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Deutsche Bank : Krabbelecke zwischen Banking-Terminals

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Skyline: Die Deutsche Bank meldet wieder ihren Führungsanspruch an. Bild: picture-alliance/ dpa

Die Deutsche Bank arbeitet an der Filiale der Zukunft. In Frankfurt hat sie dazu ein Labor eingerichtet. Damit will die Bank wieder die Trends in der Branche setzen.

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          Keine Sorge, Kunden der Deutschen Bank werden sich auch weiterhin in ihrer Geschäftsstelle zurechtfinden. Selbst in der Bankfiliale der Zukunft werden Geldautomaten stehen und Bankkaufleute den Kunden Rat anbieten. Äußerlich ändert sich in den Geschäftsstellen der Deutschen Bank erstaunlich wenig. Die Filiale der Zukunft sieht der Geschäftsstelle der Gegenwart ziemlich ähnlich. Auch ein BMW sei ja immer irgendwie als BMW zu erkennen, sagt Rainer Neske, Bereichsvorstand für das Privatkundengeschäft. Aber innen, sozusagen unter der Motorhaube, sollen die Filialen von Deutschlands größter Bank künftig völlig anders sein.

          Ein verstecktes Labor

          Irgendwo im Erdgeschoß der berühmten Zwillingstürme versteckt, ließ Neske ein Labor einrichten, eine Filiale, in der die Ideen, die man sich im Privatkundengeschäft ausdenkt, ausprobiert werden - mit richtigen Bankkaufleuten und echten Kunden. Doch selbst den meisten Angestellten der Bank in Frankfurt bleibt diese Filiale verborgen. Im Herbst soll der erste Prototyp an der Friedrichstraße in Berlin seine Pforten öffnen. Das Wort "Showroom", das die Autohersteller gerne verwenden, vermeidet Neske. Er spricht lieber davon, daß diese Zweigstelle ein "Fokuspunkt" werden soll. "Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden werden dort immer das Neueste finden, ohne daß dies gleich in die Fläche gehen muß", sagt er. Denn was in der Friedrichstraße gelingt, gefällt nicht unbedingt in Friedrichshafen.

          "Seit anderthalb Jahren investieren wir wieder in unsere Filialen", sagt Neske. "Aber wir wollten nicht einfach ein paar Anstreicher reinschicken, die etwas die Farbe auffrischen, wir wollen vorher testen, welche Farbe am besten beim Kunden ankommt." Im Vordergrund stehen erstmals nicht Rendite, Eigenkapitalrentabilität oder Rationalisierung - jene Begriffe, die in den Jahren der Krise das Selbstverständnis der Deutschen Bank geprägt haben.

          Weg mit Lamellen und Tresen

          In der Filiale der Zukunft blickt die Deutsche Bank auf den Kunden. Der hat sich offenbar an gewisse Konstanten im Interieur von Bankfilialen gewöhnt: Hinter dem Eingang stehen die unumgänglichen Selbstbedienungsautomaten, getrennt durch eine Glaswand vom Rest der Geschäftsstelle, dem Beratungsbereich. Dort sind die Lamellen an den Fenstern verschwunden und sogar der Tresen. Zu viele Kunden finden das heute spießig. Statt dessen stehen dort in lockerer Anordnung ein paar Stehtische mit Computer und Flachbildschirm, hinter dem Berater die Kunden empfangen - "barrierefrei", sagt Neske. Hier soll der Kunde mit dem Berater in einen Dialog treten und bei kniffligen Fragen auch mal spontan um den Tisch herumgehen können, damit er sich auf dem Bildschirm steigende Kurven anschauen kann. Die Formulare sind alle dort gespeichert - der Kunde signiert auf einem elektronischen Sign-Pad, so daß der Computer gleich die Echtheit der Daten abgleichen kann.

          Natürlich ist in der Geschäftsstelle der Zukunft High-Tech Trumpf. Doch sind selbst Kameras und Mikrophone für Videokonferenzen ganz diskret eingebaut. Ein Projektor wirft Werbung rückwändig auf eine spezielle Glasscheibe. Jetzt wird getestet, die Berater mit einem Tablett-PC auszustatten. Das sind Computer, die tatsächlich wie ein Tablett aussehen, vor allem aber mitgenommen werden können, zum Beispiel in ein Besprechungszimmer, wo Berater und Kunde etwas diskreter verhandeln können. Doch ob die Tabletts kommen, hängt davon ab, ob sie den Kunden gefallen.

          Führungsanspruch der Deutschen Bank

          "Das Entscheidende", meint Neske, "sind nicht die Äußerlichkeiten, sondern die Prozesse, die im Hintergrund in den Computerzentren der Bank ablaufen. Den größten Erfolg hat Neske auch nicht mit der Technik, sondern mit einer Krabbelecke, wo Eltern ihre Kleinen beschäftigt wissen, während sie sich ungestört beraten lassen. "Warum auch nicht?" fragt Neske eine staunende Frau. "Das hat doch jedes Möbelgeschäft, warum nicht auch eine Bank?"

          Die Filiale der Zukunft zeigt nicht zwingend den Weg in eine neue Welt der Technik. Vielmehr demonstriert die Deutsche Bank, daß sie die Meinungsführerschaft in der Branche zurückerobern will. Marktführer könne sie nicht werden, das seien die Sparkassen, sieht auch Neske ein. Aber die Deutsche Bank meldet sich zurück, um künftig wieder die Trends im Gewerbe zu setzen.

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