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Deutsche-Bank-Einstieg : Für die Postkunden ändert sich erst einmal nichts

In den 850 Postbank-Finanzcentern gibt es weiterhin Briefmarken Bild: ddp

Die Deutsche Bank steigt für 2,8 Milliarden Euro bei der Postbank ein. Nach dem Verkauf schwimmt die Post in Geld. Was bedeutet das für die Anleger der Post? Und was ändert sich für die Kunden in den Postbank-Finanzcentern und den Post-Filialen?

          Für die Kunden ändert sich durch den neuen Großaktionär Deutsche Bank erst einmal nichts. In den 850 Postbank-Finanzcentern gibt es weiterhin Briefmarken, und umgekehrt lassen sich in mehr als 5000 Post- und Partnerfilialen auch in Zukunft die alltäglichen Geldgeschäfte erledigen. Die blau-gelbe Filialpartnerschaft mit ihrem fast flächendeckenden Servicenetz ist ein Wettbewerbsvorteil, den die Frankfurter Großbank auch nach einer Komplettübernahme kaum aufs Spiel setzen dürfte. Im Massengeschäft mit den Privatkunden spielt die Deutsche Post erfolgreich ihre Verbundvorteile aus. Rund eine Million Kunden, von denen die wenigsten schon ein Postbankkonto haben, gehen in den Finanzcentern täglich ein und aus, weil sie Briefmarken brauchen oder ein Einschreiben aufgeben wollen. Ein solches Reservoir an potentiellen Neukunden erreicht keine andere Bank so unmittelbar und direkt.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Was bei den Privatkunden hervorragend funktioniert, hat sich im Firmenkundengeschäft nie durchgesetzt. Logistikkunden wollen in aller Regel kein Angebot aus einer Hand, bei dem die Post sowohl als Auftragnehmer für Transportleistungen als auch als Financier auftritt. Im Geschäft mit Containern und Paketen, Lagerhäusern und Seetransporten ist die Bank ein Fremdkörper geblieben. Und jetzt wird getrennt, was nicht zusammenpasst, so wie es Analysten und Aktionäre seit vielen Jahren lauthals fordern. „Wer in Logistik investiert, will Logistik und keine Bank“, beschreibt ein Postmanager die Ratio der Börse. Dass die Finanzmarktkrise die Risiken des Bankgeschäftes überdeutlich vor Augen geführt hat, ist Wasser auf diese Mühlen.

          Mit der Post-Aktie geht es seit längerem bergab

          Dennoch ist es für die Post kein einfacher Abschied. Bei aller Kritik an ihrem Gemischtwarenladen aus Briefzustellung, Expressgeschäft, Logistik und Finanzdienstleistungen: Die Postbank war seit 1999, als der damalige Vorstandschef Klaus Zumwinkel sie für gut zwei Milliarden Euro in den Konzern holte, ein verlässlicher Ertragsbringer. Im vergangenen Jahr stand sie für ein Vorsteuerergebnis (Ebit) von etwa einer Milliarde Euro, im laufenden Geschäftsjahr stehen 1,2 Milliarden Euro im Plan. Die Konzentration auf das Kerngeschäft hat ihren Preis, zumal es dort nicht wirklich rund läuft. Die Rivalen Fedex und UPS haben sogar Gewinnwarnungen abgeben müssen. Konzernchef Frank Appel wird froh sein, dass die Trennung von der Postbank nicht auf einen Schlag erfolgt, sondern die verbleibenden Erträge und die noch fälligen Zahlungen der Deutschen Bank den Prozess abfedern.

          Die Entwicklung des Aktienkurses spricht für sich. Als Appel im Februar antrat, stand die Aktie noch bei etwa 22 Euro. Dann ging es kontinuierlich nach unten. Selbst die Marke von 15 Euro wurde vorübergehend unterschritten, bis sich die Aktie wieder fing und inzwischen Richtung 17 Euro unterwegs ist. Der Emissionskurs von 21 Euro aus dem Jahr 2000 allerdings ist immer noch ein gutes Stück entfernt. Die Finanzmarktkrise mit den möglichen Belastungen der Postbank spielte eine Rolle, vor allem aber das Desaster auf dem amerikanischen Expressmarkt, wo die Post schon Milliardenbeträge verbrannt hat und noch auf Jahre hinaus keine schwarzen Zahlen sehen wird. Und auch auf die Briefsparte – immer noch die Haupteinnahmequelle des „größten Logistikkonzerns der Welt“ – ist immer weniger Verlass. In diesem Jahr soll sie ein Ebit von 1,95 Milliarden Euro einbringen, fast die Hälfte des erhofften operativen Gewinns von 4,2 Milliarden Euro. Der Mindestlohn hat zwar eine Atempause verschafft. Aber noch steht das letztinstanzliche Urteil über die Zulässigkeit der Allgemeinverbindlichkeit aus. Und die wachsende elektronische Konkurrenz lässt die Briefzustellung langsam, aber sicher abbröckeln, eine Entwicklung, die der Mindestlohn nur bremsen, aber nicht aufhalten kann. Dass die Post sogar mit dem Gedanken spielt, ihr Zustellnetz durch die Verteilung von Gratiszeitungen besser auszulasten, ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie sie die Entwicklung selbst einschätzt.

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