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Radikaler Umbau : Deutsche Bank streicht 18.000 Stellen

Hier müssen bald sehr viele Mitarbeiter gehen: Die Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: AP

Deutschlands größtes Finanzinstitut baut jeden fünften Arbeitsplatz ab. Zudem wird der Konzern kräftig umgebaut: Das Aktiengeschäft wird fast eingestellt, die Dividende für zwei Jahre gestrichen.

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          Die Deutsche Bank hat den größten Stellenabbau in ihrer 149 Jahre langen Geschichte beschlossen. Der Aufsichtsrat folgte am Sonntag dem Plan von Vorstandschef Christian Sewing zu einem umfassenden Konzernumbau. Dieser Plan sieht vor, 18.000 und damit jede fünfte Stelle im Konzern zu streichen, drei Vorstandsmitglieder auszuwechseln und das defizitäre Wertpapierhandelsgeschäft insbesondere mit Aktien weitgehend einzustellen und Kunden an die französische Bank BNP Paribas abzugeben.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Umbaumaßnahmen werden so hohe Kosten etwa für Abfindungen an ausscheidende Mitarbeiter verursachen, dass die Deutsche Bank in diesem Jahr anders als bisher erwartet einen hohen Verlust ausweisen wird. Im zweiten Quartal fiel schon ein Verlust von 500 Millionen Euro vor Steuern und 2,8 Milliarden Euro nach Steuern an, wie die Deutsche Bank am Sonntag mitteilte.

          Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank den ersten kleinen Gewinn nach drei Jahren mit hohen Verlusten erreicht. Aber sie hatte ungesund hohe 93 Cent aufwenden müssen, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften. Da die Erträge in diesem Jahr wegen der nochmals gesunkenen Zinsen und des schrumpfenden Wertpapierhandels sinken dürften, kritisierten Analysten die Kostenbasis von fast 23 Milliarden Euro im vergangenen Jahr als zu hoch. Durch den Konzernumbau hofft die Deutsche Bank nun, bis 2022 die Kosten um 6 Milliarden Euro auf 17 Milliarden Euro jährlich zu senken. Sie strebt im selben Jahr ein Aufwands-Ertrags-Verhältnis von 70 Prozent an.

          Keine Dividende für 2019 und 2020

          In der Summe rechnet die Deutsche Bank mit Belastungen durch den Konzernumbau von insgesamt 7,4 Milliarden Euro bis Ende 2022. Um diese Kosten zu stemmen, will die Deutsche Bank keine Kapitalerhöhung vornehmen, aber die Dividende an die Aktionäre für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 ausfallen lassen, was sie nicht einmal in der Finanzkrise getan hatte. Die Aufsichtsbehörden hätten zudem zugestimmt, dass die harte Kernkapitalquote von derzeit 13,7 Prozent bis auf 12,5 Prozent sinken dürfe, hieß es in einer Pflichtmitteilung.

          Im zweiten Quartal dieses Jahres soll mit 3 Milliarden Euro schon der Großteil des Sanierungsaufwandes gebucht werden. Wertpapiere im Volumen von 74 Milliarden Euro, rund 25 Prozent aller riskanten Geschäfte der Bank, werden in eine neu zu bildende Abbaueinheit verlagert. Dort sollen Sanierungsexperten die oft noch 20 Jahre laufenden Derivate mit möglichst geringen Verlusten abwickeln. Das übrige Handelsgeschäft, vor allem mit Aktien, wird nahezu eingestellt. Auch das Zinsgeschäft wird deutlich verkleinert. Im Wesentlichen wird sich die Deutsche Bank im Handelsgeschäft auf Anleihen und anderes Fremdkapital konzentrieren.

          Dagegen soll das Geschäft mit Unternehmen gestärkt werden. Dafür werden die bisherigen Sparten Privat- und Firmenkundenbank (inklusive Postbank) und Unternehmen und Investmentbank aufgeteilt. Künftig wird die Deutsche Bank zusätzlich zu der großen Verwaltung („zentrale Bereiche“) vier operative Einheiten haben: Privatkunden, die Vermögensverwaltung mit der Fondsgesellschaft DWS, Wertpapierhandelsgeschäft (Investmentbanking) und Unternehmen. Zur Unternehmenssparte gehören künftig also auch kleinere Firmenkunden, die bisher mit Privatkunden betreut wurden.

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