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Deutsche Bank : Nachsitzen in Höchst

Image der Bank hat schwer gelitten

Für dieses Treffen hat die Bank zwar nicht die zentrale Frankfurter Festhalle angemietet – dort ist am 23. Mai ohnehin die reguläre Hauptversammlung mit rund 5000 Aktionären geplant –, sondern lediglich die kleinere Jahrhunderthalle etwas außerhalb im Frankfurter Stadtteil Höchst. Rund 2000 Aktionäre sind gekommen - 27,3 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals.

Die Kosten für das Extra-Treffen beziffert Fitschen auf Nachfrage mit 5 Millionen Euro - hinzu kämen hausinterne Kosten. Das müsse die Bank tragen. Wer die Kosten für den juristischen Dauerstreit vor Gericht trage, müssten letztlich die Richter entscheiden. Und dann stichelt auch Fitschen einmal: Falls die Gegenseite Prozesskosten tragen müsse, könne er nur sagen, dass man deren Zahlungswürdigkeit „extern nicht einschätzen“ könne.

Tatsächlich geht es bei der außerordentlichen Hauptversammlung gar nicht um die spannenden Fragen. Dabei gibt es an großen Themen keinen Mangel. Vor allem das Image der Bank hat in den vergangenen Monaten schwer gelitten: Betrugsvorwürfe mit komplexen Hypothekenanleihen in Amerika, Libor-Skandal, Verhaftungen von Mitarbeitern, eine Razzia mit hunderten bewaffneten Polizisten in der Bankzentrale. Hinzu kommt, dass zahlreiche Kommunen wegen Verlusten aus Zinswettgeschäften gegen die Bank klagen und die  Staatsanwaltschaft gegen Co-Chef Fitschen ermittelt, weil er eine fragwürdige Umsatzsteuererklärung unterschrieben hat. Nun steht der Verdacht auf Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit sogenannten Karussellgeschäften im Raum.

„Wenigstens bekommt man hier Wasser“

Doch auf der schmalen Tagesordnung stehen lediglich drei Punkte: die Wahl des Abschlussprüfers, die Ausschüttung des Gewinns und die Wahlen zum Aufsichtsrat – darunter auch die des derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner. Alle drei Beschlüsse waren im vergangenen Mai mit großer Mehrheit von den Aktionären abgenickt worden.

„Wenigstens bekommt man hier Wasser“, sagt ein Aktionär genervt. Überhaupt bleiben kleine Sticheleien gegen das Management auf der Versammlung nicht aus: Er würde gerne wissen, wie der Co-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain die Veranstaltung inhaltlich verfolgt, stichelt der Aktionär Michael Bohndorf und spielt damit auf die fehlenden Deutschkenntnisse des Inders an. „Bekommt er eine Simultanübersetzung?“

Ein anderer Aktionär will wissen, warum das Management bei der letzten Hauptversammlung den Kirch-Anwalt Enderle - der die Beschlüsse dann erfolgreich anfochte - nicht ausreichend habe zu Wort kommen lassen. Der Anwalt nerve zwar seit Jahren, aber das sei kein Grund, ihn nicht reden zu lassen, appelliert er an das Management. Bevor er anfügt: „Wollten da ein paar rechtzeitig heim zu Mutti?“ 

Das Management lässt die Vorwürfe geduldig über sich ergehen. Spaß macht ihnen das nicht unbedingt, für das Publikum ist es bisweilen unterhaltsam: Das war auch schon früher so. Der ehemalige Deutsche-Bank Chef Rolf Breuer hätte Hauptversammlungen auch mal als „10-Stunden-Müll“ bezeichnet, sagt ein Aktionär am Mikrofon und fragt Fitschen, ob das heutige Management das auch so sehe. Der antwortet trocken, er kenne das Zitat nicht. Und falls es je so gefallen wäre, sei das nur die persönliche Meinung von Herrn Breuer.

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