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Quartalszahlen : Deutsche Bank bleibt in der Verlustzone

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Gerade erst hat Deutschlands größtes Kreditinstitut mit guten Zahlen überrascht. Nun zeigt sich: Die Deutsche Bank macht unter dem Strich Verlust.

          3 Min.

          Die Deutsche Bank hat am Mittwochmorgen den Schleier darüber gelüftet, wie sie im ersten Quartal 2020 wider Erwarten hohe Erträge von 6,4 Milliarden Euro und damit einen Gewinn eingefahren hat. Ursächlich für den überraschenden Ertragszuwachs von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal waren die um 18 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gestiegenen Einnahmen im Investmentbanking. Hier ragte der Ertragszuwachs im Anleiheemissionsgeschäft von 26 Prozent heraus. Schon amerikanische Großbanken wie JP Morgan hatten im ersten Quartal Rekordeinnahmen bei der Beratung von erstklassigen Schuldnern am Anleihemarkt erzielt. Die Deutsche Bank berichtete nun, sie habe ihren Marktanteil dort ausweiten können.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings drängt sich der Eindruck auf, als habe die Deutsche Bank in der Nacht zum Montag vor allem die Lichtblicke in ihrer Quartalsbilanz vorab veröffentlicht. Insgesamt ging der Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um 29 Prozent auf 206 Millionen Euro zurück. Nach Steuern und nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen erwirtschaftete Deutschlands größtes Kreditinstitut sogar einen Verlust von 43 Millionen Euro, wie es nun am Mittwochmorgen mitteilte. Im Vorjahresquartal hatte noch ein Gewinn von 97 Millionen in den Büchern gestanden. Im gesamten Jahr 2019 hatten die Deutsche Bank einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro erzielt – es war der fünfte Jahresverlust in Folge.

          „Position der Stärke“

          Im ersten Quartal 2020 trug das Kapitalmarktgeschäft zum Vorsteuergewinn von 206 Millionen Euro rund 622 Millionen Euro bei. Die anderen Sparten entwickelten sich eher unauffällig. Das Privatkundengeschäft lieferte 197 Millionen Euro Gewinnbeitrag, die Vermögensverwaltung, vor allem die Fondsgesellschaft DWS, 110 Millionen Euro und die Unternehmensbank 168 Millionen Euro. Einen Verlust von 767 Millionen Euro lieferte die Abbaueinheit, in der nicht mehr zum Kerngeschäft gehörende Wertpapiere und Kredite bearbeitet werden.

          Die Deutsche Bank stellt heraus, wie sehr sie in der Corona-Krise ihre Kunden unterstützt. So vergab sie 25 Milliarden Euro an neuen Krediten und weitete damit ihr vergebenes Kreditvolumen um 6 Prozent aus. Analysten befürchten allerdings, dass die Deutsche Bank im gesamten Jahr 2020 für Kreditausfälle rund 2 Milliarden Euro zurück legen muss. Für das gesamte Jahr 2019 hatte die  Deutsche Bank 811 Millionen Euro für faule Kredite zurück gestellt. Im ersten Quartal 2020 waren nun schon 506 Millionen Euro an Risikovorsorge nötig, 0,44 Prozent des Kreditvolumens. Rund 260 Millionen Euro davon stünden im Zusammenhang mit Covid-19, teilte die Deutsche Bank mit.

          Für das Gesamtjahr 2020 werde eine Risikovorsorge in Höhe von 35 bis 45 Basispunkten des Kreditvolumens erwartet, heißt es in der Mitteilung von Mittwochmorgen. Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing lässt sich darin mit den Worten zitieren: „In der aktuellen Krise konnten wir robuste Zahlen präsentieren und haben eine starke Leistung dabei gezeigt, unsere Kunden in all unseren Kerngeschäften zu unterstützen. Unsere konservative Bilanzsteuerung versetzt uns in die Lage, im aktuellen Umfeld als führende Bank in der stärksten Volkswirtschaft Europas aus einer Position der Stärke heraus zu handeln.“

          Für den im Juli 2019 angestoßen Umbau der Bank, der die Streichung von 18.000 Stellen und die Einstellung des globalen Aktienhandels vorsieht, buchte die Bank im ersten Quartal Sanierungskosten von 172 Millionen Euro etwa für Abfindungen von Mitarbeitern. Damit seien nun 73 Prozent der angekündigten Sanierungskosten von seinerzeit 7,3 Milliarden Euro in der Bilanz verarbeitet, heißt es von der Deutschen Bank. Die Zahl der Vollzeitstellen sank im ersten Quartal um 930 auf 86.667.

          In der Nacht zum Montag hatte die Deutsche Bank schon mitgeteilt, dass sie zwischen Anfang Januar und Ende März einen Gewinn von 206 Millionen Euro vor und 66 Millionen Euro nach Steuern erzielt hat. Analysten hatten dagegen mit  einem Verlust gerechnet und gingen durchschnittlich von einem Minus von 248 Millionen Euro vor und 338 Millionen Euro nach Steuern aus. Dieser Erwartung war die Deutsche Bank mit ihrer Ad-Hoc-Mitteilung am Sonntag kurz vor Mitternacht ausdrücklich entgegen getreten. Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie hatte daraufhin am Montag einen großen Sprung um 12 Prozent und am Dienstag noch einmal um 4 Prozent gemacht und mit 6,39 Euro auf einem Monats-Hoch geschlossen.

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