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Deutsche Bank : Eine schwierige Mission

Der Neue und der Alte: Anshu Jain (l.) und Josef Ackermann Bild: dapd

Vor den Nachfolgern von Josef Ackermann, der nun als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank abgelöst wird, liegen harte Zeiten. Mit ihrem Börsenwert ist die Bank nur ein Leichtgewicht. Die Weltspitze liegt weit entfernt. Und unter Ackermann hat sich die Marktkapitalisierung fast halbiert.

          Die Aktionäre der Deutschen Bank können mit der Amtszeit des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann kaum zufrieden sein. Als der Schweizer im Mai 2002 die Nachfolge von Rolf-E. Breuer übernommen hatte, war Deutschlands größte Bank an der Börse 50 Milliarden Euro wert. Zehn Jahre später sind es nur noch 27 Milliarden Euro. Dazwischen lag im Herbst 2010 eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Euro, was die Bilanz zusätzlich verschlechtert. Doch auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag wird wohl kaum die Halbierung des Börsenwerts im Mittelpunkt stehen. Einmal mehr dürften angelsächsische Fonds und andere institutionelle Investoren die unglücklichen Umstände in der Nachfolgeregelung im vergangenen Herbst zum Thema machen. Entsprechende Gegenanträge zur Nichtentlastung des Aufsichtsrats sind gestellt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Umso spannender wäre aber die Frage, welche strategischen Weichenstellungen die künftige Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen plant. Die Aktionäre müssen ebenso wie die Führungskräfte der Bank noch auf die neue Marschrichtung warten. Eigentlich hätte sie schon am 11. April rund 200 Führungskräften präsentiert werden sollen. Doch dieses Treffen in Montreux wurde Mitte März abgesagt, weil es wegen der zahlreichen Änderungen in den Führungsgremien auch in den unteren Ebenen zu Umbesetzungen kommt. Die Zusammensetzung der Führungskräfte im April wäre eine andere gewesen als nun nach dem Machtwechsel. Bislang steht lediglich fest, dass Jains Investmentbanker den neuen Vorstand und das für das Tagesgeschäft verantwortliche Group Executive Committee (GEC) dominieren werden.

          Deutsche Bank - zukünftig aus London dominiert?

          Dies nährt die Befürchtung, die Deutsche Bank werde in Zukunft von London, dem Sitz des Investmentbanking, aus dominiert. Ähnliche Sorgen hatte es auch schon vor einer Dekade gegeben, als der Schweizer Ackermann als erster Ausländer das Zepter übernommen hatte. Außer Zweifel steht, dass das von Jain verantwortete Investmentbanking für die Deutsche Bank entscheidend bleibt. Hier spielt sie im internationalen Konzert der Großbanken mit und nimmt in wichtigen Bereichen wie dem Anleihe- oder Devisengeschäft stets einen Spitzenplatz ein. Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, würdigte vor kurzem als eines der wichtigsten Verdienste Ackermanns den Ausbau des Investmentbanking. Zu diesem Zweck hatte er ihn auch 1996 von der Credit Suisse zur Deutschen Bank geholt.

          Wie sehr das von der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhängige Investmentbanking die Ergebnisse der Deutschen Bank bestimmt, zeigen die vergangenen Geschäftsjahre. Ein günstiges Kapitalmarktumfeld sorgte 2007 für einen Rekordnettogewinn von 6,5 Milliarden Euro. Nur ein Jahr später musste die Bank im Zuge der Finanzkrise einen Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro ausweisen. Jains Investmentbanking trägt zum Ergebnis der Bank in der Regel zwei Drittel bei - so auch im ersten Quartal 2012. Einzig im vergangenen Geschäftsjahr waren es mit 2,9 Milliarden Euro nur 44 Prozent. Dafür zeigte sich das durch die Übernahme der Postbank gestärkte Privatkundengeschäft umso besser, indem es seinen Gewinn auf 1,8 Milliarden Euro verdoppelte.

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