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Investmentbanking : Deshalb braucht es eine Deutsche Bank

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„Auf der Ebene der Topmanager kennt man sich“, so Professor Nippel. Die langjährigen persönlichen Beziehungen zwischen Bankern und Konzernlenkern können echte wirtschaftliche Vorteile bergen. Wenn ein Banker ein Unternehmen beispielsweise durch ein Aufsichtsratsmandat seit Jahren von innen kennt, kann er neue Informationen oftmals schneller und besser einordnen als anonyme Herden externer Investoren. Dieses in der Forschung als „informelle Koordination“ bekannte Prinzip galt lange Zeit als das Erfolgsrezept des deutschen Wirtschaftsmodells.

Gerade hochkomplexe Geschäfte können auch heute Insiderwissen verlangen. Denkt man an die Unwägbarkeiten des Energiesektors seit der Energiewende, mag es wenig überraschen, dass der Börsengang der RWE Ökosparte Innogy von der Deutschen Bank begleitet wurde. Aus der Deutschen Bank heißt es, dieser politisch sensible und regulatorisch komplexe Börsengang – der größte in Deutschland seit 16 Jahren – wäre ohne eine fest in Deutschland verankerte Großbank nicht realisierbar gewesen.

In Krisen bleiben heimische Banken stärker

Vertrauen und Loyalität spielen besonders in Krisenzeiten eine wichtige Rolle. Anders als erbarmungslose Kapitalmärkte, die Verluste in Echtzeit weitergeben, kann eine Bank häufig auch in schlechten Zeiten Kreditlinien aufrechterhalten. Ob eine Bank dazu bereit ist, kann von ihrem Heimatland abhängen, sagt der Frankfurter Finanzprofessor Rainer Haselmann. Gerät eine ausländische Bank in Schieflage, kann es durchaus sein, dass sie ihr Geschäft in Deutschland zurückfährt, auch wenn dieses eigentlich profitabel ist. Das meinen Ökonomen, wenn Sie davon sprechen, dass Banken Krisen auf andere Länder übertragen.

 „Wenn Banken in der Krise sich eher auf den Heimatmarkt konzentrieren und im Notfall hierzu Unterstützung von der Regierung erhalten würden, würde diese Hilfe wegfallen wenn es keine große deutsche Bank mehr gäbe“, so Haselmann. Der Schaden für die Realwirtschaft durch eine Finanzkrise wäre folglich ohne ein Geldhaus wie die Deutsche Bank größer.

Der Hauptvorteil einer großen deutschen Bank für Industrieunternehmen ist laut Haselmann jedoch politischer Natur. Man stelle sich vor, Siemens hätte sich vor allem bei französischen Banken Geld geliehen und gerät in Zahlungsschwierigkeiten. „In einem solchen Fall fände ich es durchaus denkbar dass die französische Regierung auf die französische Bank einwirkt, um zum Beispiel einem Mitbewerber von Siemens zu helfen“. Ohne eine große deutsche Bank könnten deutsche Unternehmen also ins Hintertreffen geraten. Haselmann gibt zu bedenken: „Trotz europäischer Integration mischen sich Nationalstaaten nach wie vor stark in die Industriepolitik ein“.

Auch die Regulierung könnte Richtung Amerika gehen

Betrachtet man den europäischen Bankenmarkt insgesamt, macht sich zunehmend Angst vor einer amerikanischen Übermacht breit. Davor warnt Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin: „Ein deutsches Geldhaus in der Größenordnung der Deutschen Bank ist nicht unbedingt notwendig, dafür aber deutsche global tätige Großbanken, die der Preissetzungsmacht der amerikanischen Konkurrenz etwas entgegensetzen können“. In Amerika zahlen Unternehmen deutlich höhere Gebühren als in Europa – nach Schätzungen bis zu 20 Prozent mehr. Ohne Konkurrenten wie die Deutsche Bank, die den amerikanischen Konkurrenten hierzulande Paroli bieten, könnten deutsche Unternehmen diesen höheren Preisen ausgeliefert sein.

Die zunehmende Dominanz amerikanischer Großbanken beunruhigt europäischer Beobachter auch vor dem Hintergrund der Regulierung von Kapitalmärkten. Wären es zukünftig vor allem amerikanische Banken, die mit Finanzprodukten handeln oder Übernahmen begleiten, verschöbe sich damit die Deutungshoheit in der Finanzregulierung in die Vereinigten Staaten. Wie stabil das europäische Finanzsystem zukünftig ist, würde somit mehr in New York und Washington denn in Berlin und Brüssel bestimmt.

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