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Devisenskandal : Neue Vorwürfe gegen Deutsche Bank

Sitz der Deutschen Bank in London: In der britischen Finanzmetropole werden die Schadensersatzklagen erwartet. Bild: Reuters

Die Konkurrenz belastet die Deutsche Bank: Das Geldhaus soll an den Manipulationen am Devisenmarkt beteiligt gewesen sein. Nun drohen hohe Schadensersatzklagen.

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          Im Skandal um die weitreichenden Manipulationen am Devisenmarkt wächst der Druck auf die Deutsche Bank. Auch Mitarbeiter des Frankfurter Geldhauses sollen in die Tricksereien im Währungshandel verwickelt gewesen sein. „Andere Marktteilnehmer nennen die Deutsche Bank als einen der Beteiligten an den unerlaubten Absprachen“, sagte der New Yorker Anwalt Michael Hausfeld der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Identität der Belastungszeugen wollte der Jurist nicht preisgeben. Die Kanzlei Hausfelds vertritt amerikanische Großkunden, die von den Banken wegen der Betrügereien hohen Schadensersatz verlangen. Zu den Beklagten zählen neben der Deutschen Bank eine Reihe anderer Geldhäuser, darunter Credit Suisse, Morgan Stanley und Société Générale.

          Die Deutsche Bank wollte die neuen Vorwürfe am Dienstag nicht kommentieren. Das Institut ist der zweitgrößte Devisenhändler der Welt, kam in dem Skandal bisher aber ungeschoren davon. Während einer Reihe von Konkurrenten Strafen von insgesamt rund 10 Milliarden Dollar auferlegt worden sind, erhielten die Frankfurter bisher keine Geldbußen.

          Geldwäsche in Moskau

          Allerdings trennte sich auch die Deutsche Bank seit Bekanntwerden des Skandals von einer Reihe von Währungshändlern. Die Juristen von Deutschlands führendem Geldhaus kämpfen zudem weiter an vielen Fronten: Unter anderem schwelt auch ein Geldwäscheskandal in der Moskau-Niederlassung der Deutschen Bank.

          Der Devisenfall macht seit zwei Jahren Schlagzeilen. Bisher haben sich die Ermittlungen vor allem auf einen Ring von Währungshändlern großer Banken in London konzentriert. Die Täter wurden überführt, durch Absprachen über Jahre hinweg Devisenkurse manipuliert zu haben, um Gewinne zu Lasten ihrer Kunden einzustreichen.

          Der Devisenmarkt ist mit einem Tagesumsatz von rund 5,3 Billionen Dollar das größte Segment der internationalen Finanzmärkte. Doch kontrollieren nur fünf Banken – Citi, Deutsche Bank, Barclays, JP Morgan und UBS – mehr als die Hälfte des globalen Geschäfts. Die Ermittlungen laufen weiter.

          Schadensersatzklagen von Kunden

          Mittlerweile sehen sich die Banken nicht mehr nur mit Strafen von Aufsichtsbehörden konfrontiert, sondern auch mit Schadensersatzklagen von Kunden. Die Kanzlei des Anwalts Hausfeld hat in der vergangenen Woche einen milliardenschweren Vergleich ausgehandelt: Neun Institute erklärten sich in dem Rechtsstreit in den Vereinigten Staaten bereit, Kunden insgesamt mehr als 2 Milliarden Dollar zu zahlen.

          Die Banken erklärten sich zudem bereit, die geschädigten Kunden bei deren Klagen gegen andere Institute zu unterstützen. Zu diesem Kreis zählt auch die Deutsche Bank, die sich dem Vergleich in den Vereinigten Staaten nicht angeschlossen hat.

          Klagen in London, Hongkong, Singapur

          Anwälte erwarten, dass die Schadensersatzzahlungen in den Vereinigten Staaten erst der Anfang sind. „In Europa ist mit potentiell höheren Zahlungen zu rechnen“, sagte Hausfeld dieser Zeitung. Europäische Bankkunden, die glauben, ebenfalls geschädigt worden zu sein, hätten sich schon bei seiner Kanzlei gemeldet. Andere amerikanische Kanzleien gründen wegen der erwarteten Klagewelle eigens Filialen an der Themse.

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          Die britische „Financial Times“ zitierte am Dienstag Anwälte in London, die mit Schadensersatzzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe rechnen. Die britische Hauptstadt ist das mit Abstand wichtigste Zentrum im globalen Devisenhandel. Rund 40 Prozent des Geschäfts werden in London abgewickelt. Deshalb könnten viele Kunden dort ihre Klagen einreichen. In Städten wie Hongkong und Singapur wird damit ebenfalls gerechnet.

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