https://www.faz.net/-gqe-98r56

John Thain zur Deutschen Bank : Der Boni-Ritter der Wall Street

John Thain Bild: Bloomberg

John Thain wird neuer Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er hat nicht nur eine schillernde Karriere an der Wall Street hinter sich. Jetzt soll er dabei helfen, die Deutsche Bank zu retten.

          3 Min.

          Bescheidenheit ist keine Stärke von John Thain, auch wenn seine Erscheinung auf Selbstdisziplin in Sachen körperlicher Fitness und Ernährung schließen lässt. Das richtige Maß hat der künftige Aufsichtsrat der Deutschen Bank vor und während der Finanzkrise dann verloren, wenn es um seine Vergütung ging. Um ihn war es in den vergangenen Jahren ziemlich still geworden. Zwar sanierte Thain in den vergangenen Jahren erfolgreich die New Yorker CIT Group. Er fusionierte den Mittelstandsfinanzierer mit der kalifornischen Regionalbank One West und leitet seit seinem Rücktritt als Vorstandschef im Jahr 2015 den Verwaltungsrat, also das Aufsichtsgremium.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Für dicke Schlagzeilen war das nicht gut – mal abgesehen von dem Detail, dass der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin Vorstandschef von One West war. Als CIT die Bank im Jahr 2015 für etwas mehr als 3 Milliarden Dollar kaufte, war Mnuchin ähnlich wie CIT in den Vereinigten Staaten aber nur Branchenexperten ein Begriff.

          Dem jetzt 62 Jahre alten Thain, der in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen soll, dürfte das mäßige öffentliche Interesse aber ganz recht gewesen sein. Denn Schlagzeilen über ihn gab es im vergangenen Jahrzehnt mehr als genug – und wahrlich nicht immer positive. Die Institute, bei denen Thain in den 2000er Jahren Spitzenposten bekleidete, gehören zu den schillerndsten Namen der Wall Street und garantierten ihm so das Interesse einer breiten Öffentlichkeit.

          Thain fädelte Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America ein

          Thain war nach einer jahrzehntelangen Karriere bei Goldman Sachs, der wichtigsten amerikanischen Investmentbank, erst Finanzchef und dann Nummer zwei hinter dem damaligen Vorstandschef Henry Paulson geworden. Aus seiner Zeit bei Goldman kennt Thain auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Paul Achleitner, der damals das Deutschland-Geschäft leitete. Thain wartete aber nicht ab, bis der Spitzenposten bei Goldman frei wurde, sondern wechselte 2004 als Vorstandschef zur skandalgeplagten New York Stock Exchange, der größten amerikanischen Aktienbörse und dem vielleicht wichtigsten Aushängeschild der Wall Street.

          Thain war ein Superstar der Branche, galt als erfolgreicher Sanierer und wurde zeitweilig für jeden vakanten Spitzenposten der Wall Street gehandelt. Im Jahr 2007 wechselte er schließlich zur drittgrößten Investmentbank Merrill Lynch, die Goldman Sachs im Wertpapierhandel nachgeeifert hatte, aber im Zuge der sich abzeichnenden Hypothekenkrise hohe Verluste machte. Thain, der als Fachmann für Risikomanagement galt, gelang es aber nicht, diese Abwärtsspirale zu stoppen. An jenem schicksalhaften Wochenende Mitte September 2008, als die Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, fädelte Thain den Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America ein. Merrill Lynch galt damals als nächster Pleitekandidat.

          Topmeldungen

          Beim Kampf gegen das Virus hat Präsident Donald Trump eine Kehrtwende eingeläutet.

          Corona-Krise : Trump will Einreisestopp für Europäer verlängern

          Die bestehenden Beschränkungen in den Vereinigten Staaten sollen laut Präsident Trump nicht nur bestehen bleiben, sondern möglicherweise verschärft werden. In keinem anderen Land der Welt gibt es derart viele bestätigte Virusinfektionen.
          Mittlerweile hat Nils Jonathan Lenssen aus Berlin die Situation akzeptiert: „Das Hauptding ist der Abschluss und was erreicht zu haben“, sagt er.

          Abitur zu Zeiten des Virus : Der Corona-Jahrgang

          Sie haben von einer besonderen Zeit geträumt, Partys und Reisen vorbereitet. Jetzt aber müssen auch sie zu Hause bleiben. Unsere Autorin hat sich bei Abiturienten umgehört, wie Träume platzten und neue Pläne entstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.