gewinnt man mit Anstand – und einem langen Atem.

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