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Deutsche Bank : Achleitner in Abstiegsangst

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Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bild: Reuters

Champions League adé! Die Deutsche Bank wird nach unten durchgereicht. Vor der Hauptversammlung bekommt der Aufsichtsratschef den Gegenwind zu spüren. Spielt die Bank bald in einer Liga mit dem FC Aschheim?

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          Frankfurt ist Pokalsieger, es sind noch gut drei Wochen bis zur WM, der deutsche Kader ist nominiert, allmählich steigt das Fieber. Im Frankfurter Bankenviertel greifen die Fußball-Metaphern um sich – voraussichtlich auch am Donnerstag, wenn die Deutsche Bank ihre Aktionäre zum jährlichen Treffen in die Festhalle zusammentrommelt. Das wird wenig feierlich, so schlecht wie die vergangene Saison gelaufen ist mit dem dritten Verlust in Folge. Der Mann, der als Aufsichtsratspräsident hoch oben auf dem Podium sitzt, kann sich auf etwas gefasst machen: Paul Achleitner wird manche verbale Watschen einstecken, so viel ist gewiss.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sein Club, also die Deutsche Bank, befindet sich im freien Fall, von Champions League ist keine Rede mehr, die Eigentümer sind so unzufrieden wie Fußballfans nach einer Serie verkorkster Spielzeiten – nur dass die Aktionäre zum gefühlten Schmerz auch noch echtes Geld verloren haben, und zwar etliche Milliarden.

          Von Real Madrid zum Münchner Vorortclub

          Gemessen am Börsenwert, spielt die Deutsche Bank nicht mehr gegen Real Madrid oder den FC Bayern, also JP Morgan oder Goldman Sachs, eher schon gegen den Münchner Vorortclub FC Aschheim, die Heimat des Fintechs Wirecard: Das junge Unternehmen ist mit 16 Milliarden Euro Marktwert nicht mehr so weit weg von der ehemals stolzen Deutschen Bank mit ihren 22 Milliarden Euro Marktwert. Das tut weh. Der Zorn darüber wird sich auf der Hauptversammlung entladen. Nicht nur die üblichen Krawallos, auch die Profi-Investoren schießen scharf.

          „Schlechte Zahlen, falsche Strategie“, fasst Ingo Speich von der Union Investment die missliche Lage der Bank zusammen. „Aktienkurs unterirdisch. Kosten viel zu hoch, Erträge viel niedriger als 2015 selbst versprochen“, ergänzt Andreas Thomae, Fondsmanager der Deka-Bank. Dazu kommt ein chaotischer Trainerwechsel, wenn man den Rauswurf von Vorstandschef John Cryan in den Sport überträgt: „Unprofessionell“, lautet der knappe Kommentar von Klaus Nieding, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), zum Vorgehen des Aufsichtsrates der Deutschen Bank im Frühjahr.

          DT. BANK

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          Nun stellt sich – im Geschäft wie im Sport – die Frage nach den Schuldigen. Wenn über Jahre Stars geholt und wieder davongejagt werden, wie die Topleute in der Deutschen Bank, ohne dass sich der Erfolg einstellt, erreicht der Ärger irgendwann das Präsidium, im Fall des Konzerns die Spitze des Aufsichtsrates. Schon sind von den Rängen des Kapitalmarktes „Achleitner raus“-Rufe zu hören. Die Aktionärsberater Glass Lewis hat seinen Kunden empfohlen, dem Österreicher auf der Hauptversammlung einen Denkzettel zu verpassen.

          Achleitner muss nur nicht gehen, weil sonst ein Führungsvakuum droht

          Die einflussreichere ISS jedoch rät, Achleitner zu unterstützen, weil sonst ein gefährliches Führungsvakuum entstehen könnte – mit potentiell „zerstörerischer Wirkung für die Bank“. Die Profi-Investoren werden Paul Achleitner am Donnerstag deshalb in der Mehrheit entlasten, prophezeit DSW-Mann Nieding. Auch er selbst werde ihm die Stimme geben, „aber mit einer dunkelgelben Karte“.

          Die Uhr jedenfalls tickt. Das von Achleitner neu zusammengestellte Team unter Christian Sewing muss schnell punkten, sonst kracht’s. Achleitner hat sein Wechselkontingent mit dem dritten Vorstandschef erschöpft, warnt Deka-Manager Thomae: „Im Fußball darf man auch nur drei Mal auswechseln.“ Die Geduld des Kapitalmarktes sei weitgehend erschöpft. „Binnen eines Jahres müssen erste Erfolge her und die Strategie sichtbar werden, Sewing muss sehr schnell Nägel mit Köpfen machen.“

          Die Probleme sind bekannt: Die Bank hat, verglichen mit der Konkurrenz, viel zu viel Personal, die IT ist noch immer lausig, die Marktanteile in wichtigen Geschäften schwinden, die hochbezahlten Investmentbanker spielen vielerorts die Boni nicht ein, und die Bilanz des Konzerns ist viel zu groß – „im krassen Missverhältnis zur geringen Profitabilität“, wie Ingo Speich kritisiert. „Die Deutsche Bank muss sich gesundschrumpfen“, fordert er, ohne zu wissen, ob der Markt ihr die dafür nötige Zeit gewährt. Was aber wäre der Ausweg? Zur Not die Fusion mit einem Konkurrenten? Nein, nicht mal das, so der traurige Befund von Fondsmanager Andreas Thomae: „Im jetzigen Zustand ist die Deutsche Bank nicht fusionsfähig.“

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