https://www.faz.net/-gqe-cmp

Deutsche Bank : London kämpft für Jain

  • -Aktualisiert am

Der Held der Kapitalmärkte: Deutsche Bank-Vorstand Anshu Jain. Bild: Frank Röth

Die Suche nach einem Nachfolger für Josef Ackermann spaltet den Vorstand der Deutschen Bank. Jetzt gibt es erste Putschgerüchte.

          2 Min.

          Die ungeklärte Nachfolge für Josef Ackermann bringt die Deutsche Bank zusehends in Turbulenzen. Wichtige Aktionäre warfen der Bank auf der Hauptversammlung am vorigen Donnerstag in diesem Punkt Versagen vor. Und noch schlimmer: Innerhalb der Bank spitzt sich der Konflikt zu. Bis hoch in den Vorstand wachsen Frust und Bitterkeit gegenüber Ackermann, sogar von Putschgerüchten ist aus dem Top-Management zu hören.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Miese Stimmung unter seinen Leuten erregt der Vorstandschef mit seinem Einsatz für Axel Weber: Offenbar will er den Hochschullehrer und ehemaligen Bundesbank-Präsidenten zu seinem Nachfolger küren - gegen allen Widerstand aus der Bank.

          Einen offenen Aufstand wagt bisher niemand, die Unzufriedenheit über die "Joe Show" aber wächst: Brüskiert und öffentlicht beschädigt sind alle jene, die selbst für die Nachfolge gehandelt werden, allen voran Anshu Jain, der Herr der Investmentbanker in London, der regelmäßig den Großteil der Gewinne für die Bank einfährt.

          Kein Wunder, dass die britische "Financial Times" nun mit Schlachtszenarien vorprescht: Top-Manager der Deutschen Bank stünden kurz vor einem offenen Krieg, meldete die Zeitung am Samstag auf der Titelseite. Wenn die Londoner City abstimmen dürfte über die Ackermann-Nachfolge, wäre die Entscheidung jedenfalls klar: Anshu Jain hieße der neue Mann an der Spitze der Deutschen Bank, Sprachkenntnisse hin oder her. Jain ist der Mann der Kapitalmärkte.

          Das Drohpotential des Anshu Jains

          Lange als klarer Favorit gehandelt, muss der Inder jedoch seit Monaten ansehen, wie er an Boden gegenüber Axel Weber verliert, einem Mann, "der noch nie eine richtige Firma geführt hat", wie Deutsch-Banker lästern.

          Die Ackermann-Gegner - zuweilen identisch mit den Jain-Unterstützern - hoffen nun auf ein Machtwort des Aufsichtsrates, der nach Recht und Gesetz über Wahl und Abberufung von Vorständen entscheidet.

          Sollte Ackermann sich nicht einfangen lassen, fordern manche sogar den offenen Bruch mit dem Schweizer - ungeachtet von dessen hervorragendem Ruf in aller Welt und der Tatsache, dass er die Deutsche Bank souverän durch die Krise geführt hat und jetzt einem Rekordgewinn von zwölf Milliarden Euro entgegen steuert.

          Offiziell läuft Ackermanns Vertrag im Mai 2013 aus, allgemein wird jedoch damit gerechnet, dass Ackermann auch früher abtreten könnte. Einen eindeutigen internen Nachfolger hat er nicht aufgebaut, so wenig wie der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig bisher einen eigenen Kandidaten präsentiert, im Zweifel aber wohl Jain inthronisieren würde. Vorausgesetzt, Börsig setzt sich gegen Ackermann durch.

          „Anshu zahlt gut, das schafft Loyalitäten“

          Das Drohpotential des Investmentbankers Jains ist enorm: Verlässt er im Zorn die Bank, geht er sicher nicht allein. Die Flucht seiner engsten Mannschaft wäre zu befürchten. Jain habe seine Leute stramm hinter sich, bestätigen Freund wie Feind. "Anshu zahlt gut, das schafft Loyalitäten", sagt ein Top-Banker in Frankfurt.

          So argwöhnisch dort manche die Spitzenverdiener in London - bisweilen als "Söldnertruppe" verunglimpft - sehen, eines ist allen bewusst: Die Nachricht über Jains Abschied hätte direkte Folgen an der Börse. Der Aktienkurs der Deutschen Bank geriete zumindest vorübergehend ins Trudeln. Deshalb interessieren sich Investoren und Analysten so sehr für die Personalie: Alles, was den Erfolg des Investmentbankings der Deutschen Bank gefährdet, zerstört direkt Wert am Kapitalmarkt.

          Weitere Themen

          CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Parteitag in Leipzig : CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Mit einer leichten Veränderung des Leitbilds der Sozialen Marktwirtschaft will sich die CDU von SPD und Grünen abgrenzen. Nachhaltigkeit soll eine wichtigere Rolle spielen, aber nicht auf Kosten des Wachstums.

          Topmeldungen

          Darf´s ein bisschen mehr sein? Wenn es nach ARD und ZDF geht, gilt das für den Rundfunkbeitrag immer.

          Gutachten zu Finanzen : Gehälter bei ARD und ZDF sind zu hoch

          Die Finanzkommission Kef schlägt vor, wie hoch der Rundfunkbeitrag sein soll. Sie prüft, wofür die Öffentlich-Rechtlichen Geld ausgeben. Jetzt stellt die Kommission fest, die Gehälter bei ARD und ZDF seien zu hoch. Besonders bei einigen Sendern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.