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Harter Sparkurs : Deutsche Bank streicht Dividende für zwei Jahre

  • Aktualisiert am

Bei der Deutschen Bank wird derzeit aufgeräumt Bild: AFP

Zum ersten Mal seit den 50ern müssen die Aktionäre der Deutschen Bank auf eine Gewinnausschüttung verzichten. Hintergrund ist der Sparkurs des neuen Chefs John Cryan.

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          Die mitten in der Sanierung steckende Deutsche Bank verlangt ihren Aktionären Geduld ab. Der neue Chef John Cryan streicht die Dividende für die Jahre 2015 und 2016, weil er der Aufpolsterung der Kapitaldecke zunächst alles andere unterordnet. Damit müssen die Aktionäre zum ersten Mal seit den 50er-Jahren auf eine Gewinnausschüttung verzichten. Deutschlands größtes Geldhaus gab die Entscheidung am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt, teilte jedoch mit: „Der Vorstand erwartet, ab dem Geschäftsjahr 2017 eine Dividende in Höhe einer wettbewerbsfähigen Ausschüttungsquote vorzuschlagen.“ Hintergrund dieser Entscheidung ist die neue "Strategie 2020", die im Kern eine Schrumpfkur vorsieht, weil die Deutsche Bank nach eigener Aussage nicht mehr alles für jeden sein und ihre knappen Ressourcen besser einsetzen will

          Details der Neuausrichtung werden an diesem Donnerstag erwartet, wenn Cryan erstmals persönlich vor die Presse tritt. Investoren hoffen dann vor allem auf mehr Informationen zum milliardenschweren Sparprogramm, das Finanzkreisen zufolge auch den Abbau tausender Jobs mit sich bringt. Cryan hatte im Juli die Nachfolge des glücklosen Anshu Jain angetreten. Dieser hatte die neue Strategie im April zwar schon in groben Zügen vorgestellt, aber viele Fragen offen gelassen. Wenige Wochen später verlor er das Vertrauen der Investoren und trat zurück.

          Zunächst mittelfristige Ziele

          Der neue Mann an der Spitze verschärft nun die Gangart deutlich, um die renditeschwache und von Skandalen erschütterte Bank wieder in die Spur zu bringen. Am Mittwochabend nannte Cryan zunächst mittelfristige Finanzziele. Ganz oben auf der Agenda: Ende 2018 soll die Deutsche Bank eine harte Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent haben. Jain hatte nur elf Prozent angepeilt, viele internationale Konkurrenten liegen schon heute deutlich darüber. Mit dem dickeren Kapitalpuffer wird auch das - im Frühjahr bereits gesenkte - Renditeziel von über zehn Prozent ambitionierter. Die absolute Verschuldungsquote (Leverage Ratio) soll sich unter Cryan binnen drei Jahren auf mindestens 4,5 Prozent verbessern, bis Ende 2020 peilt er mindestens fünf Prozent an.

          Schon gleich nach seinem Amtsantritt hatte Cryan beklagt, die Deutsche Bank sei viel zu komplex, die Kosten seien „verschwenderisch" hoch. Der Status quo sei daher keine Option. Jetzt diktierte er dem Institut eine Kostenquote von etwa 70 Prozent im Jahr 2018 und 65 Prozent im Jahr 2020 ins Aufgabenbuch. Im vergangenen Jahr musste die Bank für jeden Euro, den sie verdient, fast 87 Cent aufwenden - im Branchenvergleich viel.

          Der Brite Cryan, der sich schon bei der Schweizer UBS einen Namen als Sanierer gemacht hat, hat in seinen ersten Monaten bei der Deutschen Bank bereits einiges an Aufräumarbeiten geleistet: Erst kehrte er mit eisernem Besen durch die Bilanz. Herbe Abschreibungen auf die Investmentbank und die vor einem Börsengang stehende Postbank brocken dem Institut im dritten Quartal einen Verlust von sechs Milliarden Euro ein. Dann entmachtete Cryan eine Reihe von Jain-Vertrauten und gab einen tiefgreifenden Konzernumbau bekannt. Ohne Rücksicht auf alte Seilschaften riss er gewohnte Strukturen ein. Nun will er die Aufbauarbeit beginnen.

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