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Gute Zahlen : Deutsche Bank erzielt abermals einen Milliardengewinn

In der Erfolgsspur: Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank Bild: dpa

Das Institut verdient deutlich mehr, als der Markt erwartet hat. Vorstandschef Sewing streicht zwar das Kostenziel, wird aber ehrgeiziger.

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          Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal mit 1,2 Milliarden Euro deutlich mehr verdient, als am Markt erwartet worden war. Der Aktienkurs sprang im frühen Geschäft um 4 Prozent auf über 11 Euro nach oben, pendelte sich später mit 10,66 Euro nahe am Vortagesschluss ein. Analysten hatten im Durchschnitt ihrer Prognosen mit einem um fast ein Drittel niedrigeren Vorsteuergewinn gerechnet.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing wertete den abermaligen Milliardengewinn in einem Dreimonatszeitraum als erfreulich. In seinem Brief an die Mitarbeiter schrieb er, bei der Transformation der Bank schon vieles erreicht zu haben. „Aber es ist ein wenig wie bei einem Marathonlauf: Bei Kilometer 30 fängt es an, besonders anstrengend zu werden.“

          Das am Investorentag im Dezember von 17 auf 16,7 Milliarden Euro gesenkte Kostenziel für das Jahr 2022 strich er. Statt einem absoluten Kostenziel peilt Sewing im kommenden Jahr eine Aufwand-Ertrag-Relation von 70 Prozent an. Das bedeutet, die Deutsche Bank muss für jeden Euro Ertrag 0,70 Cent aufwenden. Diese Kennziffer bildet nach den Worten Sewings die angestrebte nachhaltige Markte besser ab. „Die Aufwand-Ertrag-Relation ist auch entscheidend, um unser zentrales Ziel für das kommende Jahr zu erreichen: eine Rendite von acht Prozent auf das materielle Eigenkapital. Beide Zielquoten haben wir heute noch einmal bekräftigt“, erläuterte Sewing den Mitarbeitern die Marschrichtung.

          Zuversicht bei Erträgen

          Ehrgeiziger ist die Bank auch hinsichtlich der Erträge geworden. Im ersten Halbjahr haben sich diese gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro erhöht. Nun rechnet die Bank im kommenden Jahren mit Erträgen, die über den bislang angestrebten 24,4 Milliarden Euro liegen dürften. Ohne genauer zu werden sagte Finanzvorstand James von Moltke auf der Telefonkonferenz, dass diese im kommenden Jahr näher bei 25 Milliarden Euro liegen könnten.

          Nachdem die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) die strikten Dividendenregeln ab September aufheben werden, bereitet sich die Deutsche Bank auf die erste Gewinnausschüttung seit zwei Jahren vor. Im zweiten Quartal wurden 274 Millionen Euro für die Dividende zurückgelegt. Nach 300 Millionen Euro im ersten Quartal sind nun insgesamt 574 Millionen Euro für die Dividende auf das laufende Geschäftsjahr zurückgestellt worden. Etwas vage hatte der Vorstand auf dem Investorentag im Dezember in Aussicht gestellt, vom Jahr 2022 an Eigenkapital in Höhe von 5 Milliarden Euro den Aktionären zurückzugeben. Dabei lässt die Bank weiterhin offen, auf welchen Zeitraum sich der Betrag bezieht und wie viel davon auf Dividenden und auf Aktienrückkäufe entfallen.

          DT. BANK

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          Nach Steuern verdiente die Deutsche Bank zwischen April und Ende Juni 828 Millionen Euro. Davon müssen noch Minderheitsanteile sowie Zinszahlungen für bestimmte Anleihen abgezogen werden, so dass auf die Aktionäre unter dem Strich ein Gewinn von 692 Millionen Euro entfiel. Vor einem Jahr standen hier noch ein Fehlbetrag von 77 Millionen Euro. Nach sechs Monaten beträgt der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn 1,6 Milliarden Euro nach minus 120 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Es ist das beste Halbjahr seit 2015.

          BGH-Urteil belastet mit 222 Millionen Euro

          Sehr zufrieden zeigte sich Sewing in der Entwicklung der einzelnen Geschäftsfelder, die alle – wie schon im Vorquartal – profitabler wurden. Im Privatkundengeschäft belastete das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Bankgebühren das Ergebnis mit insgesamt 222 Millionen Euro, so dass im zweiten Quartal ein Verlust von 11 Millionen Euro anfiel. Davon bereinigt wäre es ein Gewinn von 87 Millionen Euro gewesen nach einem Verlust von 257 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

          Der BGH hatte Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Viele Gebührenerhöhungen sind deshalb vorerst ausgesetzt, Bankkunden können zudem einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. Für Rechtsstreitigkeiten stellte die Deutsche Bank 128 Millionen Euro zurück. An Einnahmen entgingen ihr wegen des Urteils 94 Millionen Euro.

          Die Unternehmensbank verdiente im Berichtsquartal 246 Millionen Euro, mehr als dreimal so viel wie zwölf Monate zuvor. Die Investmentbank schlug sich im Geschäft mit Anleihen besser als die internationale Konkurrenz. Die Erträge im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen (FIC) sanken zwar um 11 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, aber amerikanische Banken meldeten hier deutlichere Rückgänge. Im Vorjahresquartal war das Anleihegeschäft sehr rege, weil Staaten ihre Hilfspakete für die Corona-Pandemie finanzieren mussten.

          In der ertragsstärksten Sparte erzielte die Bank einen um 7 Prozent höheren Gewinn von 1,0 Milliarden Euro. Um mehr als 100 Prozent steigerten die Investmentbanker die Erträge im Beratungsgeschäft, da es deutlich mehr Unternehmensaktivitäten bei Fusionen und Übernahmen gab. In der Vermögensverwaltung, für das die Kapitalanlagegesellschaft DWS verantwortlich ist, flossen 20 Milliarden Euro an neuen Mitteln zu, was einen Rekordwert darstellt. Seit Ende des zweiten Quartals 2020 betrugen die Nettozuflüsse insgesamt 45 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen stieg im zweiten Quartal um 39 Milliarden auf 859 Milliarden Euro.

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