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Deutsche Bank : Germany’s Next Ackermann

Ackermann und Börsig: Der Aufseher ist Favorit im Flurfunk Bild: ddp

Noch stolze 14 Monate ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Amt – und trotzdem ist der Kampf um seine Nachfolge schon ausgebrochen. Bald wird die Führungsspitze kräftig umgebaut: Vorrunde im großen Casting für Deutschlands wichtigsten Bankmanager-Posten?

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          Noch stolze 14 Monate ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Amt – und trotzdem ist der Kampf um seine Nachfolge schon ausgebrochen. Am nächsten Dienstag will der Aufsichtsrat der Bank einen kräftigen Umbau der Führungsspitze beschließen: Was läge da näher, als darin eine Vorrunde im großen Casting für Deutschlands wichtigsten Bankmanager-Posten zu vermuten?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstand soll von vier auf acht Mitglieder vergrößert werden: Neu in das Gremium rücken die Investmentbanker Anshu Jain und Michael Cohrs ein, außerdem der Chef des Privatkundengeschäfts Rainer Neske und Deutschlandchef Jürgen Fitschen. Während Fitschen mit 60 Jahren zu alt für die Ackermann-Nachfolge sein dürfte, wird die Position von Jain, Cohrs und Neske aufgewertet – ihre Chancen im Nachfolgerkampf dürften sich damit verbessern.

          Von den bisherigen Vorstandsmitgliedern Hugo Bänziger (Risiko), Stefan Krause (Finanzen) und Hermann-Josef Lamberti (operatives Geschäft) gilt vor allem Bänziger als weiterer Kandidat für die Ackermann-Nachfolge. Unter anderem deshalb, weil das Risikomanagement der Deutschen Bank sich in der Finanzkrise noch vergleichsweise gut geschlagen hat.

          Nie fehlt sein Name auf der Liste: Investmentbanker Anshu Jain, demnächst Mitglied des Vorstands

          Mit den neuen Mitgliedern soll der Vorstand zugleich mehr Macht bekommen. Das ist eine Art Rolle rückwärts: Als Ackermann 2002 sein Amt antrat, hatte er als eigentliche Machtzentrale ein neues „Group Executive Committee“ installiert; ein angelsächsisch geprägtes Führungsgremium, das nicht mehr vom Aufsichtsrat kontrolliert wurde und in dem die wirklich wichtigen Entscheidungen fielen.

          Die Finanzkrise aber hat nicht nur eine politische Diskussion beflügelt, dass Aufsichtsräte ihre Manager besser überwachen müssten. Sie hat auch die Machtverhältnisse in der Deutschen Bank durcheinandergewirbelt. Beides nutzt Aufsichtsratschef Clemens Börsig offenbar, um (aus seiner Sicht) geordnetere Verhältnisse zu schaffen. Der Aufsichtsrat kann künftig wieder das wichtigste Führungsgremium kontrollieren. Das Gremium, und damit Börsig, gewinnt durch die Rochade an Macht.

          Ob der oberste Aufseher der Deutschen Bank selbst gern ihr Chef würde – darüber wird noch kräftig gerätselt. Für den Flurfunk der Deutschen Bank ist er klarer Favorit“, hört man aus der Bank. Diese Theorie wird dadurch unterstützt, dass Börsig selbst auf diese Frage stets ausweichend geantwortet hat. Gegen ihn als Ackermann-Nachfolger könnte allerdings sprechen, dass der frühere Finanzvorstand bislang eher als Zahlenmensch denn als Stratege in Erscheinung trat.

          Wirft Börsig seinen Hut nicht in den Ring, so könnte alles auf einen Zweikampf zwischen Risiko-Experte Bänziger und Investmentbanker Jain hinauslaufen. Wobei es allerdings schwer vorzustellen ist, dass nach dieser Krise des Investmentbanking ausgerechnet ein Investmentbanker am Ende das Rennen macht.

          „25 Prozent ist nicht in Stein gemeißelt“

          Josef Ackermann hat das frühere Renditeziel von 25 Prozent verteidigt. „Wenn wir uns das nicht vorgenommen hätten, würde es die Deutsche Bank heute nicht mehr geben“, sagte Ackermann am Sonntag auf einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing zum Thema „Schafft Ethik Wachstum?“. Möglicherweise wäre der Aktienkurs des deutschen Branchenprimus ohne die Vorgabe so unter Druck geraten, dass Konkurrenten die Möglichkeit zur Übernahme leicht hätten nutzen können.

          Ackermann hatte für seine Vorgabe einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent viel öffentliche Kritik geerntet. Nun sagte er, dies sei kein absoluter Maßstab: „25 Prozent ist nicht in Stein gemeißelt. Das war damals eine Richtgröße, die die Besten in der Branche ungefähr erreicht haben.“ In der Schweiz hätten viele Geldinstitute bereits in den 80er Jahren auf diesem Niveau gearbeitet. Auch jetzt liege die Marke trotz der Wirtschaftskrise für die Branche erneut in Reichweite. „Viele große Banken werden diese Ziele im ersten Quartal wieder erreichen“, schätzte Ackermann. Wann die Deutsche Bank wieder in diese Größenordnung vorstoßen will, verriet er nicht. (Reuters)

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