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Investmentbanking : Deutsche Bank fällt immer weiter hinter der Konkurrenz zurück

  • -Aktualisiert am

Die Deutsche Bank in Frankfurt Bild: Reuters

Die Einnahmen der Deutschen Bank im Kapitalmarktgeschäft sinken im ersten Halbjahr um 20 Prozent – kein Wettbewerber muss einen höheren Rückgang hinnehmen. Im Investmentbanking verliert das Geldhaus an Bedeutung.

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          Neue Daten zum Geschäft der internationalen Banken im globalen Kapitalmarktgeschäft zeigen, dass alle unter einem schrumpfenden Markt leiden – die Deutsche Bank allerdings am stärksten. Die Deutsche Bank nahm im ersten Halbjahr im Geschäft mit der Plazierung von Anleihen und Aktien sowie der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen (M&A) 20 Prozent weniger ein als im Vorjahreshalbjahr. Mit Einnahmen von 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) hat die Deutsche Bank zwar Rang acht der größten Investmentbanken gehalten. Aber unter den 15 größten Investmentbanken hat keine einen größeren prozentualen Gebührenrückgang zu verkraften.

          Der Abstand auf die Wettbewerber hat sich also für die Deutsche Bank vergrößert. An der Spitze liegen unverändert die amerikanischen Banken JP Morgan und Goldman Sachs mit Gebühreneinnahmen von 3,3 Milliarden Dollar (minus 15 Prozent) und 3,0 Milliarden Dollar (minus 13 Prozent). Die Bank of America (jetzt Rang drei) hat mit Morgan Stanley (jetzt Rang fünf) die Plätze getauscht, Citi bleibt auf Rang vier. Als beste europäische Banken stehen Credit Suisse und Barclays mit Gebühreneinnahmen von je 1,6 Milliarden Euro (Rückgänge von 11 und 8 Prozent) noch vor der Deutschen Bank.

          Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dürfte sich angesichts der schrumpfenden Märkte im Investmentbanking, in denen die Deutsche Bank zudem noch Marktanteile verliert, in seiner Entschlossenheit zum Handeln bestätigt sehen. „Wir sind zu harten Einschnitten bereit. Wir werden die Transformation beschleunigen – indem wir unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden besonders relevant sind“, hatte Sewing auf der Hauptversammlung am 23. Mai gesagt.

          20.000 Stellen bedroht

          Nun steht für diesen Sonntag eine Aufsichtsratssitzung in der Deutschen Bank an. Dort dürfte eine Schrumpfung des Investmentbankings, eine Verkleinerung des Vorstands sowie ein Stellenabbau beschlossen werden. Wie die F.A.Z. von Großaktionären hört, wird der bisher neunköpfige Vorstand nicht nur verkleinert, sondern die Verantwortlichkeiten werden weitreichender neu zugeschnitten als bisher bekannt. Wahrscheinlich wird Sewing von Garth Ritchie die Verantwortung für das Investmentbanking übernehmen. Darüber hinaus werde es weitere Änderungen im Vorstand geben, um dort schlagkräftiger zu werden, heißt es.

          Nach Informationen der F.A.Z. sind im Deutsche-Bank-Konzern 20.000 von derzeit 91.500 Vollzeitstellen bedroht. Das wäre der größte Stellenabbau in der 149 Jahre langen Geschichte der Bank. Die größten Kürzungen dürfte es im Aktien- und Zinsgeschäft außerhalb von Europa geben. Stellt sie das Aktien- und Zinsgeschäft in Amerika und Asien weitgehend ein, brauchte die Deutsche Bank auch Derivate nicht mehr, mit denen sie diese Geschäfte absichert.

          Viele Derivate in ihrem nominal 48 Billionen Dollar dicken Derivate-Buch laufen noch mehr als zwanzig Jahre. Es wird wie berichtet erwartet, dass die Deutsche Bank von zuletzt 347 Milliarden Euro an riskanten Vermögenswerten (risikogewichteten Aktiva) bis zu 50 Milliarden Euro zum Nicht-Kerngeschäft erklärt und in eine interne Abbaueinheit verschiebt, damit Sanierungsexperten sie abwickeln. Damit wäre auch eine Umbuchung und Neubewertung in der Bilanz verbunden: Von „halten bis zur Endfälligkeit“ hin zu „verkaufsbereit“.

          Kaufverhandlungen mit der Konkurrenz

          Die Kosten für die Sanierung veranschlagen die meisten Aktienanalysten auf 3 bis 5 Milliarden Euro. Die Kosten für die Abfindung ausscheidender Mitarbeiter und die Einstellung von Geschäften sollen aber möglichst nicht so hoch ausfallen, dass die Deutsche Bank eine (große) Kapitalerhöhung braucht. Vielmehr soll der Verkauf neuer Aktien angesichts des tiefen Aktienkurses dem Vernehmen nach unbedingt vermieden werden.

          Doch dass die Deutsche Bank gerade im Aktiengeschäft Schwächen hat, verdeutlichen die Halbjahreszahlen von Refinitiv einmal mehr. Hier sanken ihre Gebühreneinnahmen für die Begleitung von Börsengängen und Kapitalerhöhungen im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 48 Prozent auf 177 Millionen Dollar. Am meisten verdiente die Deutsche Bank noch in Amerika, während sie die Schwäche des deutschen Heimatmarktes voll traf. Die Investmentbanken UBS, Barclays und Jefferies zogen im globalen Aktiengeschäft an der Deutschen Bank vorbei und verdrängten sie von Rang sieben auf Rang zehn.

          Insofern würde es kaum überraschen, dass die Deutsche Bank das Kaufinteresse von Wettbewerbern wie Citigroup und BNP Paribas für ihr Aktiengeschäft auslotet, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Plausibel erscheinen auch Marktspekulationen, dass die Deutsche Bank gerade versucht, einige ihrer für die interne Abbaueinheit vorgesehenen Derivate zu verkaufen. Das Kunststück dabei dürfte sein, Finanzinvestoren zu finden, die dafür einen Preis möglichst nahe am bisher bilanzierten Wert bieten. Sonst muss die Deutsche Bank Verluste hinnehmen, die ihr Eigenkapital ein Stück aufzehren. 

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