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Deutsche-Bank-Kommentar : Es reicht!

Noch einmal um mehr Geduld bitten kann der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, zwar; nur helfen wird es ihm nicht. Bild: Helmut Fricke

Es ist niemandem zu vermitteln, dass die Deutsche Bank Milliarden-Boni zahlt, aber im Investmentbanking nicht in Fahrt kommt. Die Zeit ist reif für radikales Neudenken – und die entscheidende Frage offensichtlich.

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          Aktienkurse lügen nicht – auch nicht jeder der Deutschen Bank, der nach Äußerungen von Finanzvorstand James von Moltke zur Entwicklung des Investmentbankings im ersten Quartal am Mittwoch Nachmittag deutlich nach unten abtauchte. Die Schlussfolgerung ist offensichtlich: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank muss dringend Überlegungen zur Strategie des Hauses anstellen.

          Es ist niemandem zu vermitteln, dass die Bank hohe Boni zahlt, aber im Investmentbanking nicht in Fahrt kommt. Es sieht auch nicht so aus, als könnte sie noch einmal zu den Riesen aus der Wall Street aufschließen, die im Unterschied zur Deutschen Bank Jahr für Jahr Milliarden verdiene.

          „Sie wissen das auch“

          Das Problem der Deutschen Bank ist nicht in erster Linie der Vorstand, auch wenn John Cryan nunmehr schon fast drei Jahre an der Spitze steht und nach einer solchen Zeit der Hinweis, man benötige mehr Geduld für einen Neuanfang, einem Argument mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum gleicht. Der Verweis, das wirtschaftliche Umfeld sei für das Investmentbanking schwierig, verfängt nicht, denn andere Investmentbanken müssen auch in diesem Umfeld leben.

          Das Problem ist vor allem strategischer Natur und dafür ist der unter Leitung Paul Achleitners stehende Aufsichtsrat zuständig. Wer auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit internationalen Bankern sprach oder hier in Frankfurt Manager anderer deutscher Häuser nach der Zukunft des aktuellen Geschäftsmodells der Deutschen Bank befragt, erhält mittlerweile nur noch eine Antwort: „Die schaffen das nicht mehr – und sie wissen es auch.“

          Wollen Cryan oder der große Zauderer Paul Achleitner im Mai allen Ernstes vor die Hauptversammlung treten und lediglich um mehr Zeit bitten? Die Zeit ist reif für radikales Neudenken. Die Frage lautet: Wie viel Investmentbanking braucht die Deutsche Bank?

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