https://www.faz.net/-gqe-70s9l

Deutsche Bank : Jain und Fitschen raten von Eurobonds ab

Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Gespräch Bild: Lüdecke, Matthias

In ihrem ersten gemeinsamen Interview plädieren die neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank gegen gemeinsame Anleihen aller Euroländer. Eurobonds würden nicht helfen, die Probleme Europas kurzfristig zu lösen, sagten Jain und Fitschen der F.A.Z. Sie wollen ihre Bank wieder zum voll akzeptierten Partner der Realwirtschaft machen. 

          Eurobonds, also gemeinsame Anleihen aller Euroländer, und eine Bankenunion, die große europäische Banken unter eine gemeinsame Aufsicht stellen würde, sind zur kurzfristigen Lösung der Probleme innerhalb der Währungsunion ungeeignet. Dieser Überzeugung sind Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. „Sie helfen nicht bei der Lösung der Probleme, die Europa derzeit in den Augen internationaler Investoren so schwach aussehen lassen und kurzfristig gelöst werden müssen“, sagten Jain und Fitschen in ihrem ersten gemeinsamen Interview.

          Gerald Braunberger
          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Sie warnen davor, Dinge, die Europa kurzfristig anpacken müsse, mit Entscheidungen zu vermischen, die man erst in einer „wirklich politisch und wirtschaftlich integrierten“ Europäischen Union treffen könne. Kurzfristig gelte es allein, Vertrauen zurückgewinnen. Das könne gelingen, wenn die stark verschuldeten Länder jeweils zu einer soliden Finanzpolitik zurückkehrten und tiefgreifende Reformen ihrer Arbeitsmärkte auf den Weg brächten. „Die Sozialisierung der Verantwortlichkeiten ist keine kurzfristige Lösung, gerade auch aus deutscher Sicht. Das wäre erst dann denkbar, wenn wir wirklich eine Politische Union hätten. Aber das ist noch nicht der Fall“, betonten beide im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Deutsche Bank will unter die fünf führenden Universalbanken

          Unter ihrer neuen Führung strebt die Deutsche Bank an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu den fünf führenden Universalbanken zu zählen. Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen die Bank zudem zu einem wieder voll akzeptierten Partner der Realwirtschaft machen. „Die künstliche Trennung zwischen Bank und Realwirtschaft in der öffentlichen Diskussion muss wieder verschwinden“, sagten Jain und Fitschen. Die Kapitalausstattung ihrer Bank halten sie für gut, den Aktienkurs für unterbewertet. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Kapitalanforderungen, also vor allem Basel III, aus eigener Kraft erfüllen werden – und das nicht erst im Jahr 2018“, sagten sie.

          „Wir haben von den Mitarbeitern das klare Signal bekommen, nicht auf der Basis von Quoten, sondern weiterhin auf der Basis von Leistung zu entscheiden“, sagt Jürgen Fitschen.

          Zugleich spiegele sich im Aktienkurs der Deutschen Bank ein großes generelles Misstrauen gegenüber den Banken des Euroraums wider. „Wir werden mit einem Abschlag auf unseren Buchwert gehandelt, den es aufzuholen gilt.“ Sie seien vom Aufsichtsrat berufen worden, um langfristig den Wert der Bank zu steigern, betonten beide: „Wir werden das nicht auf eine Kennzahl reduzieren. Aber wir werden im Herbst klare Ansagen machen, wie wir die Leistungsfähigkeit und damit die Bewertung der Bank verbessern wollen.“

          Jain und Fitschen wollen weiterhin Geschäfts- und Investmentbank verbinden

          Dabei setzen Jain und Fitschen weiterhin auf das Modell einer Universalbank, also die Verbindung von Geschäfts- und Investmentbank. „Die Universalbank ist aus der Perspektive des Kunden ein sehr effektives Geschäftsmodell.“

          Das Investmentbanking sei ein Herzstück der Deutschen Bank, aber es stehe außer Frage, dass dieser Bereich einige herausfordernde Jahre vor sich habe. „Als Stichwort nenne ich nur die Kapitalvorschriften rund um Basel III, mit denen das Kapital, mit dem bestimmte Investmentbanking-Aktivitäten zu unterlegen sind, möglicherweise verdoppelt oder gar verdreifacht werden muss“, sagte Jain. Mit der Postbank wiederum, werde man andere Kunden ansprechen als mit der Deutschen Bank, und man werde die Marken weiterhin klar trennen.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Unsere Sprinter-Autorin: Maja Brankovic

          F.A.Z.-Sprinter : Großkampftag fürs Klima

          Arbeiten oder fürs Klima streiken? Heute wollen die Schüler, dass die Erwachsenen es ihnen gleich tun. In Berlin ringt die große Koalition weiter um ein klimapolitisches Reformpaket. Alles Wichtige im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.